Messen & Kongresse

Mehr als eine Fra­ge der Haltung

Wie sich moderne Skolioseversorgung zwischen konservativen Ansätzen, operativen Techniken und psycho­sozialer Begleitung entwickelt, zeigte der Kongress des Vereins Skoliose Schweiz (VSS) Ende März im Kinderspital Zürich.

Fach­leu­te aus Medi­zin, Phy­sio­the­ra­pie und Ortho­pä­die-Tech­nik tra­fen dort auf Betrof­fe­ne und Ange­hö­ri­ge, um aktu­el­le Ent­wick­lun­gen und prak­ti­sche Erfah­run­gen auszutauschen.

Den Auf­takt bil­de­ten Bei­trä­ge aus medi­zi­ni­scher Per­spektive zur Ein­ord­nung und Behand­lung der Sko­lio­se. Dr.  Dome­nic Grisch (Kin­der­spi­tal Zürich) stell­te die ver­schie­de­nen Arten der Erkran­kung vor – von der idio­pa­thi­schen sowie kon­ge­ni­talen über die neu­ro­mus­ku­lä­re bis hin zur dege­ne­ra­ti­ven Sko­lio­se. Dr. Chris­ti­an Hül­strunk (Askle­pi­os Katha­ri­na-Schroth-Kli­nik Bad Sobern­heim) beleuch­te­te dar­über hin­aus mög­li­che Aus­wir­kun­gen auf die psy­chi­sche Gesundheit.

Einen zen­tra­len Stel­len­wert nahm die Rol­le der Ortho­pä­die-Tech­nik ein. Urs Schwein­gru­ber (Ortho-Team Zürich) prä­sen­tier­te ver­schie­de­ne Ver­sor­gungs­mög­lich­kei­ten und deren Anwen­dung je nach Indi­ka­ti­on und Ver­lauf. Der Ein­fluss von Sport als Bestand­teil der The­ra­pie wur­de von Dr. Flo­ri­an Schaub (Kin­der­spi­tal Zürich) ein­ge­ord­net. Auch ope­ra­ti­ve Ver­fah­ren wur­den im Rah­men des Kon­gres­ses the­ma­ti­siert. Prof. José Miguel Spi­rig und Prof. Chris­toph Laux (Uni­ver­si­täts­kli­nik Bal­grist) gaben Ein­bli­cke in aktu­el­le Tech­ni­ken zur Ver­stei­fung der Wirbelsäule.

Beson­ders greif­bar wur­de die The­ma­tik durch die Erfah­rungs­be­rich­te von drei Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten. Die­se schil­der­ten im Gespräch mit Phy­sio­the­ra­peu­tin Rachel Cott (Kin­der­spi­tal Zürich) ihren All­tag mit Kor­sett, ins­be­son­de­re die Her­aus­for­de­run­gen, die sich über län­ge­re Behand­lungs­ver­läu­fe hin­weg ergeben.

Am Nach­mit­tag folg­ten pra­xis­ori­en­tier­te Work­shops, die sich an Fach­leu­te sowie an Betrof­fe­ne und Ange­hö­ri­ge rich­te­ten. Im Work­shop „Mit Herz und Hal­tung – Eltern unter­stüt­zen, um Kin­der zu stär­ken“, durch­ge­führt von Dr. Syl­via Wil­ly und Mia Suter (bei­de VSS), stan­den fami­liäre Dyna­mi­ken im Umgang mit Sko­lio­se im Mit­tel­punkt. Dabei stell­te sich her­aus, dass die betrof­fe­nen ­Kin­der meist weni­ger besorgt sind als die Eltern und die­sen sogar als men­ta­le Unter­stüt­zung dienen.

Der Work­shop „Neu­start: Ideen für ein Heim­pro­gramm nach einer Sko­lio­se-Ope­ra­ti­on“ unter Lei­tung von Jas­min Erni (Uni­ver­si­täts­kli­nik Bal­grist) wid­me­te sich der post­ope­ra­ti­ven Reha­bi­li­ta­ti­on. Die Phy­sio­the­ra­peu­tin mach­te deut­lich, wie bedeut­sam geziel­tes Trai­ning ist, und zeig­te den Teil­neh­mern kon­kre­te Übun­gen für zu Hau­se. Ein wei­te­rer Work­shop bot durch Prof. José Spi­rig, Prof. Chris­toph Laux und Ramo­na Bin­der (Stry­ker) eine anschau­liche Demons­tra­ti­on einer Ope­ra­ti­on zur Begra­di­gung der Wir­bel­säu­le. Par­al­lel dazu erhiel­ten betrof­fe­ne Kin­der und Jugend­li­che im Rah­men eines Jugend­pro­gramms eine alters­ge­rech­te Ein­füh­rung in das Krank­heits­bild sowie ein beglei­ten­des Kreativangebot.

 

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