OTWorld

Zugang zu Pro­the­sen­fü­ßen ermöglichen

Auf der OTWorld 2024 war Steptics bereits mit einem eigenen Stand vertreten, 2026 wird man das Unternehmen erneut auf der Start-up-­Fläche finden. Das 2020 begonnene Projekt zur Herstellung von qualitativ hoch­wertigen und zugleich bezahlbaren Prothesenfüßen bietet mittlerweile vier verschiedene Modelle an, unter anderem einen Sport-Federfuß.

18Im Inter­view mit der OT-Redak­ti­on gibt Mit­grün­der Dani­el Kun Ein­bli­cke in die Entstehungs­geschichte, erzählt, wel­che Wer­te dem Unter­neh­men wich­tig sind und was sei­ne Zie­le sind.

Step­tics wird man bei der OTWorld in Leip­zig erneut auf der Start-up-Flä­che tref­fen. Kön­nen Sie bit­te ein­mal Ihre Erfah­run­gen von 2024 beschreiben?

Dani­el Kun: Die OTWorld 2024 war für uns ein beson­ders prä­gen­des Ereig­nis. Erst­mals konn­ten wir unse­re Pro­duk­te einem inter­na­tio­na­len Fach­pu­bli­kum prä­sen­tie­ren. Dabei stand für uns nicht nur die qua­li­ta­ti­ve Wahr­neh­mung im Fokus, son­dern vor allem die Fra­ge, wie unse­re Lösun­gen am Markt ange­nom­men wer­den. In gewis­ser Wei­se war die Mes­se ein „Pro­of of Busi­ness“ für unse­re Visi­on, Men­schen welt­weit den Zugang zu hoch­wer­ti­gen, ener­gie­rück­ge­ben­den Pro­the­sen­fü­ßen zu ermög­li­chen. Die durch­weg posi­ti­ve Reso­nanz hat uns gezeigt, dass wir mit unse­rem Ansatz den aktu­el­len Bedarf tref­fen und uns moti­viert, wei­ter an ­unse­rer Mis­si­on zu arbeiten.

Und was sind Ihre Erwar­tun­gen an die Ver­an­stal­tung 2026?

Mit Blick auf die OTWorld 2026 erwar­ten wir, dass das The­ma erschwing­li­cher Ver­sor­gungs­lö­sun­gen noch stär­ker in den Fokus rückt und von wei­te­ren Her­stel­lern auf­ge­grif­fen wird. Wir sind gespannt, wel­che Lösun­gen ande­re Aus­stel­ler präsen­tieren wer­den, und wie sich der Markt ins­ge­samt wei­ter­ent­wi­ckelt. Gleich­zeitig möch­ten wir mit unse­ren eige­nen Pro­duk­ten erneut Impul­se set­zen und ins­be­son­de­re unse­re Wei­ter­ent­wick­lun­gen einem brei­ten Publi­kum vor­stel­len. Wir bli­cken daher mit gro­ßer Vor­freu­de auf die Veranstaltung.

Sie sind ein jun­ges Unter­neh­men mit einem spe­zia­li­sier­ten Pro­dukt­port­fo­lio. Wie kam es zu der Idee, das Unter­neh­men zu gründen?

Die Idee zur Grün­dung unse­res Unter­neh­mens ent­stand bereits vor eini­gen Jah­ren. Mein Mit­grün­der Toni Padil­la und ich arbei­te­ten damals in einem Unter­neh­men, das sich auf die Indus­tria­li­sie­rung von faser­ver­stärk­ten Kunst­stoff­bau­tei­len spe­zia­li­siert hat­te, mit dem Ziel, effi­zi­en­te Fer­ti­gungs­pro­zes­se zu ent­wi­ckeln. Im Zuge mei­ner Tätig­keit in der Pro­dukt­ent­wick­lung erhielt ich eine kon­kre­te Kunden­anfrage, bei der ein Pro­the­sen­fuß im indus­tri­el­len Maß­stab her­ge­stellt wer­den sollte.

Aus die­ser Anfra­ge ent­stand eine Patent­idee, die spä­ter erfolg­reich wei­ter­ent­wi­ckelt und gesi­chert wur­de. Nach­dem Toni und ich das Patent aus dem Unter­neh­men her­aus­ge­kauft hat­ten, war der Grund­stein für Step­tics gelegt.

Sie set­zen auf den Slo­gan: „Acces­si­ble for ever­yo­ne“ – also ­„Erreich­bar für jeden“. Was ver­birgt sich dahinter?

Hin­ter unse­rem Slo­gan „Acces­si­ble for ever­yo­ne“ steht das Ziel, einer deut­lich grö­ße­ren Anzahl an Anwen­de­rin­nen und Anwen­dern den Zugang zu bezahl­ba­ren und zugleich hoch­qualitativen, ener­gie­rück­ge­ben­den Pro­the­sen­fü­ßen zu ermöglichen.

