FachartikelPeer Review

Ver­sor­gungs­stan­dard bei sen­so­mo­to­ri­schen Fuß­or­the­sen ange­wandt in der täg­li­chen Pra­xis – ein Anwendungsbeispiel

T. Stief1, T. Sprekelmeyer1, 2
Orthopädische Einlagen, ­besonders Sensomotorische Fußorthesen (SMFO), erfordern eine individuelle und strukturierte Versorgung und hohe fachliche Kompetenz. Bis 2022 fehlte ein einheitlicher Standard in dem Versorgungsbereich. Der neue Standard für die Versorgung mit Einlagen beschreibt u. a. einen dreistufigen Versorgungsprozess: Informationserhebung und Versorgungszieldefinition, Umsetzung der Ziele im Rahmen der Versorgung sowie Auslieferung mit Überprüfung des Erreichens der Ziele. Ein Beispiel aus der Versorgungspraxis mit SMFO zeigt den Mehrwert dieses zielgerichteten Vorgehens.


1 
(ts)² ana­ly­tiX moti­on lab, (ts)² GmbH Osnabrück
2  Spre­kel­mey­er Ortho­pä­die-Schuh­tech­nik GmbH Osnabrück

 

Ein­lei­tung

Ortho­pä­di­sche Ein­la­gen zäh­len zu den Hilfs­mit­teln mit hoher Pati­en­ten­zu­frie­den­heit, deren Wirk­sam­keit grund­sätz­lich belegt ist [1]. Sen­so­mo­to­ri­sche Fuß­or­the­sen (SMFO) wer­den, ins­be­son­de­re zwi­schen Leis­tungs­er­brin­gern und Kos­ten­trä­gern, jedoch wei­ter­hin kon­tro­vers dis­ku­tiert [2, 3]. Unstrit­tig ist aber, dass gera­de die kom­ple­xe und sehr indi­vi­du­el­le Ver­sor­gung mit SMFO eine gro­ße fach­li­che Exper­ti­se und ein struk­tu­rier­tes, nach­voll­zieh­ba­res und ziel­ori­en­tier­tes Vor­ge­hen erfor­dert [4]. Bis zur Ver­öf­fent­li­chung des Ver­sor­gungs­stan­dards für ortho­pä­di­sche Ein­la­gen im Jahr 2022 exis­tier­te kein ein­heit­li­cher, struk­tu­rier­ter und trans­pa­ren­ter Stan­dard für die Ver­sor­gung mit die­sen Hilfs­mit­teln. Der Fokus bei der Ent­wick­lung des Stan­dards lag auf der Dar­stel­lung eines umsetz­ba­ren, indi­vi­du­el­len, ziel- und ergeb­nis­ori­en­tier­ten Pro­zes­ses für die Ver­sor­gungs­pra­xis, u. a. mit SMFO [5].

Der Ver­sor­gungs­pro­zess ist in drei Haupt­schrit­te geglie­dert (Abb. 1):

  1. ver­sor­gungs­re­le­van­te Infor­ma­ti­ons­er­he­bung und Bera­tung mit Defi­ni­ti­on der Versorgungsziele,
  2. Pro­dukt­aus­wahl und ‑gestal­tung mit Umset­zung der Ver­sor­gungs­zie­le sowie
  3. Aus­lie­fe­rung und Ver­sor­gungs­kon­trol­le mit Über­prü­fung des ­Errei­chens der auf­ge­stell­ten Ver­sor­gung­zie­le [5].

Mit dem vor­lie­gen­den Arti­kel wird anhand eines Bei­spiels aus der täg­li­chen Ver­sor­gungs­pra­xis mit SMFO auf­ge­zeigt, wie die ein­zel­nen Schrit­te des Pro­zes­ses durch­lau­fen wer­den und wel­chen Mehr­wert ein struk­tu­rier­tes und ziel­ori­en­tier­tes Vor­ge­hen inklu­si­ve Doku­men­ta­ti­on aller rele­van­ten Infor­ma­tio­nen und Ergeb­nis­se für die Pati­en­ten und die Leis­tungs­er­brin­ger bietet.

