Das Jahr 2020: Coro­na, Digi­ta­li­sie­rung und OTWorld.connect

Wenige Tage ist das Jahr 2021 erst alt, die Erinnerungen an die Ereignisse der vergangenen zwölf Monate sind aber vielleicht schon ein wenig verblasst. Grund genug, noch einmal einen Blick zurück auf 2020 zu werfen, das sicherlich zu den prägendsten Jahren der vergangenen Jahrzehnte gehörte.

Die durch das Coro­na­vi­rus aus­ge­lös­te Pan­de­mie hat welt­weit zu einer Kri­se geführt. Ein­schnit­te im beruf­li­chen und pri­va­ten Leben waren und sind die dras­ti­sche Fol­ge. Kon­takt­be­schrän­kun­gen, Mas­ke tra­gen und (Teil-)Lockdowns für die Wirt­schaft und das öffent­li­che Leben gehö­ren zu den prä­gnan­tes­ten Erfah­run­gen die­ses Jah­res. Aber wäh­rend einer­seits gegen die Fol­gen des Coro­na­vi­rus gekämpft wird, läuft ande­rer­seits das „nor­ma­le“ Leben wei­ter. Ver­sor­gun­gen muss­ten erfol­gen, wirt­schaft­li­che Ent­schei­dun­gen getrof­fen wer­den und auch die For­schung zur zukünf­ti­gen Ver­sor­gung lie­fer­te neue Erkennt­nis­se. Was pas­sier­te 2020? In die­sem kur­zen Rück­blick schau­en wir noch ein­mal auf die ver­gan­ge­nen zwölf Mona­te der Ortho­pä­die-Tech­nik und dar­über hinaus.

Einen guten Start in das Jahr 2020 hat­ten vor allem die Aus­zu­bil­den­den. Denn seit dem 1. Janu­ar 2020 ist die Novel­le des Berufs­bil­dungs­ge­set­zes (BBiG) zur „Moder­ni­sie­rung und Stär­kung der beruf­li­chen Bil­dung“ in Kraft. Dar­in ist unter ande­rem fest­ge­hal­ten, dass höhe­re Berufs­ab­schlüs­se in der dua­len Aus­bil­dung eine inter­na­tio­na­le Benen­nung erhal­ten, eine Min­dest­ver­gü­tung für Aus­zu­bil­den­de vor­ge­ge­ben ist und die Rah­men­be­din­gun­gen für Prü­fer ver­bes­sert werden.

„Umso mehr freut man sich auf all das, was kommt und ver­sucht auch im eige­nen Kalen­der Platz für Pro­gramm-High­lights zu fin­den, die man unbe­dingt live erle­ben möch­te“, sag­te im Janu­ar BIV-OT-Geschäfts­füh­rer Georg Blo­me zur im Mai geplan­ten OTWorld. Damals konn­te er nicht wis­sen, dass fast zeit­gleich ein Mann aus dem Land­kreis Starn­berg in Bay­ern als ers­ter deut­scher Coro­na­fall doku­men­tiert wur­de. Die Gefah­ren einer nach­fol­gen­den Pan­de­mie wur­den selbst von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn zunächst nicht erkannt, wie sein State­ment vom 27. Janu­ar 2020 zeigt: „Es war zu erwar­ten, dass das Virus auch Deutsch­land erreicht. Der Fall aus Bay­ern zeigt aber, dass wir gut dar­auf vor­be­rei­tet sind. Die Gefahr für die Gesund­heit der Men­schen in Deutsch­land durch die neue Atem­wegs­er­kran­kung aus Chi­na bleibt nach Ein­schät­zung des RKI wei­ter­hin gering.“

