27. Jah­res­ta­gung der AG Dia­be­ti­scher Fuß in der DDG

Rund 250 Teilnehmer aus verschiedenen Disziplinen – von Ärzten über Diabetesberater, Podologen, Orthopädie-Techniker und Orthopädie-Schuhmacher bis zu Wundmanagern – trafen sich am 8. und 9. März zur 27. Jahrestagung der AG Diabetischer Fuß in der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Die größte Arbeitsgemeinschaft innerhalb der DDG tagte im Medizinischen Lehrzentrum in der Alten Chirurgie des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität in Gießen.

Aus­ge­rich­tet wur­de die Jah­res­ta­gung mit Ses­si­ons, Work­shops und Arbeits­aus­schuss­sit­zun­gen von Dr. med. Micha­el Eck­hard, Ärzt­li­cher Lei­ter des Uni­ver­si­tä­ren Dia­be­tes­zen­trums Mit­tel­hes­sen am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum in Gie­ßen. In vier der sechs Ses­si­ons tausch­ten sich die Teil­neh­mer zu den The­men „Bei­trag der Rönt­gen­dia­gnos­tik zu Dia­gnos­tik und The­ra­pie des Dia­be­ti­schen Fuß­syn­droms“, „Ver­sor­gungs­land­schaft DFS in Deutsch­land und Euro­pa“, „Plan­t­ares Ulkus – akti­ve Char­cot-Arthro­pa­thie: Optio­nen zu effek­ti­vem Off­loading anhand von Fall­bei­spie­len“ und „Risi­ko Immo­bi­li­sa­ti­on – Zeit für einen Para­dig­men­wech­sel“ aus. In zwei wei­te­ren Ses­si­ons wur­den die Ergeb­nis­se der ver­schie­de­nen Work­shops und Arbeits­aus­schuss­sit­zun­gen, die eben­falls zum Tagungs­pro­gramm gehör­ten, zusammengetragen.

Wund­zen­tren ver­sus zer­ti­fi zier­te Fußbehandlungseinrichtungen

Seit 2003 ver­gibt die 1993 gegrün­de­te AG Dia­be­ti­scher Fuß in der DDG Zer­ti­fi­zie­run­gen für ambu­lan­te und sta­tio­nä­re Fuß­be­hand­lungs­ein­rich­tun­gen, um in Deutsch­land ver­netz­te Ver­sor­gungs­struk­tu­ren für Men­schen mit Dia­be­ti­schem Fuß­syn­drom auf­zu­bau­en. Der­zeit gibt es bun­des­weit knapp 300 von der AG zer­ti­fi zier­te Fuß­be­hand­lungs­ein­rich­tun­gen. Ver­tre­ter der AG spra­chen sich anläss­lich der Ses­si­on „Ver­sor­gungs­land­schaft DFS in Deutsch­land und Euro­pa“ dage­gen aus, dass Poli­tik und Kos­ten­trä­ger die Behand­lung des Dia­be­ti­schen Fuß­syn­droms zukünf­tig in die Hän­de von Wund­zen­tren legen wol­len. „Das Dia­be­ti­sche Fuß­syn­drom ist weit mehr als nur eine Wun­de am Fuß“, erklär­ten die Mit­glie­der und Ver­ant­wort­li­chen der gemein­nüt­zi­gen AG zur 27. Jah­res­ta­gung. „Man will und wer­de auf kei­nen Fall zuse­hen, wie bis­her erreich­te und inter­na­tio­nal aner­kann­te Behand­lungs­stan­dards im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes mit Füßen getre­ten wer­den“, sag­te Tagungs­lei­ter Eck­hard. Das gel­te glei­cher­ma­ßen für den ambu­lan­ten wie den sta­tio­nä­ren Sektor.

Mobi­li­sa­ti­on statt Ruhigstellung

Wie bringt man Men­schen mit dem Krank­heits­bild des Dia­be­ti­schen Fuß­syn­droms wie­der auf die Bei­ne? Die­ser Fra­ge gin­gen die Teil­neh­mer am zwei­ten Tag zum The­ma „Risi­ko Immo­bi­li­sa­ti­on“ nach. „Wir brau­chen einen Para­dig­men­wech­sel in der Ver­sor­gung von Men­schen mit Dia­be­ti­schem Fuß­syn­drom: weg von der Ruhig­stel­lung in Bett und Roll­stuhl, hin zu einer Ermög­li­chung von Bewe­gung. Dafür benö­ti­gen wir künf­tig intel­li­gen­te Ideen und tech­ni­sche Wei­ter­ent­wick­lun­gen“, for­der­te Dr. Micha­el Eck­hard in sei­nen ein­lei­ten­den Wor­ten. In der Ses­si­on stell­ten Exper­ten ver­schie­de­ner Dis­zi­pli­nen anhand von Fall­bei­spie­len vor, wie Pati­en­ten schon jetzt durch Hilfs­mit­tel oder ope­ra­ti­ve Ein­grif­fe mobi­li­siert wer­den können.

Hil­fe­stel­lung für Dia­gnos­tik und Therapie

In ihren Vor­trä­gen zeig­ten Dr. med. Fritz Rol­ler, lei­ten­der Ober­arzt am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Gie­ßen, und Dr. med. Andre­as Breit­he­cker, Chef­arzt der Abtei­lung für Radio­lo­gie des Gesund­heits­zen­trums Wet­terau in Bad Nau­heim, anhand zwei­er Bei­spie­le, wie wich­tig radio­lo­gi­sche Metho­den für die Dia­gnos­tik und The­ra­pie des DFS sein kön­nen. Dr. Fritz Rol­ler erläu­ter­te die Vor­tei­le der Dual-Ener­gy- Com­pu­ter­to­mo­gra­phie, die Harn­säu­re­kris­tal­le dar­stel­len kann und damit eine Hil­fe­stel­lung bei der Dia­gno­se von Gicht­er­kran­kun­gen in Abgren­zung zum Dia­be­ti­schen Fuß­syn­drom bie­tet. Dr. Andre­as Breit­he­cker pro­phe­zei­te in sei­nem Rede­bei­trag zur inter­ven­tio­nel­len Radio­lo­gie dem Ein­satz moder­ner Bal­lons und Stents bei schwie­ri­gen Gefäß­ver­hält­nis­sen am Unter­schen­kel eine posi­ti­ve Ent­wick­lung, trotz teils unkla­rer Daten­la­ge: „Auf­grund der guten Ent­wick­lun­gen und Ergeb­nis­se wird sich der Ein­satz medi­ka­men­ten­be­schich­te­ter Mate­ria­li­en in schwie­ri­gen Gefäß­ver­hält­nis­sen auch am Unter­schen­kel durch­set­zen.“ Dr. Micha­el Eck­hard zeig­te sich abschlie­ßend auf­grund der Viel­zahl posi­ti­ver Rück­mel­dun­gen zu Ver­an­stal­tungs­ort, Orga­ni­sa­ti­on und wis­sen­schaft­li­chem Pro­gramm sehr zufrie­den mit dem Ver­lauf der Jahrestagung.

Tei­len Sie die­sen Inhalt
Anzeige