Ver­sor­gungs­stan­dard ­Ein­la­gen umge­setzt in der täg­li­chen Ver­sor­gungs­pra­xis mit SMFO

Die Ver­sor­gung der vor­ge­stell­ten Pati­en­tin erfolg­te durch Spre­kel­mey­er Ortho­pä­die­schuh­tech­nik & Sani­täts­haus und die Durch­füh­rung der 3D-Gang­ana­ly­sen erfolg­te im (ts)² Ana­ly­tix Moti­on Lab.

Eine Pati­en­tin (w, 15 Jah­re, 47 kg, 1,54 m) stell­te sich nach Kon­sul­ta­ti­on eines nie­der­ge­las­se­nen Ortho­pä­den mit Knie­be­schwer­den und einer Ver­ord­nung für ein Paar SMFO vor. Die Indi­ka­ti­on für die SMFO lau­te­te: Knie­be­schwer­den beid­seits, Mor­bus Osgood-Schlat­ter links und Pes val­gus beidseits.

Ver­sor­gungs­re­le­van­te Infor­ma­ti­ons­er­he­bung und Beratung

Die ver­sor­gungs­re­le­van­te Infor­ma­ti­ons­er­he­bung erfolg­te mit­tels stan­dar­di­sier­tem Erfas­sungs­bo­gen. Nach Erfas­sung der per­so­nen­spe­zi­fi­schen Daten (Tab. 1) wur­den sub­jek­ti­ve Daten im Rah­men der Ana­mne­se, u. a. zum Beschwer­de­bild, zu Lebens­ge­wohn­hei­ten und indi­vi­du­el­len Ver­sor­gungs­zie­len, erfasst (Tab. 2). Bei der Anga­be zum Beschwer­de­bild (Stär­ke, Dau­er, Häu­fig­keit etc. von Schmer­zen) erfolg­te die Erhe­bung über vali­de und relia­ble Ver­fah­ren, z. B. über Visu­el­le Ana­lo­ge Ska­len (VAS) [6, 7].

Objek­ti­ve Daten wie Fuß­ma­ße, die Ori­en­tie­rung der Fuß- und Bein­ach­sen und sicht- und/oder tast­ba­re Patho­lo­gien wur­den über 2D-Scans mit­tels visu­el­ler Inspek­ti­on und durch eine aus­führ­li­che kli­ni­sche Unter­su­chung mit Pal­pa­ti­on und kli­ni­schen Funk­ti­ons­tests erho­ben (Abb. 2 und Tab. 3). Auch hier wur­den ein stan­dar­di­sier­ter Ablauf ver­folgt und die ermit­tel­ten Infor­ma­tio­nen im Erfas­sungs­bo­gen doku­men­tiert. Gera­de eine aus­führ­li­che kli­ni­sche Unter­su­chung ist für die Defi­ni­ti­on indi­vi­du­el­ler Ver­sor­gungs­zie­le und den Erfolg der Ver­sor­gung mit SMFO uner­läss­lich. Selbst­ver­ständ­lich wur­den im Rah­men der visu­el­len Inspek­ti­on die Schu­he der Pati­en­tin mit dem Fokus auf rich­ti­ge Schuh­grö­ße, Eig­nung der Schu­he für die Ver­sor­gung mit Ein­la­gen, respek­ti­ve SMFO, und Abnut­zungs­grad der Schu­he begutachtet.

Laut der Publi­ka­ti­on des DGOOC Bera­tungs­aus­schus­ses für die Ortho­pä­die­schuh­tech­nik ist für die Ver­sor­gung mit SMFO bei Beschwer­de­bil­dern, die nicht im Arti­kel gelis­tet sind, wie z. B. den Beschwer­den der hier vor­ge­stell­ten Pati­en­tin eine aus­führ­li­che und erwei­ter­te Befund­er­he­bung emp­foh­len [4]. Auch aus die­sem Grund wur­de zusätz­lich zur dezi­dier­ten Ana­mne­se und ziel­ge­rich­te­ten kli­ni­schen Befund­er­he­bung eine 3D-Gang­ana­ly­se durch­ge­führt. So konn­ten wei­te­re rele­van­te Infor­ma­tio­nen über die indi­vi­du­el­len Bewe­gungs­mus­ter und die bio­me­cha­ni­sche Belas­tungs­si­tua­ti­on der Pati­en­tin wäh­rend der Loko­mo­ti­on ermit­telt werden.