Zu Jah­res­be­ginn stand dage­gen die euro­päi­sche Medi­zin­pro­duk­te­ver­ord­nung (MDR) für vie­le Exper­ten der Bran­che als größ­te Her­aus­for­de­rung für das Jahr 2020 fest. Am 26. Mai 2020 soll­te das Gesetz end­gül­tig die Über­gangs­lö­sung been­den und einen neu­en – euro­päi­schen – Stan­dard set­zen. Um noch offe­ne Fra­gen zu klä­ren, wand­ten sich der Bun­des­in­nungs­ver­band für Ortho­pä­die-Tech­nik (BIV-OT) eben­so wie die Bun­des­in­nung der Hör­akus­ti­ker (biha), der Ver­band Deut­scher Zahn­tech­ni­ker-Innun­gen (VDZI), der Zen­tral­ver­band der Augen­op­ti­ker und Opto­me­tris­ten (ZVA) und der Zen­tral­ver­band Ortho­pä­die­schuh­tech­nik (ZVOS), ver­tre­ten durch den Zen­tral­ver­band des Deut­schen Hand­werks (ZDH), mit einer gemein­sa­men Erklä­rung an den Gesund­heits­aus­schuss des Deut­schen Bundestags.

Unter dem Mot­to „Digi­ta­le Fer­ti­gung“ lud die Bun­des­fach­schu­le für Ortho­pä­die-Tech­nik für den 8. und 9. Janu­ar 2020 zu einem zwei­tä­gi­gen Semi­nar ein. Das Inter­es­se an der Ver­an­stal­tung war sowohl bei den über 30 BUFA-Meis­ter­schü­lern und ‑Stu­den­ten als auch bei den fast 50 exter­nen Teil­neh­mern aus der Bran­che so groß, dass das Semi­nar statt in der BUFA in einem Vor­le­sungs­saal der Fach­hoch­schu­le Dort­mund statt­fand. Von den Grund­la­gen der addi­ti­ven Ver­fah­ren und ihren Ein­satz­mög­lich­kei­ten über die digi­ta­le Pro­zess­ket­te bis hin zu Erfah­run­gen aus der Pra­xis reich­te die Palet­te der 17 Vorträge.

„In einem sehr auf die Fak­ten kon­zen­trier­ten Gespräch konn­ten wir die EU-Ver­tre­ter über die Sor­gen und Wün­sche der deut­schen Ortho­pä­die-Tech­nik infor­mie­ren. Dass wir die­se groß­ar­ti­ge Gele­gen­heit wahr­neh­men konn­ten, ver­dan­ken wir dem per­sön­li­chen Enga­ge­ment von Rai­ner Graf und wei­te­ren Ver­tre­tern der Innung Bay­ern. Es ist gelun­gen, die wich­tigs­ten Fra­gen auf den Punkt zu brin­gen und an der rich­ti­gen Stel­le zu plat­zie­ren. Der Bun­des­in­nungs­ver­band für Ortho­pä­die-Tech­nik (BIV-OT) wird in Zusam­men­ar­beit mit dem Zen­tral­ver­band des Deut­schen Hand­werks die Gesprä­che in den nächs­ten Mona­ten auf Wunsch der Par­la­men­ta­ri­er fort­füh­ren“, bilan­zier­te Klaus-Jür­gen Lotz als Prä­si­dent des BIV-OT nach dem Gespräch mit Par­la­men­ta­ri­ern in Brüs­sel im Februar.

Der 10. März wird sich in vie­ler­lei Hin­sicht in den Geschichts­bü­chern des Bun­des­in­nungs­ver­ban­des wie­der­fin­den: Nach zwölf Jah­ren im Prä­si­di­um des BIV-OT, neun davon als Prä­si­dent, stell­te sich Klaus-Jür­gen Lotz nicht mehr zur Wahl. Ein­zi­ger Kan­di­dat für das Amt: Alf Reu­ter, der Lotz bereits drei Jah­re als Vize­prä­si­dent beglei­te­te und als Vor­sit­zen­der des Wirt­schafts­aus­schus­ses die Ver­ant­wor­tung für die Ver­trags­ver­hand­lun­gen mit bun­des­wei­ten Kas­sen über­nom­men hat­te. Reu­ter wur­de ohne Gegen­stim­me gewählt. Eine sei­ner ers­ten Amts­hand­lun­gen war es, die geplan­te OTWorld auf­grund der immer stär­ker wer­den­den Coro­na-Pan­de­mie in den Herbst zu ver­schie­ben: „Als Leit­ver­an­stal­tung der Bran­che war es uns ein beson­de­res Anlie­gen, einen neu­en Ter­min noch in die­sem Jahr zu fin­den und damit den glo­ba­len Aus­tausch über die moder­ne Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung zu gewähr­leis­ten. Ange­sichts der aktu­el­len Lage haben wir uns bemüht, einen Kon­sens mit allen Betei­lig­ten zu errei­chen. Dies ist uns mit dem Ter­min im Herbst gelun­gen“, so Reuter.

