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Leit­li­nie erwei­tert Stel­len­wert der Kompressionstherapie

Die neue S2k-Leitlinie zur Kompressionstherapie erweitert die Empfehlungen für MKS, MAK und MKV und stärkt die leitliniengerechte Versorgung.

Im Regis­ter der Arbeits­ge­mein­schaft der wis­sen­schaft­li­chen medi­zi­ni­schen Fach­ge­sell­schaf­ten (AWMF) ist seit ver­gan­ge­nem Juli die neue S2k-Leit­li­nie zur medi­zi­ni­schen Kom­pres­si­ons­the­ra­pie der Extre­mi­tä­ten hin­ter­legt. Damit lie­gen aktua­li­sier­te, stu­di­en- und kon­sens­ba­sier­te Emp­feh­lun­gen für den Ein­satz von Medi­zi­ni­schem Kom­pres­si­ons­strumpf (MKS), Medi­zi­ni­schem Kom­pres­si­ons­ver­band (MKV) und Medi­zi­ni­schen adap­ti­ven Kom­pres­si­ons­sys­te­men (MAK) vor. Die unter Feder­füh­rung der Deut­schen Gesell­schaft für Phle­bo­lo­gie und Lym­pho­lo­gie (DGPL) erar­bei­te­te Leit­li­nie spie­gelt den aktu­el­len medi­zi­ni­schen Ver­sor­gungs­stan­dard wider und soll Ärz­ten als Grund­la­ge für eine leit­li­ni­en­ge­rech­te Ver­ord­nung dienen.

Die aktua­li­sier­te Leit­li­nie stärkt die Bedeu­tung der Kom­pres­si­ons­the­ra­pie auch jen­seits klas­si­scher Venen­er­kran­kun­gen. So emp­fiehlt sie die The­ra­pie unter ande­rem als zen­tra­len Bestand­teil der Behand­lung von Lymph­öde­men und bekräf­tigt ihren Stel­len­wert beim Lipö­dem. Zudem dif­fe­ren­ziert sie stär­ker zwi­schen venö­ser und lympha­ti­scher Kom­pres­si­on. Zu den wesent­li­chen Neue­run­gen zählt die Emp­feh­lung, MAK nicht nur in der Ent­stau­ungs­pha­se eines Ödems, son­dern auch zur län­ger­fris­ti­gen The­ra­pie ein­zu­set­zen – und das nicht nur beim Ulcus cru­ris veno­sum, son­dern auch bei wei­te­ren Indi­ka­tio­nen sowie zur Schmerz­re­duk­ti­on beim Lipö­dem. Dar­über hin­aus betont die Leit­li­nie die Vor­tei­le indi­vi­du­ell ange­pass­ter Flachstrick­ver­sor­gun­gen über alle Indi­ka­tio­nen hin­weg und nimmt erst­mals Nacht­ver­sor­gun­gen bei Lymph­öde­men auf. Auch das Indi­ka­ti­ons­spek­trum wur­de erwei­tert, etwa auf ent­zünd­li­che Der­ma­to­sen der Bei­ne sowie bei bestimm­ten onko­lo­gi­schen Behand­lun­gen. „The­ra­pie­treue ist ent­schei­dend für den Behand­lungs­er­folg. Sie gelingt, wenn die Kom­pres­si­ons­ver­sor­gung all­tags­taug­lich, auch bei Begleit­erkran­kun­gen oder beson­de­ren Kör­per­for­men gut hand­hab­bar ist und größt­mög­li­che Pati­en­ten­au­to­no­mie ermög­licht“, erklärt Prof. Mar­kus Stü­cker, geschäfts­füh­ren­der Direk­tor der Kli­nik für Der­ma­to­lo­gie, Vene­ro­lo­gie und All­er­go­lo­gie am St. Joseph-Hos­pi­tal der Ruhr-Uni­ver­si­tät Bochum. Die Leit­li­nie tra­ge die­sem Aspekt unter ande­rem durch die Emp­feh­lung anwen­der­freund­li­cher MAK und indi­vi­du­ell ange­pass­ter Flachstrick­ver­sor­gun­gen Rechnung.

Kri­tisch bewer­tet der Indus­trie­ver­band Euro­com das der­zei­ti­ge Hilfs­mit­tel­ver­zeich­nis des GKV-Spit­zen­ver­ban­des. Hin­ter­grund ist die letz­te Fort­schrei­bung der Pro­dukt­grup­pe 17 „Hilfs­mit­tel zur Kom­pres­si­ons­the­ra­pie“ im Jahr 2025 – hier wur­de der gene­rel­le Leit­li­ni­en­be­zug gestri­chen. Bezog sich zuvor jede Pro­dukt­art auf den Pas­sus in der Prä­am­bel, die „jeweils gül­ti­gen Leit­li­ni­en zu beach­ten“, tritt nun eine vor­läu­fi­ge Dia­gno­se-Lis­te und der Ver­weis auf die in den Pro­dukt­ar­ten und bei den Ein­zel­pro­duk­ten kon­kret auf­ge­führ­ten Indi­ka­tio­nen an des­sen Stel­le. „Das Abwei­chen des Hilfs­mit­tel­ver­zeich­nis­ses von der leit­li­ni­en­ge­rech­ten Ver­sor­gung kann zu Ver­ord­nungs­un­si­cher­hei­ten bei Ärz­tin­nen und Ärz­ten und schluss­end­lich zu Fehl­ver­sor­gun­gen der gesetz­lich Kran­ken­ver­si­cher­ten füh­ren“, betont Oda Hage­mei­er, Geschäfts­füh­re­rin der Euro­com. „Denn das Hilfs­mit­tel­ver­zeich­nis dient als ori­en­tie­ren­des Instru­ment in der Pra­xis. Daher plä­die­ren wir erneut – wie schon im letz­ten Fort­schrei­bungs­pro­zess – für die Wie­der­ein­füh­rung des gene­rel­len Leit­li­ni­en­be­zugs in der Präambel.“

 

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