3D-Gang­ana­ly­se

Mit­tels 3D-Moti­on-Cap­tu­re-Sys­tem wur­den mit 14 High­speed-Kame­ras (Miqus Video, Qua­li­sys AB, Schwe­den) und zwei Kraft­mess­plat­ten (4060–07, Ber­tec Co., USA) wäh­rend des Gehens das Bewe­gungs­ver­hal­ten mit 100 Hz und die auf­tre­ten­den Belas­tun­gen mit 1000 Hz erfasst. Die Pati­en­tin ging wäh­rend der Mes­sun­gen auf einer Gangstre­cke von 10 m Län­ge bar­fuß und in den für die Ver­sor­gung mit SMFO ein­ge­setz­ten Schu­hen. Auf­ge­zeich­net und aus­ge­wer­tet wur­den 15 Dop­pel­schrit­te je Sei­te. Rele­van­te Grö­ßen für die Ana­ly­se waren u. a. die Knie­ge­lenk­win­kel und die Knie­ge­lenk­dreh­mo­ment­be­las­tung in der Sagit­tal­ebe­ne (Abb. 3). Die Erfas­sung der Knie­ge­lenk­dreh­mo­ment­be­las­tung ist mit­tels 3D-Kine­ma­tik, 3D-Kine­tik und invers-dyna­mi­scher Model­le mög­lich [8].

Ergeb­nis der kli­ni­schen Befund­er­he­bung inklu­si­ve 3D-Ganganalyse

Bei der Erhe­bung aller Infor­ma­tio­nen konn­ten bei der Pati­en­tin belas­tungs­ab­hän­gi­ge Knie­be­schwer­den (links > rechts (VAS 5,6)) belas­tungs­ab­hän­gi­ge Beschwer­den an bei­den Fer­sen, ein fle­xi­bler Pes val­gus beid­seits mit feh­len­der Auf­rich­tung beim Sin­gle-Heel-Rise-Test, ein mode­ra­tes Genu val­gum links, eine Ver­di­ckung des Ansat­zes der Patel­la­seh­ne links sowie Mor­bus Osgood-Schlat­ter links fest­ge­stellt wer­den. Der Silf­ver­skjöld-Test war beid­seits positiv.

Die Ergeb­nis­se der 3D-Gang­ana­ly­se erga­ben in der frü­hen und mitt­le­ren Stand­pha­se eine ver­stärk­te und unphy­sio­lo­gi­sche Knief­le­xi­on (Abb. 4a) und eine ver­stärk­te und unphy­sio­lo­gi­sche Knie­ge­lenk­fle­xi­ons­be­las­tung in der mitt­le­ren und spä­ten Stand­pha­se (Abb. 4 b).

Ver­sor­gungs­zie­le

Auf Basis aller erho­be­nen Infor­ma­tio­nen wur­den der ortho­pä­di­sche Sta­tus der 15-jäh­ri­gen Pati­en­tin sowie ihr indi­vi­du­el­ler Ver­sor­gungs­be­darf defi­niert. Zudem flos­sen wei­te­re Infor­ma­tio­nen, z. B. aus ärzt­li­chen Unter­la­gen, in die Defi­ni­ti­on der Ver­sor­gungs­zie­le ein. Die­se Zie­le wur­den gemein­sam mit der Pati­en­tin und ihren Eltern abge­stimmt und die end­gül­ti­gen Zie­le gemein­sam defi­niert. Dabei wur­de dar­auf geach­tet, dass die auf­ge­stell­ten Ver­sor­gung­zie­le nach­voll­zieh­bar, umsetz­bar und mess­bar sind.

