Basis­maß­nah­men und medi­ka­men­tö­se The­ra­pie bei Osteoporose

Ch. Niedhart
In dem Beitrag werden zunächst Basismaßnahmen zur Osteoporose- und Frakturprophylaxe genannt. Nachfolgend werden medikamentöse Therapieoptionen vorgestellt. Dabei geht der Autor darauf ein, dass in der osteologischen Forschung die selektive Betrachtung der Wirksamkeit verschiedener spezifischer Therapeutika auf den kompakten und spongiösen Anteil des Knochens zunehmend an Gewicht gewinnt. Da der Knochenverlust im spongiösen Bereich vor allem die Wirbelkörper betrifft und damit in erster Linie für vertebrale Frakturen verantwortlich ist, führt der Verlust im Bereich der Kompakte im höheren Alter überwiegend zu Schenkelhalsfrakturen. Dies sollte bei der Wahl des spezifischen Therapeutikums bei Osteoporose berücksichtigt werden.

Ein­lei­tung

Auch wenn die Osteo­po­ro­se eine der welt­weit häu­figs­ten Erkran­kun­gen und die Mor­ta­li­tät bei vor­han­de­nen Frak­tu­ren signi­fi­kant erhöht ist, fris­tet sie vor allem auf­grund des stil­len Ver­lau­fes ein Schat­ten­da­sein. Für Deutsch­land ist davon aus­zu­ge­hen, dass etwa jede fünf­te Frau über 50 Jah­ren bereits eine Osteo­po­ro­se-asso­zi­ier­te Frak­tur erlit­ten hat. Den­noch sind nach einer aktu­el­len Erhe­bung nur etwa 20 % der the­ra­pie­be­dürf­ti­gen Frau­en in Deutsch­land tat­säch­lich medi­ka­men­tös the­ra­piert 1 2. Dies erstaunt umso mehr, da für Deutsch­land eine eta­blier­te S3-Leit­li­nie zur Dia­gnos­tik und The­ra­pie der Osteo­po­ro­se exis­tiert und mit wenig Auf­wand in den Pra­xis­all­tag inte­griert wer­den kann.

Anzei­ge

Die The­ra­pie der Osteo­po­ro­se teilt sich in soge­nann­te Basis­maß­nah­men und eine spe­zi­fi­sche medi­ka­men­tö­se The­ra­pie 3.

Basis­maß­nah­men

Unter Basis­maß­nah­men zur Osteo­po­ro­se- und Frak­tur­pro­phy­la­xe sind all­ge­mei­ne Maß­nah­men zu ver­ste­hen, durch deren Umset­zung für alle Berei­che von der Pri­mär- bis zur Ter­tiär­pro­phy­la­xe eine Ver­bes­se­rung der Kno­chen­sta­bi­li­tät und eine Ver­rin­ge­rung sturz­be­ding­ter peri­phe­rer Frak­tu­ren erreich­bar sind. Hier­zu gehört daher ein regel­mä­ßi­ges Übungs­pro­gramm zur För­de­rung der Kraft und Koor­di­na­ti­on, das idea­ler­wei­se im Rah­men einer Turn-/Re­ha­grup­pe durch­ge­führt wird. Sturz­ana­mne­se und die Besei­ti­gung von Stol­per­fal­len in der häus­li­chen Umge­bung sowie die Medi­ka­men­ten­ana­mne­se zur Erken­nung sturz­för­dern­der Medi­ka­men­te sind sinn­voll. Die Inte­gra­ti­on in eine Selbst­hil­fe­grup­pe ist anzuraten.

Eine kno­chen­ge­sun­de Lebens­wei­se ist eben­falls anzu­ra­ten: Hier­zu gehört in ers­ter Linie die aus­rei­chen­de Zufuhr von Vit­amin D und Cal­ci­um. Bei aus­rei­chen­der Zufuhr von Cal­ci­um (1.200 bis 1.500 mg Calcium/Tag) über Nah­rungs­mit­tel und Mine­ral­was­ser ist eine zusätz­li­che Sub­sti­tu­ti­on nicht not­wen­dig, eine Über­do­sie­rung ist zu ver­mei­den. Vit­amin D muss in unse­ren Brei­ten­gra­den in der Regel sub­sti­tu­iert wer­den (Tages­be­darf 800 bis 1.200 IE). Unter­ge­wicht ist eben­so wie Rau­chen zu vermeiden.

Spe­zi­fi­sche medi­ka­men­tö­se Therapie

Die Ein­lei­tung einer spe­zi­fi­schen medi­ka­men­tö­sen The­ra­pie erfolgt bei einem 10-Jah­res-Frak­tur­ri­si­ko von mehr als 40 %. Bei mani­fes­ter Osteo­po­ro­se mit bereits bestehen­der Frak­tur wird eine The­ra­pie unab­hän­gig vom Alter bereits ab einem T‑Score von ‑2 oder klei­ner ein­ge­lei­tet. Das Fol­ge­ri­si­ko für Wir­bel­kör­per­frak­tu­ren ist in den ers­ten Mona­ten bis Jah­ren nach einer fri­schen osteo­po­ro­ti­schen Wir­bel­kör­per­frak­tur beson­ders hoch, so dass eine rasche The­ra­pie­ein­lei­tung wich­tig ist. Bei unkla­rer Situa­ti­on emp­fiehlt sich die Über­wei­sung zum Spe­zia­lis­ten: Beson­ders aus­ge­bil­de­te Kol­le­gen sind in der Regel als Osteo­lo­gen (DVO) über www.dv-osteologie.de auffindbar.