Die Pro­dukt­ent­wick­lung eta­blier­ter Her­stel­ler ori­en­tiert sich heu­te häu­fig an den Anfor­de­run­gen und Preis­struk­tu­ren gut aus­ge­bau­ter Gesund­heits- und Erstat­tungs­sys­te­me in Indus­trie­län­dern. Gleich­zei­tig lebt ein Groß­teil der welt­weit ampu­tier­ten Men­schen in Regio­nen mit begrenz­ten finan­zi­el­len Res­sour­cen und feh­len­den Erstattungssystemen.

Das führt dazu, dass vie­le Anwen­der – trotz eines oft akti­ve­ren Anfor­de­rungs­pro­fils – ent­we­der gar nicht oder nur mit ein­fa­chen, nicht ener­gie­rück­ge­ben­den Ver­sor­gun­gen wie klas­si­schen SACH-Füßen aus­ge­stat­tet sind. Dar­aus ent­steht eine kla­re Dis­kre­panz zwi­schen dem, was tech­no­lo­gisch mög­lich ist, und dem, was tat­säch­lich ver­füg­bar ist.

Genau hier set­zen wir an, indem wir durch effi­zi­en­te und ska­lier­ba­re Fer­ti­gungs­pro­zes­se sowie ein bewusst kla­res, schlan­kes und zugleich hoch­funk­tio­nel­les Pro­dukt­kon­zept ener­gie­rück­ge­ben­de Pro­the­sen­fü­ße aus Glas- und Car­bon­fa­sern für einen deut­lich brei­te­ren Anwen­der­kreis zugäng­lich machen.

Sie haben unter ande­rem einen Car­bon­fe­der­fuß im Ange­bot, der sich an Frei­zeit- und Brei­ten­sport­ler rich­tet und zudem preis­wert sein soll. Laut dem Deut­schen Behin­der­ten­sport­bund trei­ben rund 55 Pro­zent aller Men­schen mit Behin­de­run­gen in Deutsch­land kei­nen Sport. Eröff­nen Sie mit Ihrem Pro­dukt die­sen Men­schen den Weg in ein akti­ves, sport­li­ches Leben oder ist es eher ein Ange­bot ohne Zielgruppe?

Wir ermög­li­chen genau die­sen Men­schen den Zugang zum Sport. Vie­le Men­schen mit Ampu­ta­ti­on wür­den ger­ne wie­der Sport machen, schei­tern aber nicht am Wil­len, son­dern an den Rah­men­be­din­gun­gen. Für die meis­ten Sport­ar­ten braucht man eine Sport­pro­the­se, und genau die wird in der Regel von den Kos­ten­trä­gern nicht über­nom­men. Die Kos­ten wer­den dadurch zur größ­ten Hür­de. Genau dort set­zen wir an. Wir über­tra­gen unse­re Phi­lo­so­phie von unse­ren All­tags­fü­ßen kon­se­quent auf den Sport. Das bedeu­tet, wir ent­wi­ckeln eine Lauf­fe­der aus Car­bon, die in punc­to Qua­li­tät, Halt­bar­keit und Lauf­ei­gen­schaf­ten das Niveau eta­blier­ter Anbie­ter erreicht oder in ein­zel­nen Berei­chen sogar über­trifft und gleich­zei­tig deut­lich kosten­günstiger ist.

Unser Ziel ist klar: Wir wol­len mehr Men­schen den Weg zurück in ein akti­ves Leben ermög­li­chen. Sport stärkt die kör­per­li­che und men­ta­le Gesund­heit und bringt Lebens­qua­li­tät zurück. Er schafft Selbst­ver­trau­en und ermög­licht ech­te Teil­ha­be – egal ob im Brei­ten­sport oder im Leistungssport.

Sie set­zen auf „Made in Ger­ma­ny“, haben aber auch einkommens­schwächere Regio­nen im Blick. Wie passt das zusammen?