Die Ver­sor­gungs­zie­le im vor­ge­stell­ten Fall waren:

  1. Beschwer­de­re­duk­ti­on
  2. Opti­mie­rung der Bewegungs­muster, v. a. des lin­ken Kniegelenks
  3. Belas­tungs­re­duk­ti­on, v. a. am lin­ken Kniegelenk
  4. „schö­ne, nicht ortho­pä­disch aus­se­hen­de SMFO“

Pro­dukt­aus­wahl und ‑gestal­tung

Die SMFOs wur­den mit einem CAD-Pro­gramm indi­vi­du­ell kon­stru­iert (Abb. 5). Ein­ge­setzt wur­den media­le Rück­fu­ß­ele­men­te mit einer maxi­ma­len Höhe von 15 mm, late­ra­le Rück­fu­ß­ele­men­te mit einer maxi­ma­len Höhe von 12 mm, eine scha­li­ge Gestal­tung des Fer­sen­be­reichs und retro­ka­pi­ta­le Ele­men­te von MTP II bis MTP V mit einer maxi­ma­len Höhe von 5 mm.  Anschlie­ßend wur­den sie aus EVA mit einer Shore-Här­te 35A mit­tels CAM gefräst.

Aus­lie­fe­rung und Versorgungskontrolle

Bei der Aus­lie­fe­rung wur­den die indi­vi­du­ell gefer­tig­ten SMFO der Pati­en­tin in ihre Schu­he ein­ge­passt (die­sel­ben Schu­he wie bei der Infor­ma­ti­ons­er­he­bung) und die Pati­en­tin in die rich­ti­ge Anwen­dung der Hilfs­mit­tel ein­ge­wie­sen. Anschlie­ßend erfolg­te eine ers­te visu­el­le qua­li­ta­ti­ve Bewe­gungs­be­ur­tei­lung und ein kur­zes Feed­back­ge­spräch u. a. über die Pass­form der SMFO. Die­se Infor­ma­tio­nen wur­de eben­falls im stan­dar­di­sier­ten Erhe­bungs­bo­gen doku­men­tiert. Anschlie­ßend wur­de erneut eine 3D-Gang­ana­ly­se durch­ge­führt. Der Ablauf der Ana­ly­se sowie die Anzahl der erho­be­nen und aus­ge­wer­te­ten Schrit­te erfolg­ten ana­log zu dem Pro­ze­de­re der ers­ten Ana­ly­se. Nur über die Durch­füh­rung einer ver­glei­chen­den 3D-Gang­ana­ly­se ließ sich im vor­ge­stell­ten Fall das Errei­chen zwei der auf­ge­stell­ten Ver­sor­gungs­zie­le (Opti­mie­rung der Bewe­gungs­mus­ter (v. a. lin­kes Knie­ge­lenk) und Belas­tungs­re­duk­ti­on (v. a. lin­kes Knie­ge­lenk)) überprüfen.

Die Ergeb­nis­se zeig­ten, dass es zu einer Ver­bes­se­rung der Knie­ge­lenk­ki­ne­ma­tik und ‑kine­tik kam, aber sowohl die Bewe­gungs­mus­ter als auch die Belas­tun­gen noch nicht in einem phy­sio­lo­gi­schen Bereich waren (Abb. 6a und b).

Auf Grund die­ser Infor­ma­tio­nen wur­den die SMFO opti­miert. Die Opti­mie­run­gen sahen wie folgt aus: Die media­len Rück­fu­ß­ele­men­te wur­den auf eine Höhe von max. 13 mm redu­ziert, die Höhen der late­ra­le Rück­fu­ß­ele­men­te auf 14 mm erhöht, die scha­li­ge Gestal­tung des Fer­sen­be­reichs blieb bestehen, die retro­ka­pi­ta­len Ele­men­te wur­den in der Brei­te ver­grö­ßert (neu: MTP I bis MTP V) und ihre Höhe auf maxi­mal 3 mm redu­ziert. Zudem wur­den retro­ka­pi­ta­le Ele­men­te bei MTP V von 1,5 mm ange­bracht und Vor­fuß­pro­na­ti­ons­leis­ten mit einer maxi­ma­len Höhe von 3 mm und Tief­le­gun­gen der Groß­ze­hen­end­glie­der hin­zu­ge­fügt (Abb. 7).