„Es han­delt sich um eine noch nie da gewe­se­ne Her­aus­for­de­rung für alle Betei­lig­ten. Aber die lang­jäh­ri­ge Erfah­rung unse­rer Betrie­be und der hohe Stan­dard unse­rer Aus­bil­dung zah­len sich jetzt beim Umgang mit den zu ver­sor­gen­den Pati­en­ten und den deut­lich höhe­ren Hygie­ne­an­for­de­run­gen aus. Es ist für alle nicht ein­fach, jedoch müs­sen wir uns unse­rer Pflicht bewusst sein, dass wir ein wich­ti­ger Part­ner für unse­re Kun­den und Pati­en­ten sind und die­se brau­chen uns und unse­re Dienst­leis­tun­gen“, erklär­te Bodo Schrö­del, Ober­meis­ter der Lan­des­in­nung für Ortho­pä­die-Tech­nik in Bay­ern, damals. Bay­ern gehör­te im März zu den am stärks­ten betrof­fe­nen Bun­des­län­dern, was Covid-19-Infek­tio­nen anging.

Sind wir nun sys­tem­re­le­vant – oder nicht? Die­se Fra­ge muss­ten sich vie­le Ortho­pä­die­tech­ni­ker gefal­len las­sen, wenn ihre Sani­täts­häu­ser – ähn­lich wie der Ein­zel­han­del – von den Gesund­heits­äm­tern geschlos­sen wur­den, der Zugang zu Pfle­ge­ein­rich­tun­gen unter­sagt wur­de und die Beschaf­fung für drin­gend not­wen­di­ge Schutz­klei­dung zu einem Wett­bie­ten wur­de. Ein objek­ti­ves Bild der Aus­wir­kun­gen auf die Ver­sor­gung in Deutsch­land soll­te die bun­des­wei­te Befra­gung der Mit­glieds­be­trie­be zu den „Coro­na-Aus­wir­kun­gen 2020“ zei­gen, zu wel­cher der Bun­des­in­nungs­ver­band für Ortho­pä­die-Tech­nik (BIV-OT) auf­ge­ru­fen hat­te. Die ers­te Befra­gung wur­de vom 6. April bis zum 15. April 2020 durch­ge­führt. „Die Coro­na-Kri­se wird über den Ver­lauf der Pan­de­mie hin­weg die Schwach­stel­len unse­res Gesund­heits­sys­tems auf­de­cken“, beton­te Alf Reu­ter und ergänzt: „Mehr als 25 Pro­zent der Ver­si­cher­ten in den gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen sind auf qua­li­täts­ge­si­cher­te Hilfs­mit­tel­ver­sor­gun­gen ange­wie­sen. Wir alle sind dafür ver­ant­wort­lich, dies zu garan­tie­ren. Des­halb müs­sen wir alles dafür tun, damit unse­re Häu­ser ihre Leis­tun­gen auf­recht­erhal­ten kön­nen – das betrifft Schutz­klei­dung, Lie­fer­bar­keit von Hilfs­mit­teln und eben­so die wirt­schaft­li­che Absi­che­rung. Die Befra­gung lie­fert eine gute Über­sicht, wo es klemmt. Auf die­ser Basis kön­nen wir gemein­sam mit Poli­tik und Kas­sen die rich­ti­gen Wei­chen stellen.“

