„D.A.F. meets BIV-OT“ – geleb­te Interprofessionalität

Es gehört zu den Kernzielen des Bundesinnungsverbandes für Orthopädie-Technik (BIV-OT), den interprofessionellen Austausch zwischen Technikern und Medizinern zu fördern. Mit der Beteiligung an der 26. Jahrestagung der Deutschen Assoziation für Fuß- und Sprunggelenk e. V. (D.A.F.), die am 18. und 19. November in Osnabrück stattfand, konnte der BIV-OT nun einen weiteren Brückenschlag realisieren.

Unter der Pro­gramm­ge­stal­tung von Prof. Dr. med. Bern­hard Grei­te­mann, Ärzt­li­cher Direk­tor der Kli­nik Müns­ter­land, berei­cher­ten vier Fach­bei­trä­ge zur Tech­ni­schen Ortho­pä­die den von knapp 350 Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mern besuch­ten Kon­gress. Jür­gen Stumpf, Fuß und Schuh Breid­bach Ortho­pä­die, lie­fer­te einen span­nen­den und aus­drück­lich kri­ti­schen Kom­men­tar zur der­zei­ti­gen Ver­sor­gung des Dia­be­ti­schen Fuß­syn­droms infol­ge der 2018 erfolg­ten Aktua­li­sie­rung der PG 31 (Schu­he) im Hilfs­mit­tel­ver­zeich­nis (HMV). So sei ins­be­son­de­re die zuvor in der AG „Fuß“ der Deut­schen Dia­be­tes Gesell­schaft (DDG) erar­bei­te­te Risi­ko­grup­pen­ein­tei­lung als Kri­te­ri­um für eine höher­wer­ti­ge Ver­sor­gung nicht adäquat berück­sich­tigt wor­den. Gleich­zei­tig sei die Ver­ar­bei­tung von Pelot­ten oder Stu­fen unter­sagt wor­den. „Es geht ums Geld“, resü­mier­te Stumpf das Ver­hal­ten des GKV-Spit­zen­ver­ban­des in Bezug auf das HMV. Füh­ren­de Fach­ge­sell­schaf­ten bemü­hen sich der­zeit um eine neu­er­li­che Über­ar­bei­tung des Hilfs­mit­tel­ver­zeich­nis­ses. Für Micha­el Schä­fer, BIV-OT-Vor­stand und neben Prof. Dr. Grei­te­mann der Chair des Sym­po­si­ums in Osna­brück, ist die Sach­la­ge klar: „Da muss was passieren.“

Ein­la­gen­ver­sor­gung im Fokus

Frank Schie­vink, Ortho­pä­die-Schuh­tech­nik Schie­vink, lei­te­te flie­ßend über zur PG 08 (Ein­la­gen) und deren aktu­el­len Maß­ga­ben durch das HMV. Anhand von Ver­sor­gungs­bei­spie­len schil­der­te der Exper­te maß­geb­li­che Kri­te­ri­en wie etwa Dia­gno­se, The­ra­pie­ziel und Schuh­aus­wahl, aus der letzt­lich die Aus­füh­rung und Mate­ri­al­aus­wahl resul­tie­ren. Nicht über­ra­schend griff der Vor­trag das „Streit­the­ma“ der aktivierenden/sensomotorischen Ein­la­gen auf. Frank Schie­vinks Posi­ti­on dazu: „Nur weil die Ein­la­gen nicht im HMV gelis­tet sind, heißt es nicht, dass sie nicht wir­ken.“ Zu den auf­merk­sa­men Zuhö­re­rin­nen und Zuhö­rern gehör­te auch Prof. Dr. med. Mar­tin Engel­hardt, der nicht nur der aktu­el­len D.A.F.-Tagung als Kon­gressprä­si­dent vor­stand, son­dern die­ses Amt auch im nächs­ten Jahr bei der OTWorld beklei­den wird.

Im wei­te­ren Ver­lauf des „D.A.F. meets BIV“-Symposiums gab Micha­el Schä­fer pro­the­ti­sche Ver­sor­gungs­ein­bli­cke nach Fuß­teilam­pu­ta­tio­nen. Sein grund­le­gen­der Anspruch: „Wir wol­len, dass die Men­schen wie­der nor­mal gehen kön­nen.“ Der Geschäfts­füh­rer der Poh­lig GmbH mach­te kei­nen Hehl dar­aus, dass er ein gro­ßes Fai­ble für die Nut­zung von Sili­kon­tech­nik habe und nann­te zur Begrün­dung u. a. varia­ble Shorehär­ten, idea­les Adhä­si­ons­ver­hal­ten und Volu­men­to­le­ra­bi­li­tät als maß­geb­li­che Kri­te­ri­en. Fuß­teilam­pu­ta­tio­nen lie­ßen sich viel­fach mit einer Kom­bi­na­ti­on aus Ein­la­gen und Sili­kon-Pro­the­sen ver­sor­gen. Um die höhe­ren Prei­se erstat­tet zu bekom­men, müss­ten dem Kos­ten­trä­ger eine detail­lier­te Doku­men­ta­ti­on und Begrün­dung vor­ge­legt werden.

Ent­schei­dung über Ampu­ta­ti­on von vie­len Fak­to­ren abhängig

Zum Abschluss des Sym­po­si­ums hielt Dr. Kim Gla­pa, BG Unfall­kli­nik Frank­furt am Main, einen sehr ein­dring­li­chen Vor­trag zu „Ampu­ta­tio­nen am Fuß nach Trau­ma­ta“. Als Fol­ge von Ver­kehrs­un­fäl­len hät­ten es die behan­deln­den Ärzt:innen häu­fig mit Quet­schun­gen, Trüm­mern, Abris­sen und Schnitt­ver­let­zun­gen zu tun. Die schwie­ri­ge Ent­schei­dung zwi­schen einer Replan­ta­ti­on und einer Ampu­ta­ti­on hin­ge von ver­schie­de­nen Fak­to­ren ab, z. B.: Hat der Pati­ent ein Polyt­rau­ma erlit­ten? Wie war vor dem Unfall des­sen gesund­heit­li­cher Zustand? In Bezug auf den „rich­ti­gen Zeit­punkt“, wann eine Ent­schei­dung über eine Ampu­ta­ti­on zu tref­fen ist, schlug Dr. Gla­pa die Anwen­dung eines Score-Sys­tems vor. Final ging die Ärz­tin noch auf die varia­blen Fol­gen für einen Unfall­ge­schä­dig­ten ein, denn einer­seits könn­te ein Glied­ma­ßen­er­halt für fort­wäh­ren­de Schmer­zen sor­gen, ande­rer­seits haben Ampu­tier­te oft ver­stärkt mit psy­chi­schen Pro­ble­men zu kämpfen.

Inhalt­lich, da waren sich alle Betei­lig­ten einig, hat die fach­li­che Part­ner­schaft von D.A.F. und BIV-OT über die jüngs­te Pre­mie­re hin­aus ihre sinn­vol­le Berech­ti­gung. An den Stell­schrau­ben zur Ein­bet­tung in das Gesamt­pro­gramm kann für die kom­men­de Aus­ga­be des D.A.F.-Kongresses vom 15. bis zum 17. Sep­tem­ber 2022 in Wies­ba­den noch opti­mie­rend gedreht werden.

Micha­el Blatt

 

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