Auf den ers­ten Blick wirkt es tat­säch­lich wie ein Wider­spruch, Pro­duk­te in einem Hoch­lohn­land wie Deutsch­land her­zu­stel­len und gleich­zei­tig ein­kom­mens­schwä­che­re Regio­nen adres­sie­ren zu wol­len. Ent­schei­dend ist jedoch, dass wir neben unse­ren effi­zi­en­ten Fer­ti­gungs­tech­no­lo­gien gezielt auf ein­fa­che Kon­struk­tio­nen, ein schlan­kes Pro­dukt­port­fo­lio sowie ein modu­la­res Bau­kas­ten­sys­tem set­zen. Dadurch schaf­fen wir Fertigungs­synergien und kön­nen Pro­duk­ti­ons- und Her­stel­lungs­kos­ten deut­lich redu­zie­ren. Die­se Kom­bi­na­ti­on er­möglicht es uns, Pro­the­sen­pass­tei­le ska­lier­bar und kos­ten­ef­fi­zi­ent her­zu­stel­len, sodass wir trotz oder gera­de wegen der Pro­duk­ti­on in Deutsch­land inter­na­tio­nal wett­be­werbs­fä­hig sind. Genau die­se Ver­bin­dung aus Effi­zi­enz, Qua­li­tät und Inno­va­ti­ons­kraft macht unse­ren Ansatz besonders.

Noch ein­mal zurück nach Deutsch­land. Wel­ches Feed­back bekom­men Sie von Ortho­pä­die­tech­ni­kern zu Ihren Pro­duk­ten und wel­chen Input haben Sie bereits genutzt zur Wei­ter­ent­wick­lung ihrer Prothesen?

Von Ortho­pä­die­tech­ni­kern erhal­ten wir über­wie­gend sehr posi­ti­ves Feed­back, ins­be­son­de­re zu unse­rem bewusst schlank gehal­te­nen Produktportfolio.

Vor allem, dass wir mit einer über­sicht­li­chen Anzahl an Pro­duk­ten den­noch ein brei­tes Spek­trum an Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten abde­cken kön­nen, sowohl in Bezug auf unter­schied­li­che Mobi­li­täts­klas­sen als auch auf ver­schie­de­ne Amputationshöhen.Auch die Pro­duk­te selbst wer­den in der prak­ti­schen Anwen­dung als robust und zuver­läs­sig wahr­ge­nom­men. Beson­ders her­vor­ge­ho­ben wird dabei das Lauf­ver­hal­ten: Gera­de wegen des ein­fa­chen Designs über­zeu­gen unse­re Pro­the­sen­fü­ße durch eine gute Ener­gie­auf­nah­me sowie ein har­mo­ni­sches Abrollverhalten.

Das Pro­jekt Step­tics ist jetzt sechs Jah­re alt. Kön­nen Sie die nächs­ten Ent­wick­lungs­schrit­te Ihres Unter­neh­mens skizzieren?

Unse­re nächs­ten Ent­wick­lungs­schrit­te sind klar dar­auf aus­ge­rich­tet, bestehen­de Pro­duk­te kon­ti­nu­ier­lich zu opti­mie­ren und unser Port­fo­lio gezielt wei­ter aus­zu­bau­en. Dabei arbei­ten wir unter ande­rem an einem Mobi­li­täts-klas­se-4-Fuß, der sowohl mit höhe­rem als auch mit nied­ri­ge­rem Sys­tem­auf­bau ver­füg­bar sein wird. Auch im Bereich Sport­pro­the­sen pla­nen wir Wei­ter­ent­wick­lun­gen, etwa in Form eines Quick-Chan­ge-Adap­ters. Dar­über hin­aus berei­ten wir für das kom­men­de Jahr eine grö­ße­re Inno­vation vor, über die wir aktu­ell noch nicht im Detail spre­chen kön­nen, die jedoch sicher­lich für Auf­merk­sam­keit sor­gen wird.

Die Fra­gen stell­te Hei­ko Cordes.

 

Zur Per­son


Dani­el Kun ist Mit­grün­der und Geschäfts­füh­rer der Step­tics GmbH. Er begann sei­ne beruf­li­che Lauf­bahn mit einer Aus­bil­dung zum Werk­zeug­ma­cher und stu­dier­te anschlie­ßend Fahr­zeug­tech­nik an der Hoch­schu­le Ulm. Ergän­zend ver­tief­te er sei­ne Kennt­nis­se durch ein wei­te­res Stu­di­um im Bereich Sys­tems Engi­nee­ring and Manage­ment mit Schwer­punkt Manage­ment, wodurch er tech­ni­sches Fach­wis­sen mit betriebs­wirt­schaft­li­cher Per­spek­ti­ve kom­bi­nier­te. Die Idee für Step­tics ent­stand aus sei­nem Ansatz zur indus­tri­el­len Fer­ti­gung von Car­bon-Feder­ele­men­ten für Pro­the­sen. In sei­ner heu­ti­gen Rol­le ver­ant­wor­tet Kun ins­be­son­de­re die tech­ni­schen Kern­be­rei­che, dar­un­ter Pro­dukt­ent­wick­lung und Indus­tria­li­sie­rung, und gestal­tet dar­über hin­aus aktiv die The­men Stra­te­gie, Ver­trieb und Busi­ness Deve­lo­p­ment mit. 

 

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