„Nach wie vor sorgt feh­len­de PSA für schwie­ri­ge Bedin­gun­gen bei der flä­chen­de­cken­den Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung in Deutsch­land“, so Alf Reu­ter einen Monat spä­ter. Die Lage für Sani­täts­häu­ser und ortho­pä­die­tech­ni­sche Werk­stät­ten ver­bes­ser­te sich im Bereich der per­sön­li­chen Schutz­klei­dung nicht. Des­halb star­te­ten der Bun­des­in­nungs­ver­band für Ortho­pä­die-Tech­nik und der Hilfs­mit­tel­her­stel­ler Spor­lastic die Akti­on „Wir nähen für Deutsch­land!“. Spor­lastic ent­wi­ckel­te dafür ein pro­fes­sio­nel­les Näh­set für zer­ti­fi­zier­te Pan­de­mie­schutz­mas­ken CV-19 nach dem FFP2-Stan­dard (in Anleh­nung an EN 149). Sani­täts­häu­ser und ortho­pä­die­tech­ni­sche Betrie­be kön­nen mit die­sem Set für ihr medi­zi­ni­sches Per­so­nal die­se pro­fes­sio­nel­le Pan­de­mie­schutz­mas­ken fer­ti­gen – sowie eben­falls für ihre Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen in den Kli­ni­ken und Praxen.

Das Han­dels­blatt titel­te am 15. April „Coro­na bedroht die Aus­bil­dung in Deutsch­land“; der Zen­tral­ver­band des Deut­schen Hand­werks for­der­te am 26. Mai, dass die beruf­li­che Aus­bil­dung über die Kri­sen­pha­se hin­weg wei­ter statt­fin­den müs­se. Gibt es eine Aus­bil­dungs­kri­se nach der Coro­na-Kri­se? Eine klei­ne Umfra­ge der OT-Redak­ti­on unter drei tra­di­ti­ons­rei­chen OT-Aus­bil­dungs­be­trie­ben in Deutsch­land ergab: Von einer Aus­bil­dungs­kri­se infol­ge der Coro­na-Kri­se kann zumin­dest in der Ortho­pä­die-Tech­nik kei­ne Rede sein. Bei Münch & Hahn in Duis­burg habe sich im Bereich Aus­bil­dung durch die Coro­na-Kri­se nicht viel ver­än­dert, erklär­te Geschäfts­füh­rer Tho­mas Münch. „Wir pla­nen, in den Berei­chen Ortho­pä­die, Schuh­or­tho­pä­die, Ver­wal­tung und Ver­kauf aus­zu­bil­den“, erklär­te Alip­pi-Geschäfts­füh­rer Kars­ten Alip­pi. „Die Anzahl unse­rer Aus­zu­bil­den­den hat sich im Gegen­satz zum Vor­jahr ver­rin­gert. Dies ist zurück­zu­füh­ren auf die zu weni­gen Bewer­bun­gen bzw. auf den Man­gel an geeig­ne­ten Bewer­bern. Dies liegt aber vor allem an der man­geln­den Bekannt­heit unse­rer Berufs­zwei­ge und deren Viel­sei­tig­keit bzw. Attrak­ti­vi­tät. Ob dies Fol­gen der Coro­na-Pan­de­mie sind, kann ich nur schwer ein­schät­zen“, sag­te Alip­pi wei­ter. „Die Zahl der Bewer­ber schwankt von Jahr zu Jahr deut­lich“, so Joa­chim Glotz, Geschäfts­füh­rer vom Vital-Zen­trum Sani­täts­haus Glotz.

Held der Krise

Stell­ver­tre­tend für die bun­des­weit akti­ven Leis­tungs­er­brin­ger erhielt der Bun­des­in­nungs­ver­band für Ortho­pä­die-Tech­nik (BIV-OT) im Juli die Aus­zeich­nung „Held der Kri­se“. Die Ehrung für den uner­müd­li­chen Ein­satz wäh­rend der Coro­na-Pan­de­mie erfolg­te auf der Basis einer Online-Stu­die des Insti­tuts für Manage­ment- und Wirt­schafts­for­schung (IMWF), das gemein­sam mit dem F.A.Z.-Institut die Akti­on „Hel­den der Kri­se“ initi­iert hat. Fast zeit­gleich beschrieb der BIV-OT in einem offe­nen Brief an das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit (BMG), dass Sani­täts­häu­ser und ortho­pä­die­tech­ni­sche Betrie­be mit den immens gestie­ge­nen Kos­ten, die ihnen die Coro­na-Pan­de­mie unter ande­rem für per­sön­li­che Schutz­aus­rüs­tung (PSA) auf­bür­det, allein gelas­sen wer­den. „Nach einem leer­ge­feg­ten Markt und anfäng­li­chen Preis­stei­ge­run­gen von bis zu 800 Pro­zent sind die Prei­se im Zuge der Covid-19-Pan­de­mie immer noch über­durch­schnitt­lich hoch. Mitt­ler­wei­le kön­nen wir ent­spre­chend der Hygie­ne-Vor­schrif­ten sicher ver­sor­gen und tun dies auch, aber die Kos­ten­er­stat­tung dafür ist noch immer unge­re­gelt“, so Alf Reuter.

