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Dia­be­tes­ver­sor­gung neu gedacht

Wie verändern digitale Prozesse die Versorgung des diabetischen Fußes? Die „Convention Diabetes“ nahm Wundversorgung, Fußbettungen und Fertigung in den Blick.

Als wäre der Kos­ten­druck auf die Unter­neh­men durch ­Kri­sen, Krie­ge und Kata­stro­phen in den ver­gan­ge­nen Jah­ren nicht bereits hoch genug, belas­ten die aktu­el­len poli­ti­schen Ent­wick­lun­gen die Betrie­be zusätz­lich. Außer­dem dro­hen ein hohes Maß an Büro­kra­tie und der Fach­kräf­te­man­gel eine leit­li­ni­en­ge­treue Ver­sor­gung zu gefähr­den. Was also tun? Bei der „Con­ven­ti­on Dia­be­tes“ der Sprin­ger Aktiv AG in Würz­burg, Hagen und Ber­lin Ende Sep­tem­ber gin­gen Exper­tin­nen und Exper­ten aus Indus­trie und Hand­werk die­ser Fra­ge nach. Das Fazit nach die­sen aus­führ­li­chen Aus­tausch­run­den fällt nicht ein­deu­tig aus. Statt Ant­wor­ten zu fin­den, stell­te sich für vie­le Teil­neh­mer am Ende viel­mehr eine neue Fra­ge: „Wel­che Kom­pe­ten­zen schaf­fen im eige­nen Betrieb den größ­ten Mehr­wert für den Pati­en­ten – und wel­che Pro­zes­se las­sen sich heu­te anders organisieren?“

Die Dis­kus­si­ons­run­den der „Con­ven­ti­on Dia­be­tes 2026“ boten den Teil­neh­mern zahl­rei­che fach­li­che Impul­se. Zu Beginn der Ver­an­stal­tung rück­te bei­spiels­wei­se die Wund­ver­sor­gung bei Men­schen mit Dia­be­tes in den Fokus. Die Risi­ko­stra­ti­fi­zie­rung, also die struk­tu­rier­te Ein­tei­lung von Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten in ver­schie­de­ne Risi­ko­grup­pen, müs­se am Anfang der Ver­sor­gungs­vor­be­rei­tung ste­hen, um gesund­heit­li­che Gefah­ren ein­schät­zen und Behand­lun­gen anpas­sen zu kön­nen, lau­te­te eine zen­tra­le Erkennt­nis. Denn die Dia­gno­se Dia­be­tes allein beschrei­be noch nicht, wie hoch das indi­vi­du­el­le Fuß­ri­si­ko tat­säch­lich sei. Sen­si­bi­li­tät, Durch­blu­tung, Fuß­form, vor­aus­ge­gan­ge­ne Ulzer­a­tio­nen und wei­te­re Ver­än­de­run­gen müss­ten gemein­sam betrach­tet wer­den. Erst dar­aus lie­ßen sich Ver­sor­gungs­ziel und Ver­sor­gungs­weg ablei­ten. Als denk­ba­re Ver­sor­gungs­mög­lich­kei­ten wur­den Wund­the­ra­pie­schu­he und auch Ein­la­gen angesprochen.
Die Prak­ti­ker dis­ku­tier­ten, wel­che Anfor­de­run­gen ein Schuh erfül­len müs­se und wann er eine kon­trol­lier­te ­Mobi­li­tät ermög­li­chen kön­ne. Gleich­zei­tig rich­te­te sich der Blick auch auf die Zeit danach, denn eine geschlos­se­ne Wun­de bedeu­tet nicht, dass das Risi­ko eines erneu­ten Ulkus ver­schwun­den ist. Die lang­fris­ti­ge Ver­sor­gung müs­se daher früh­zei­tig mit­ge­dacht wer­den, hieß es einhellig.

Druck­ent­las­tung digital

Anschlie­ßend rück­te die dia­be­tes­ad­ap­tier­te Fuß­bet­tung in den Mit­tel­punkt – als Bei­spiel dafür, wie sich handwerk­liches und medi­zi­ni­sches Wis­sen in digi­ta­le Pro­zes­se über­tra­gen lässt. Sprin­ger Aktiv stell­te vor, wie Tech­ni­ker über eine spe­zi­el­le Biblio­thek in ihrem Kon­fi­gu­ra­tor die Ein­la­gen für die­se spe­zi­el­le Anfor­de­rung spe­zi­fi­zie­ren kön­nen. Ent­las­tun­gen, Über­gän­ge und Mate­ri­al­stär­ken wer­den CAD-gestützt geplant, doku­men­tiert und repro­du­zier­bar gemacht. Danach kann die Fuß­bet­tung sub­trak­tiv gefräst oder addi­tiv im 3D-Druck gefer­tigt wer­den. Ein tech­no­lo­gi­sches „Ent­we­der-oder“, so das Fazit, gibt es dabei nicht. Bei­de Ver­fah­ren haben unter­schied­li­che Stär­ken hin­sicht­lich Geo­me­trie, Mate­ri­al­ein­satz, Nach­be­ar­bei­tung und betrieb­li­chem Ablauf. Ent­schei­dend sei, wel­ches Ver­fah­ren zur Ver­sor­gung und zum Betrieb passt.

Über alle Dis­kus­sio­nen hin­weg zeig­te sich Fol­gen­des: Digi­ta­li­sie­rung kann Abläu­fe struk­tu­rie­ren, Wie­der­ho­lungs­ver­sor­gun­gen erleich­tern und Fach­kräf­te ent­las­ten. Sie ersetzt aber weder kli­ni­sche Beur­tei­lung noch hand­werk­li­ches Kön­nen. Je digi­ta­ler und arbeits­tei­li­ger Pro­zes­se wer­den, des­to wich­ti­ger bleibt die fach­li­che Kom­pe­tenz, Risi­ken, Ver­sor­gungs­zie­le und Ergeb­nis­se zu beurteilen.

 

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