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Digi­tal trifft Hand­werk: Kin­der­or­the­tik im Wandel

Wie viel Digitalisierung braucht die Kinderorthopädie? Beim Workshop „Best Practices in der Kinderorthetik“ diskutierten Experten über Chancen und Grenzen digitaler Fertigung – und warum der direkte Kontakt zu jungen Patienten weiterhin unverzichtbar bleibt.

„Wir möch­ten hier sehr kon­kret der Fra­ge nach­ge­hen, wann der digi­ta­le Druck in der Kin­der­or­tho­pä­die Mehr­wert bringt“ – mit die­sen Wor­ten läu­te­te Chris­ti­an Kienz­le, Geschäfts­füh­rer bei der Poh­lig GmbH mit Sitz in Traun­stein, den Work­shop „Best Prac­ti­ces in der Kin­der­or­the­tik“ ein, dem er gemein­sam mit Chris­tia­na Hen­ne­mann von Reha­kind e. V. vorsaß.

Den ers­ten Vor­trag hielt Pia Nies­ner (Otho­lo­gisch), die sich sicher ist: „Wir kön­nen uns von der Tech­nik unter­stüt­zen las­sen, aber wir müs­sen die Kin­der anfas­sen und mit ihnen und ihren Eltern spre­chen. Wir brau­chen Akzep­tanz, denn die schlech­tes­te Orthe­se ist die, die im Schrank steht.“ Sie ist der Mei­nung, dass digi­ta­le Lösun­gen die her­kömm­li­che Ver­sor­gung unter­stüt­zen, aber nicht erset­zen kann. Der­sel­ben Ansicht ist Kevin Wer­ner (Kom­pe­tenz­zen­trum Kra­mer), dem die hap­ti­sche Erfah­rung wich­tig ist, denn beim Gips­auf­tra­gen fühlt er knö­cher­ne Pro­mi­nen­zen und Tonus­ver­hält­nis­se, die er anschlie­ßend in die Ver­sor­gung einbringt.

Bei Rahm hin­ge­gen ist der digi­ta­le Work­flow inzwi­schen füh­rend, wie André Fro­ni­us berich­te­te. „Pro­mi­nen­zen, die ich erspü­re, kann ich beim Model­lie­ren ein­fü­gen und so mit ein­be­zie­hen“, weiß er. Als wert­voll befin­det er digi­ta­le Model­le gera­de bei Kin­dern für den Ver­gleich „wo waren wir vor zwei und vor fünf Jahren?“.

Phil­ipp Häuß­ler stell­te Doku­men­ta­ti­ons­er­geb­nis­se von Poh­lig vor, die Rück­schlüs­se auf Vor- und Nach­tei­le bei ver­schie­de­nen Hilfs­mit­teln zulas­sen. Das Ergeb­nis zeig­te ein­deu­tig, dass sich allen vor­an dyna­mi­sche Hüft­ab­duk­ti­ons-Lage­rungs­or­the­sen her­vor­ra­gend für den 3D-Druck eig­nen und bei Poh­lig nur noch in Aus­nah­me­fäl­len her­kömm­lich gefer­tigt wer­den – etwa, wenn es eilig ist, denn die Digi­tal­druck­zei­ten sind erheb­lich län­ger. Fuß­or­the­sen hin­ge­gen wer­den fast immer kon­ven­tio­nell her­ge­stellt, denn die nach­träg­li­che Anpas­sung von Druck­stel­len ist bei digi­tal gedruck­ten Hilfs­mit­teln kaum möglich.

Einig­keit besteht dar­in, dass die Digi­ta­li­sie­rung nicht den hap­ti­schen Kon­takt zu Pati­en­ten infra­ge stel­len darf und die inter­pro­fes­sio­nel­le Zusam­men­ar­beit – Eltern ein­ge­schlos­sen – für eine erfolg­rei­che Ver­sor­gung unab­ding­bar ist. Aber auch, dass sich Nach­wuchs­fach­kräf­te mit digi­ta­len Tech­no­lo­gien eher begeis­tern las­sen als mit Gips.

Anja Knies

 

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