Hel­mut Kohl befand sich gera­de in sei­ner ers­ten Amts­pe­ri­ode als Bun­des­kanz­ler und Hei­ner Geiß­ler ver­ant­wor­te­te das Minis­te­ri­um für Gesund­heit, als Nor­bert Stein im Som­mer 1983 sein 2. Staats­examen als Jurist ableg­te und sich sogleich bei der anste­hen­den Stel­len­su­che mit einem Ein­stel­lungs­stopp im Öffent­li­chen Dienst kon­fron­tiert sah. Schließ­lich ent­schied sich Stein gegen eine Anstel­lung in einer Kanz­lei und 1984 für den Bun­des­in­nungs­ver­band für Ortho­pä­die-Tech­nik (BIV-OT) als Arbeit­ge­ber. Eine Wahl, die lan­ge nach­wir­ken soll­te, denn der dama­li­ge Berufs­no­vi­ze blieb dem Spit­zen­ver­band 36 Jah­re lang treu. Zum Abschied im Juli 2020 erin­ner­te sich Nor­bert Stein an vie­le „Kri­sen“ und Refor­men im Gesund­heits­we­sen. Er trieb vor­an, dass die poli­ti­sche Arbeit pro­fes­sio­na­li­siert wur­de und über­nahm wei­te­re Auf­ga­ben im Ver­band und 1997 das Amt des Geschäfts­füh­rers. Zum Abschied hat­te er noch einen Hin­weis für den Ver­band und sei­ne Beschäf­tig­ten: „Nur Zusam­men­ar­beit kann zum Erfolg füh­ren – man ist nie Einzelkämpfer.“

OTWorld.connect mit rein digi­ta­lem Auftritt

Der Bun­des­in­nungs­ver­band für Ortho­pä­die-Tech­nik als ideel­ler Trä­ger sowie die Leip­zi­ger Mes­se als Ver­an­stal­ter haben am 25. August 2020 gemein­sam ent­schie­den, den Welt­kon­gress OTWorld.connect und die Fach­mes­se vom 27. bis zum 29. Okto­ber 2020 aus­schließ­lich digi­tal durch­zu­füh­ren. Vor­aus­ge­gan­gen waren inten­si­ve Dis­kus­sio­nen mit Ver­tre­tern des Pro­gramm­ko­mi­tees und des Aus­stel­ler­bei­rats. In sei­ner Stel­lung­nah­me hob Reu­ter die enge Zusam­men­ar­beit zwi­schen Spit­zen­ver­band und Mes­se­ge­sell­schaft her­vor: „Ich bin dank­bar, dass unser Part­ner, die Leip­zi­ger Mes­se, mit dem For­mat OTWorld.connect ein Kon­zept ent­wi­ckelt hat, das sich agil an die ver­schie­de­nen Sze­na­ri­en einer Pan­de­mie anpas­sen kann und uns jetzt eine voll­stän­dig vir­tu­el­le Ver­an­stal­tung erlaubt.“ Auch Kon­gressprä­si­dent Micha­el Schä­fer begrüß­te den gefass­ten Ent­schluss: „In Zei­ten des Umbruchs ist Fort­bil­dung not­wen­di­ger denn je. Wir laden alle ein, die fach­li­che Debat­te mit­zu­ge­stal­ten und die Wei­chen für die Zukunft der Ver­sor­gung zu stellen.“