Mit den opti­mier­ten SMFO wur­de eine wei­te­re 3D-Gang­ana­ly­se durch­ge­führt. Dabei wur­de der glei­che Ablauf wie bei den bei­den vor­an­ge­gan­gen Ana­ly­sen gewähr­leis­tet. Die Ergeb­nis­se die­ser Ana­ly­se zeig­ten, dass die durch­ge­führ­ten Opti­mie­run­gen der rich­ti­ge Schritt waren, da sowohl die Knie­ge­lenk­ki­ne­ma­tik als auch die Knie­ge­lenk­be­las­tung wei­ter ver­bes­sert wer­den konn­ten und in einem phy­sio­lo­gi­schen Bereich lagen (Abb. 8a und b).

Die detail­lier­te Aus­wer­tung der Daten zeigt, dass in allen Stand­pha­sen, v. a. in der frü­hen und mitt­le­ren Stand­pha­se, eine Reduk­ti­on der Knie­ge­lenk­fle­xi­on erreicht wer­den konn­te. So wur­de der Knief­le­xi­ons­win­kel am Ende der initia­len Stand­pha­se (IC) von 17° ohne SMFO auf 9° mit SMFO und Opti­mie­rung redu­ziert. In der mitt­le­ren Stand­pha­se (MSt) beträgt der Knief­le­xi­ons­win­kel beim Gehen mit den opti­mier­ten SMFO 7° (Tab. 4).

Betrach­tet man die Ver­än­de­run­gen im Hin­blick auf die Knie­ge­lenk­dreh­mo­ment­be­las­tung genau­er, so zeigt sich, dass sowohl die Exten­si­on als auch die Fle­xi­ons­be­las­tung redu­ziert wer­den. In der mitt­le­ren Stand­pha­se wird die Fle­xi­ons­be­las­tung von 0,86 Nm/kg um 34 % auf 0,57 Nm/kg redu­ziert. In der Vor­schwung­pha­se beträgt die Reduk­ti­on 88 % (Tab. 5).

Nach dem Über­prü­fen und des Errei­chens der Ver­sor­gungs­zie­le – Opti­mie­rung der Bewe­gungs­mus­ter (v. a. lin­kes Knie­ge­lenk) und Belas­tungs­re­duk­ti­on (v. a. am lin­ken Knie­ge­lenk) – wur­den die SMFO fina­li­siert, d. h. mit einer gemus­ter­ten Micro­fa­ser bezo­gen (Abb. 9). Laut Anga­ben der Pati­en­tin konn­te u. a. so auch das Ver­sor­gungs­ziel „schö­ne, nicht ortho­pä­disch aus­se­hen­de SMFO“ erreicht werden.

Um die Ein­flüs­se der SMFO auf die Beschwer­den zu ermit­teln, wur­de ein Nach­kon­troll­ter­min vier Wochen nach Abga­be der Ein­la­gen ver­ein­bart. Bei die­sem Ter­min wur­den u. a. noch­mals die Pass­form und die aktu­el­len Beschwer­den ermit­telt und doku­men­tiert. Die Aus­wer­tung der VAS in Bezug auf die Knie­schmer­zen ergab eine Reduk­ti­on der Beschwer­den von 5,6 vor der Ver­sor­gung mit SMFO auf 2,7 nach vier Wochen Tra­ge­zeit der SMFO (Tab. 6). Somit wur­de auch das Ver­sor­gungs­ziel der Beschwer­de­re­duk­ti­on erreicht. Auch dies zeigt, dass Nach­kon­trol­len in der Ver­sor­gung mit SMFO und deren even­tu­el­le Anpas­sung not­wen­dig sind.

