Messen & Kongresse

Lymph­sym­po­si­um zeigt: Fort­schritt braucht Diskussion

Neue Leitlinien, moderne Therapien und interdisziplinäre Versorgung: Das Münchner Lymphsymposium setzte Impulse für die Lymphologie.

Lym­pho­lo­gi­sche Erkran­kun­gen erfor­dern in der kli­ni­schen Pra­xis eine dif­fe­ren­zier­te Betrach­tung. Mit den Ursa­chen und Zusam­men­hän­gen sowie aktu­el­len Ent­wick­lun­gen in Dia­gnos­tik und The­ra­pie beschäf­tig­te sich das 16. Münch­ner Lymph­sym­po­si­um in der Wap­pen­hal­le der baye­ri­schen Lan­des­haupt­stadt. Unter der wis­sen­schaft­li­chen Lei­tung von Dr. Michae­la Knes­te­le dis­ku­tier­ten mehr als 250 Teil­neh­mer neue wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se und inter­dis­zi­pli­nä­re Ver­sor­gungs­kon­zep­te rund um Lymph­ödem, Adi­po­si­tas und Lipödem.

Zum Auf­takt gab Dr. Chris­ti­an Schuch­hardt einen Über­blick über die Ent­wick­lung der Lym­pho­lo­gie in den ver­gan­ge­nen 50 Jah­ren. Als wesent­li­chen Fort­schritt hob er die Wei­ter­ent­wick­lung der Dia­gnos­tik her­vor. Gleich­zei­tig ver­wies er auf wei­ter­hin bestehen­de Her­aus­for­de­run­gen, ins­be­son­de­re bei der Ver­an­ke­rung lym­pho­lo­gi­scher Inhal­te in der medi­zi­ni­schen Ausbildung.

Ein Schwer­punkt der Ver­an­stal­tung war die neue AWMF S3-Leit­li­nie Lymph­ödem, die Ende 2026 ver­öf­fent­licht wer­den soll. Dis­ku­tiert wur­den die Grund­la­gen einer struk­tu­rier­ten Dia­gnos­tik sowie die Rol­le mikro­chir­ur­gi­scher Ver­fah­ren im Rah­men eines ganz­heit­li­chen The­ra­pie­kon­zepts. Eben­so stan­den kon­ser­va­ti­ve Behand­lungs­an­sät­ze im Fokus – dar­un­ter die Bedeu­tung der Kom­ple­xen Phy­si­ka­li­schen Ent­stau­ungs­the­ra­pie (KPE), Bewe­gung als Bestand­teil der The­ra­pie sowie aktu­el­le Erkennt­nis­se zu Medi­zi­ni­schen adap­ti­ven Kom­pres­si­ons­sys­te­men (MAK). PD Dr. Anett Reiß­hau­er ver­wies dabei auf aktu­el­le Stu­di­en: MAK kön­nen dem­nach in den ver­schie­de­nen Pha­sen der KPE ein­ge­setzt wer­den und sind hin­sicht­lich ihrer Wirk­sam­keit weder der Flachstrick­ver­sor­gung noch der klas­si­schen Ban­da­gie­rung unterlegen.

Prof. Claus C. Pie­per stell­te ergän­zend Ergeb­nis­se quan­ti­ta­ti­ver MRT-Unter­su­chun­gen vor, die eine Ansamm­lung von Gewe­be­flüs­sig­keit bei Lymph­öde­men sowie mess­ba­re Effek­te der Manu­el­len Lymph­drai­na­ge zur Reduk­ti­on aufzeigen.

Wei­te­re Bei­trä­ge ver­deut­lich­ten die Viel­falt lym­pho­lo­gi­scher Krank­heits­bil­der. Prof. Moritz Wild­gru­ber erläu­ter­te Behand­lungs­op­tio­nen bei Mal­for­ma­tio­nen im Kin­des­al­ter. Prof. Bir­git Kah­le beton­te, wie bedeut­sam die Abgren­zung von Koin­zi­den­zen und Kom­or­bi­di­tä­ten bei venö­sen und lympha­ti­schen Erkran­kun­gen ist, um geeig­ne­te The­ra­pie­maß­nah­men abzuleiten.

Ein wei­te­rer The­men­block wid­me­te sich den Zusam­men­hän­gen zwi­schen Adi­po­si­tas und Lipö­dem. Im Mit­tel­punkt stan­den gemein­sa­me Begleit­erkran­kun­gen sowie kon­ser­va­ti­ve und chir­ur­gi­sche Behand­lungs­op­tio­nen. Prof. Manu­el E. Cor­ne­ly ord­ne­te in die­sem Zusam­men­hang die Aus­wir­kun­gen des G‑BA-Beschlus­ses und der LIPLEG-Stu­die ein.

Neben den ein­zel­nen Fach­bei­trä­gen mach­te auch das abschlie­ßen­de „Sof­age­spräch“ zwi­schen Cor­ne­ly und Kah­le deut­lich, dass die Lym­pho­lo­gie von einer engen Ver­zah­nung unter­schied­li­cher Fach­dis­zi­pli­nen lebt. Ent­spre­chend zog sich die inter­dis­zi­pli­nä­re Zusam­men­ar­beit als roter Faden durch das gesam­te Pro­gramm. Das nächs­te Münch­ner Lymph­sym­po­si­um fin­det am 3. Juli 2027 statt.

 

Tei­len Sie die­sen Inhalt