Fach­mes­se trotz Pan­de­mie? Die vier­tä­gi­ge 62. Jah­res­ta­gung der Deut­schen Gesell­schaft für Phle­bo­lo­gen (DGP), die als mul­ti­me­dia­le Hybrid­ver­an­stal­tung vom 2. bis 5. Sep­tem­ber 2020 unter der wis­sen­schaft­li­chen Lei­tung von Dr. Tobi­as Hirsch (Hal­le) im Con­gress Cen­ter Leip­zig statt­fand, zeig­te aus­nahms­wei­se, wie dies funk­tio­nie­ren kann. Grund­vor­aus­set­zung für die Durch­füh­rung der Prä­senz­ver­an­stal­tung waren das umfas­sen­de Hygie­nekon­zept sowie das zum Zeit­punkt des Kon­gres­ses gerin­ge Covid-19-Infek­ti­ons­ge­sche­hen in Sach­sen. Mit über 700 Kon­gress­teil­neh­mern, 159 natio­na­len und inter­na­tio­na­len Refe­ren­ten sowie 180 Online-Teil­neh­mern aus 25 Län­dern, die die Sit­zun­gen im Live­stream ver­folg­ten, war der Kon­gress aus Sicht des Ver­an­stal­ters ange­sichts der beson­de­ren Situa­ti­on ein Erfolg. Eine Indus-tri­e­schau im Rah­men eines Wan­der­fo­rums kom­plet­tier­te den Kongress.

Den Hygie­ne­re­geln in Pan­de­mie­zei­ten ange­mes­sen, beging der Trä­ger­ver­ein der Bun­des­fach­schu­le für Ortho­pä­die-Tech­nik (BUFA e. V.) im Vor­feld sei­ner Mit­glie­der­ver­samm­lung am 8. Sep­tem­ber in Dort­mund einen klei­nen, aber fei­nen Fest­akt zum Jubi­lä­um des 50-jäh­ri­gen Bestehens.

Rund 50 Fach­leu­te aus dem Umfeld der Tech­ni­schen Ortho­pä­die nah­men am 9. Sep­tem­ber 2020 an der 4. Fach­ta­gung der Deut­schen Gesell­schaft für Inter­pro­fes­sio­nel­le Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung e. V. (DGIHV) teil, die Pan­de­mie-bedingt erst­mals rein vir­tu­ell statt­fand. Der Vor­stands­vor­sit­zen­de der DGIHV, Prof. Dr. med. Wolf­ram Mit­tel­mei­er, zog im Anschluss ein zufrie­de­nes Fazit: „Die Fach­ta­gung über das Video­por­tal brach­te die wesent­li­chen Akteu­re in der Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung in beein­dru­cken­der Wei­se zusam­men. Prak­ti­ker und Wis­sen­schaft­ler stel­len sich ver­stärkt der Her­aus­for­de­rung einer wei­ter ver­bes­ser­ten, qua­li­täts­ori­en­tier­ten Hilfsmittelversorgung.“

Offe­ner Umgang auf Abstand

Hei­del­berg und Mann­heim waren vom 25. bis zum 27. Sep­tem­ber Schau­platz der 64. Jah­res­ta­gung der Fort­bil­dungs­ver­ei­ni­gung für Ortho­pä­die-Tech­nik e. V. (FOT). Lan­ge hat­ten sich die Orga­ni­sa­to­ren schwer­ge­tan, ob es mög­lich sei, die Tagung unter dem Mot­to „Alles in Bewe­gung“ mit der gebo­te­nen Abstands­pflicht als Prä­senz­ver­an­stal­tung durch­zu­füh­ren. Das FOT-Team um Prä­si­dent Ingo Pfef­fer­korn und Schatz­meis­te­rin Petra Engel sorg­te in einem pla­ne­ri­schen Kraft­akt letzt­lich dafür, dass an bei­den Stand­or­ten ein Vor-Ort-Pro­gramm durch­ge­führt wer­den konnte.

„Seit Sep­tem­ber 2019 ver­su­chen wir mit der IKK Clas­sic einen Ver­trag mit einer ordent­li­chen Flä­chen­de­ckung und einer ent­spre­chen­den Ver­sor­gungs­qua­li­tät zu schlie­ßen. Das uns ange­bo­te­ne Preis­ni­veau liegt zum Teil mehr als 40 Pro­zent unter dem aktu­el­len Markt­preis und ori­en­tiert sich klar an den ver­bo­te­nen frü­he­ren Aus­schrei­bungs­ver­trä­gen“, erklär­te Albin May­er, Vize­prä­si­dent und Vor­sit­zen­der des Wirt­schafts­aus­schus­ses des BIV-OT, die Pro­ble­ma­tik des Ver­trags­schlus­ses mit der IKK Clas­sic aus Sicht des Spit­zen­ver­ban­des im Oktober.

