Digi­ta­les Wund­ma­nage­ment per Smartphone

Mit intelligenter Technik die Arbeit professionell Pflegender verändern – das haben sich Dr. Michael Aleithe und Philipp Skowron auf die Fahnen geschrieben. Mit ihrer Anfang dieses Jahres veröffentlichten E-Health-App „Wundera“ wenden sich die Gründer des Leipziger Start-ups „Sciendis“ an professionell Pflegende im Bereich Wundversorgung, ob in Homecare-Abteilungen von Sanitätshäusern oder Homecare-Unternehmen. Auf das Thema Wunde spielt der Name der Anwendung daher an.

Die E‑He­alth-App funk­tio­niert laut Fir­men­an­ga­ben in drei Schrit­ten: Wäh­rend der Behand­lung der Wun­de erfolgt eine ein­fa­che und intui­ti­ve Ein­ga­be der zu doku­men­tie­ren­den Infor­ma­tio­nen (Abma­ße der Wun­de, Klas­si­fi­ka­ti­on, etc.) in die App. Im zwei­ten Schritt ergänzt die im Hin­ter­grund arbei­ten­de Künst­li­che Intel­li­genz (KI) die ein­ge­ge­be­nen Daten mit Hand­lungs­emp­feh­lun­gen auf der Grund­la­ge des vom Deut­schen Netz­werk für Qua­li­täts­ent­wick­lung in der Pfle­ge her­aus­ge­ge­be­nen „Exper­ten­stan­dards Pfle­ge von Men­schen mit chro­ni­schen Wun­den“. Das KI-Sys­tem lernt bestän­dig hin­zu und hin­ter­legt die Infor­ma­tio­nen in der App. Der drit­te und letz­te Schritt wird wie­der­um von den Pfle­gen­den aus­ge­führt. Sie über­prü­fen die auto­ma­ti­schen Ablei­tun­gen bzw. Emp­feh­lun­gen der KI, über­neh­men sie, kön­nen sie aber auch ablehnen.

„Alle Daten kön­nen über Schnitt­stel­len an bestehen­de Doku­men­ta­ti­ons­sys­te­me ange­bun­den wer­den“, erklärt Micha­el Aleit­he. „Dadurch spart unse­re App bis zu 70 Pro­zent der auf die Daten­er­fas­sung ver­wen­de­ten Zeit der Pfle­ge­pro­fis, die ja seit Aus­bruch der Coro­na-Pan­de­mie noch viel mehr unter Druck ste­hen.“ Auf die App las­se sich eben­falls off­line zugrei­fen, wie der Inge­nieur für Sys­tem­de­sign betont: „Schließ­lich betreu­en die Pro­fis vie­le Patient:innen im länd­li­chen Raum, wo es kein oder nur ein unzu­ver­läs­si­ges Netz gibt.“

All-in-one-App in Arbeit

Star­te­ten die bei­den Sci­en­dis-Grün­der Ende 2019 nur zu zweit, hat das Unter­neh­men inzwi­schen 15 Mitarbeiter:innen. Neben einem stark aus­ge­bau­ten Ver­trieb ent­wi­ckelt das Team die App wei­ter. Der­zeit ver­han­delt das Start-up bei­spiels­wei­se mit Her­stel­lern von Wund­ver­bän­den, um deren Ange­bo­te in die App inte­grie­ren zu kön­nen. Des Wei­te­ren sei geplant, die Anwen­dung um die Berei­che Deku­bi­tus­pro­phy­la­xe und chro­ni­sche Schmer­zen zu erweitern.

„Wir wol­len den Pfle­ge­pro­fis mit Wun­de­ra ein kom­plet­tes Wund­ma­nage­ment­sys­tem zur Ver­fü­gung stel­len – ein All-in-one-Pro­dukt“, so Aleit­he. Dazu gehö­re die Anbin­dung an die Tele­ma­tik­in­fra­struk­tur (TI) des Bun­des, die künf­tig alle Betei­lig­ten im Gesund­heits­we­sen mit­ein­an­der ver­net­zen soll, ob Ärzt:innen, Therapeut:innen, Apotheker:innen, Kran­ken­kas­sen, Kli­ni­ken oder die Hilfs­mit­tel­bran­che. „Dabei wol­len wir unse­rer Linie treu blei­ben: Die Anwen­dung soll ein­fach sowie intui­tiv zu bedie­nen sein“, sagt der Inge­nieur für Sys­tem­de­sign. „Weil das nicht immer mit den kom­ple­xen Vor­ga­ben der TI kor­re­spon­diert, wird die Anbin­dung noch eini­ge Zeit dauern.“

Die Kos­ten für das B2B-Pro­dukt müs­sen Wundmanager:innen bzw. ihre Arbeitgeber:innen sel­ber tra­gen. Dank des Pfle­ge­per­so­nal-Stär­kungs­ge­set­zes (PpSG) unter­stützt die Pfle­ge­ver­si­che­rung die Inves­ti­tio­nen ambu­lan­ter oder sta­tio­nä­rer Pfle­ge­ein­rich­tun­gen in die Digi­ta­li­sie­rung aller­dings mit einer ein­ma­li­gen 40-pro­zen­ti­gen Kofi­nan­zie­rung für die Anschaf­fung der ent­spre­chen­den tech­ni­schen Ausrüstung.

Drin­gen­der Handlungsbedarf

„Seit der Coro­na-Pan­de­mie ist in die Digi­ta­li­sie­rung des Gesund­heits­we­sens in Deutsch­land Bewe­gung gekom­men“, kom­men­tiert Aleit­he die jüngs­ten Ent­wick­lun­gen. „Da geht aber noch mehr! Ich erhof­fe mir mehr Unter­stüt­zung ins­be­son­de­re für klei­ne und mitt­le­re Unter­neh­men beim Auf­bau schnel­ler, schlan­ker und pass­ge­nau­er digi­ta­ler Lösun­gen.“ So stel­le das Kran­ken­haus­zu­kunfts­ge­setz eine gute Unter­stüt­zung bei der Digi­ta­li­sie­rung gro­ßer Häu­ser bzw. Play­er dar. „Bei ambu­lan­ten Diens­ten oder Home­ca­re-Unter­neh­men feh­len aber die Per­so­nal­res­sour­cen oder die Finanz­kraft, um davon zu pro­fi­tie­ren. Hier sehe ich drin­gen­den Hand­lungs­be­darf sei­tens der Politik.“

Ruth Jus­ten

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