Die in Bezug auf eine Frak­tur­sen­kung am bes­ten beleg­ten medi­ka­men­tö­sen The­ra­pie­op­tio­nen bei der post­me­no­pau­sa­len Frau sind:

  • die Bis­phos­pho­na­te Alen­dro­nat, Rise­dro­nat, Ibandro­nat und Zoledronat,
  • Raloxi­fen als selek­ti­ver Est­ro­gen­re­zep­tor-Modu­la­tor (SERM),
  • Stron­ti­um­ra­nelat,
  • Deno­sum­ab,
  • Teriparatid/Parathormon als osteo­ana­bo­le Substanzen.

In der osteo­lo­gi­schen For­schung gewinnt die selek­ti­ve Betrach­tung der Wirk­sam­keit ver­schie­de­ner spe­zi­fi­scher The­ra­peu­ti­ka auf den kom­pak­ten und spon­giö­sen Anteil des Kno­chens zuneh­mend an Gewicht 4. Wäh­rend es bei der post­me­no­pau­sa­len Osteo­po­ro­se früh­zei­tig zu einem Anstieg der Wir­bel­kör­per­frak­tu­ren kommt (über­wie­gend spon­giö­ser Kno­chen), zeigt sich der Anstieg der Schen­kel­hals­frak­tu­ren in dra­ma­ti­scher Wei­se ab dem 75. Lebens­jahr. Dies ist dem schlei­chen­den Abbau des kor­ti­ka­len Kno­chens geschul­det. Expe­ri­men­tel­le Unter­su­chun­gen haben gezeigt, dass die Fes­tig­keit des Schen­kel­hal­ses nur zu 16 % vom spon­giö­sen Kno­chen­an­teil bestimmt wird 5. Dies soll­te bei der Wahl des spe­zi­fi­schen The­ra­peu­ti­kums bei Osteo­po­ro­se berück­sich­tigt werden.

Abschlie­ßend lässt sich fest­stel­len, dass mit zuneh­men­der Lebens­er­war­tung der Bevöl­ke­rung die Zahl der Schen­kel­hals­frak­tu­ren wei­ter­hin zuneh­men wird. Dies wird von erheb­li­cher volks­wirt­schaft­li­cher Bedeu­tung sein. In der Zukunft ist davon aus­zu­ge­hen, dass die Wir­kung ver­schie­de­ner spe­zi­fi­scher The­ra­peu­ti­ka im kor­ti­ka­len und spon­giö­sen Bereich wei­te­ren wis­sen­schaft­li­chen Unter­su­chun­gen unter­lie­gen wird. Die durch­ge­führ­te spe­zi­fi­sche The­ra­pie soll­te auf­grund der vor­lie­gen­den Daten­la­ge dem Alter der Patientin/des Pati­en­ten ange­passt sein.

Der Autor:
Prof. Dr. Chris­to­pher Niedhart
Osteo­lo­gi­sches Schwerpunktzentrum
Liecker Stra­ße 23
52525 Heins­berg
cniedhart@gmx.de

Begut­ach­te­ter Beitrag/Reviewed paper

Zita­ti­on
Nied­hart Ch. Basis­maß­nah­men und medi­ka­men­tö­se The­ra­pie bei Osteo­po­ro­se. Ortho­pä­die Tech­nik, 2013; 64 (9): 52–53

 

  1. Had­ji P, Klein S, Gothe H, Häuss­ler B, Kless T, Schmidt T, Stein­le T, Ver­he­yen F, Lin­der R. Epi­de­mio­lo­gie der Osteo­po­ro­se – Bone Eva­lua­ti­on Stu­dy: Eine Ana­ly­se von Kran­ken­kas­sen-Rou­ti­ne­da­ten. Dtsch Arz­tebl Int., 2013; 110 (4): 52–57
  2. Häuss­ler B, Gothe H, Man­gia­pa­ne S, Gla­es­ke G, Pient­ka L, Fel­sen­berg D. Ver­sor­gung von Osteo­po­ro­se-Pati­en­ten in Deutsch­land – Ergeb­nis­se der BoneE­VA-Stu­die. Dtsch Arz­tebl, 2006; 103 (39): A 2452–2458
  3. Dach­ver­band Osteo­lo­gie: DVO-Leit­li­nie 2009 zur Pro­phy­la­xe, Dia­gnos­tik und The­ra­pie der Osteo­po­ro­se im Erwach­se­nen­al­ter. www.dv-osteologie.org
  4. Zeba­ze RM, Gha­sem-Zadeh A, Boh­te A, Iulia­no-Burns S, Mirams M, Pri­ce RI, Mackie EJ, See­man E. Intra­cor­ti­cal remo­del­ling and poro­si­ty in the distal radi­us and post-mor­tem femurs of women: a cross-sec­tio­n­al stu­dy. Lan­cet, 2010; 375 (9727):1729–1736
  5. Hol­zer G, von Skrben­sky G, Hol­zer LA, Pichl W. Hip frac­tures and the con­tri­bu­ti­on of cor­ti­cal ver­sus tra­be­cu­lar bone to femo­ral neck strength. J Bone Miner Res., 2009; 24 (3): 468–474
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