Vom 27. bis 29. Okto­ber fand schließ­lich die ers­te rein digi­ta­le OTWorld.connect statt. Mit einem Stu­dio auf dem Leip­zi­ger Mes­se­ge­län­de ver­band sich die Bran­che über vier vir­tu­el­le Kon­gress­räu­me und zwei wei­te­re Kanä­le sowie die Inno­va­ti­on Show­rooms unter­ein­an­der. Neu­hei­ten wur­den prä­sen­tiert und fach­lich wie poli­tisch in Sym­po­si­en und Dis­kus­si­ons­fo­ren gerun­gen. „Erst­mal will ich klar und deut­lich als Prä­si­dent sagen: Wir sind Hand­wer­ker – wir kön­nen digi­tal! Das hat die OTWorld.connect ein­drück­lich bewie­sen“, lau­te­te das Fazit von BIV-OT-Prä­si­dent Alf Reuter.

Mensch und Tech­no­lo­gie tra­ten im Rah­men des Cyb­ath­lons 2020 im vir­tu­el­len Ren­nen mit Gedan­ken­steue­rung (BCI), einem Fahr­rad­ren­nen mit elek­tri­scher Mus­kel­sti­mu­la­ti­on (FES), einem Par­cours mit Arm­pro­the­sen (ARM), Bein­pro­the­sen (LEG), robo­ti­schen Exo­ske­let­ten (EXO) oder moto­ri­sier­ten Roll­stüh­len (WHL) — natür­lich digi­tal — gegen­ein­an­der an. 51 Teams aus 20 Län­dern nah­men bei die­ser zwei­ten Auf­la­ge des Wett­kampfs teil.

Jedes Jahr im Dezem­ber darf sich eine Absol­ven­tin oder ein Absol­vent pro Gewerk auf der gro­ßen Büh­ne des Hand­werks als Sie­ge­rin oder Sie­ger des Leis­tungs­wett­be­werbs des Deut­schen Hand­werks fei­ern las­sen. Da 2020 so ziem­lich alles anders war, fand die Preis­ver­lei­hung des Leis­tungs­wett­be­werbs nicht in Ber­lin und vor gro­ßem Publi­kum statt, son­dern in Form einer vir­tu­el­len Schluss­fei­er. Die hohe Zahl der Coro­na­in­fek­tio­nen zwan­gen den Zen­tral­ver­band des Deut­schen Hand­werks (ZDH) dazu, am 5. Dezem­ber via Live­stream den Preis­trä­ge­rin­nen und Preis­trä­gern zu gra­tu­lie­ren. Im Gegen­satz zur Prä­senz­ver­an­stal­tung konn­ten nun alle Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer des Leis­tungs­wett­be­werbs dem digi­ta­len Event bei­woh­nen und das Flair des Wett­be­werbs genie­ßen. 2020 kämpf­ten die Absol­ven­ten einer hand­werk­li­chen Berufs­aus­bil­dung bereits zum 69. Mal um den Bun­des­sieg in ihrem Gewerk. Dabei qua­li­fi­zie­ren sich die Hand­wer­ke­rin­nen und Hand­wer­ker durch den jewei­li­gen Sieg – von der Innungs- über die Kam­mer- und Lan­des­ebe­ne – für den deutsch­land­wei­ten Wett­be­werb. 130 Gewer­ke zeich­nen ihre Sie­ger aus, dazu zählt auch das der Ortho­pä­die-Tech­nik. Elf Lan­des­sie­ger mel­de­ten sich für die fina­le Aus­schei­dungs­run­de an, bei der am Ende Sina Marie Rei­mann (Schles­wig-Hol­stein) den ers­ten Platz hol­te. Auf Rang zwei folg­te Patrick Frie­se (Ber­lin) vor Jana Bax­mann (Bre­men).

 

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