Zusam­men­fas­sung und Fazit

Nur durch die prak­ti­sche Anwen­dung des Ver­sor­gungs­stands Ein­la­gen, dem Auf­stel­len, Ver­fol­gen und Über­prü­fen von indi­vi­du­el­len Ver­sor­gungs­zie­len und dem Ein­satz geeig­ne­ter Mess­ver­fah­ren konn­te bei der vor­ge­stell­ten Ver­sor­gung der Pati­en­tin mit SMFO auf ihre indi­vi­du­el­len Beschwer­den und Bedürf­nis­se ein­ge­gan­gen wer­den. Zudem konn­te auch nur so objek­tiv nach­ge­wie­sen wer­den, dass in die­sem indi­vi­du­el­len Fall die Ver­sor­gung mit SMFO wirkt. Das schafft Sicher­heit für die Pati­en­ten, eine hohe Pati­en­ten­zu­frie­den­heit, objek­ti­ve und nach­voll­zieh­ba­re Argu­men­te für die Ver­sor­gung mit SMFO sowie Sicher­heit für die ver­sor­gen­den Leistungserbringer.

Nicht jedem Leis­tungs­er­brin­ger steht ein hoch­mo­der­nes Bewe­gungs­ana­ly­se­la­bor zur Ver­fü­gung. Den­noch kön­nen und soll­ten Leis­tungs­er­brin­ger geeig­ne­te Maß­nah­men nut­zen, um die Ver­sor­gung auf Basis über­prüf­ba­rer Kri­te­ri­en zu pla­nen und zu eva­lu­ie­ren. Dazu gehört, sich aktiv über ver­füg­ba­re Metho­den und Mess­ver­fah­ren zu infor­mie­ren und, sofern not­wen­dig, geziel­te Koope­ra­tio­nen mit spe­zia­li­sier­ten Ein­rich­tun­gen einzugehen.

Doch auch ohne Zugang zu kom­ple­xer Ana­ly­se­tech­nik kann eine ziel­ori­en­tier­te Ver­sor­gung pro­fes­sio­nell umge­setzt wer­den. Vali­dier­te Ver­fah­ren wie z. B. visu­el­le Ana­logska­len (VAS), struk­tu­rier­te kli­ni­sche Unter­su­chun­gen, stan­dar­di­sier­te Doku­men­ta­ti­ons­bö­gen sowie zuver­läs­si­ge 2D-Video­ana­ly­se-Sys­te­me bie­ten pra­xis­taug­li­che Mit­tel, um indi­vi­du­el­le Ver­sor­gungs­zie­le nach­voll­zieh­bar zu defi­nie­ren, deren Umset­zung zu beglei­ten und den Erfolg sys­te­ma­tisch zu überprüfen.

Für Leis­tungs­er­brin­ger bedeu­tet das die Bereit­schaft zu struk­tu­rier­tem, reflek­tier­tem und pati­en­ten­ori­en­tier­tem Han­deln. Fach­li­che Kom­pe­tenz, ein kla­rer metho­di­scher Rah­men und die Fähig­keit, Maß­nah­men und Ergeb­nis­se trans­pa­rent zu doku­men­tie­ren, sind zen­tra­le Vor­aus­set­zun­gen für eine nach­hal­ti­ge und nach­voll­zieh­ba­re Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung – ins­be­son­de­re bei SMFO.

 

Begut­ach­te­ter Beitrag/reviewed paper

 

Für die Autoren:
Tho­mas Stief
(ts)² ana­ly­tiX moti­on lab
(ts)² GmbH
Mar­ti­ni­stra­ße 79
49080 Osnabrück
t.stief@tshoch2.de

 

Zita­ti­on
Stief T, Spre­kel­mey­er T. Ver­sor­gungs­stan­dard bei sen­so­mo­to­ri­schen Fuß­or­the­sen ange­wandt in der täg­li­chen Pra­xis – ein Anwen­dungs­bei­spiel. Ortho­pä­die Tech­nik, 2025; 76 (10): 42–47

 

 

Quel­len­ver­zeich­nis

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