Sys­tem­re­le­vanz erken­nen

Im Rahmen der BVMed-Jahrespressekonferenz erklärte der BVMed-Vorstandsvorsitzende Dr. Meinrad Lugan zur Lage der Medizintechnikbranche in der aktuellen Situation: „Wir haben gezeigt, dass wir nicht nur eine interessante, sondern auch wichtige Branche sind.“

Dass dies in der Außen­wahr­neh­mung trotz der gro­ßen Rol­le, die Medi­zin­pro­duk­te in der Coro­na­kri­se spie­len, noch nicht ange­kom­men ist, bemän­gelt BVMed-Vor­stands­vor­sit­zen­der Lug­an: „In Poli­tik und Öffent­lich­keit erhal­ten wir nicht die dem­entspre­chen­de Wert­schät­zung.“

Anzei­ge

Ein kom­plett ein­heit­li­cher Trend in der Bran­che ließ sich nicht ermit­teln, da die Medi­zin­tech­nik­bran­che so divers auf­ge­stellt ist. Aber gera­de zu der Hoch­pha­se des Run­ter­fah­rens des öffent­li­chen Lebens haben die Betrie­be mit Auf­trags- und Umsatz­rück­gän­gen zu kämp­fen gehabt. Dies sorg­te nicht nur für einen wirt­schaft­li­chen Scha­den, son­dern führ­te auch zu gesund­heit­li­chen Ver­schlech­te­run­gen von Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten. Als Bei­spiel nann­te Lug­an die Behand­lung des dia­be­ti­schen Fußes. Vie­le Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten wür­den auf Grund der Coro­na­kri­se zögern zum Arzt zu gehen und dadurch ihre Situa­ti­on signi­fi­kant ver­schlech­tern.

„Wenn Coro­na einen posi­ti­ven Effekt hat­te, dann, dass nun klar ist, dass die Medi­zin­tech­nik­pro­duk­te unver­zicht­bar sind“, so Lug­an. Er for­mu­lier­te dar­aus eini­ge For­de­run­gen, bei­spiels­wei­se, dass es Ver­bes­se­run­gen bei den regu­la­to­ri­schen Rah­men­be­din­gun­gen geben muss. Vor-Ort-Audits soll­ten durch vir­tu­el­le Fern­au­dits ergänzt wer­den, um ver­meid­ba­re Kon­tak­te aus­zu­schlie­ßen. Außer­dem soll­te die Kri­se dazu genutzt wer­den den Büro­kra­tie­ab­bau vor­an­zu­trei­ben. Digi­ta­li­sie­rung und bes­se­re Daten­nut­zung könn­ten dabei hel­fen. Vor allem die bereits erfolg­ten Erleich­te­run­gen, die sich als wirk­sam erwie­sen haben, soll­ten auch in Zukunft fort­ge­führt wer­den. Dazu gehö­ren auch tele­me­di­zi­ni­sche Lösun­gen sowie fle­xi­ble­re Lösun­gen bei der Ver­ord­nung von Hilfs- und Ver­bands­mit­teln.

Digi­ta­le Bestands­platt­form ver­sor­gungs­kri­ti­scher Medi­zin­pro­duk­te

Eine zen­tra­le For­de­rung des BVMed ist es, eine „natio­na­le Reser­ve“ an Medi­zin­pro­duk­ten anzu­le­gen. Damit ist aus­drück­lich nicht gemeint, dass eine bestimm­te Anzahl an Pro­duk­ten an einem zen­tra­len Ort ein­ge­la­gert wird, son­dern dank einer dyna­mi­schen und digi­ta­len Bestands­platt­form ermit­telt wer­den kann, wenn die Pro­duk­ti­on bzw. der Bestand der ver­sor­gungs­kri­ti­schen Pro­duk­te einen Min­dest­wert unter­schrei­tet. Dazu sei nötig, zunächst ein­mal zu defi­nie­ren, was ver­sor­gungs­kri­tisch sei und in die­sem Zuge die außer­eu­ro­päi­sche Abhän­gig­keit von Medi­zin­tech­nik­pro­du­zen­ten zu ver­mei­den.

Herbst­um­fra­ge: Umsät­ze gehen zurück

118 BVMed-Mit­glieds­un­ter­neh­men haben sich an der dies­jäh­ri­gen Herbst­um­fra­ge betei­ligt: Die Umsatz­er­war­tun­gen für 2020 wer­den dabei mit einem durch­schnitt­li­chen Rück­gang von 4,9 Pro­zent bezif­fert. Im Vor­jahr war es zum sel­ben Zeit­punkt noch ein Plus von 3,3 Pro­zent. Der Absturz betrifft vor allem klei­ne­re und mitt­le­re Unter­neh­men.

70 Pro­zent der befrag­ten Unter­neh­men lei­den vor allem unter den lock­down­be­ding­ten Aus­fäl­len von Ope­ra­tio­nen und deren Nach­sor­ge. 57 Pro­zent nen­nen die Ein­schrän­kun­gen der Kun­den­kon­tak­te für den Außen­dienst als nega­ti­ven Fak­tor. Knapp die Hälf­te hat unter aus­blei­ben­den Arzt­be­su­chen und dem damit ver­bun­de­nen Rück­gang von Ver­ord­nun­gen zu lei­den.

Per­so­nell trot­zen die Unter­neh­men größ­ten­teils der Kri­se. Acht von zehn Unter­neh­men hal­ten oder stei­gern ihre Mit­ar­bei­ter­zahl. Dabei nut­zen 38 Pro­zent die Mög­lich­keit der Kurz­ar­beit, um kei­ne Stel­len abbau­en zu müs­sen.

Hei­ko Cor­des

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