Hand­werk ist die Wirtschaftsmacht

Das Handwerkspolitische Forum Ost brachte am zweiten Tag der OTWorld hochkarätige Gäste aus Politik, Handwerk und Wirtschaft miteinander ins Gespräch. Thema in diesem Jahr: volle Auftragsbücher bei geleichzeitigem Fachkräftemangel, Energiewende und reißenden Lieferketten. Und es wurde deutlich, dass auch der russische Angriffs-Krieg in der Ukraine nicht ohne Folgen für das deutsche Handwerk ist.

In den ost­deut­schen Län­dern sei das Hand­werk die Wirt­schafts­macht Num­mer eins, dar­auf wies der Prä­si­dent des Thü­rin­ger Hand­werks­ta­ges, Ste­fan Loben­stein, hin: „Wir sind klas­si­sche Hand­werks­län­der. Dar­auf sind wir stolz.“ Um Betriebs­schlie­ßun­gen zu ver­mei­den, sei die Unter­stüt­zung des Staa­tes gefragt. Vor allem die Ener­gie­prei­se wür­den die Betrie­be an die Gren­ze der Wirt­schaft­lich­keit drän­gen. „Die Poli­tik, ins­be­son­de­re die neue Bun­des­re­gie­rung, darf die Hand­werks­be­trie­be nicht bestra­fen, son­dern muss ihnen bei­spiels­wei­se bei der Umstel­lung auf ener­gie­spa­ren­de Inves­ti­tio­nen unter die Arme grei­fen“, so Loben­stein. „Gleich­zei­tig muss glo­bal gedacht wer­den, um lang­fris­tig sta­bi­le Prei­se zu sichern. Hier muss die Euro­päi­sche Uni­on als star­ker Spie­ler auf­tre­ten, um auf inter­na­tio­na­le Ver­ein­ba­run­gen ein­wir­ken zu können.“

Bodo Rame­low, Minis­ter­prä­si­dent des Frei­staa­tes Thü­rin­gen, bezeich­ne­te die Bedeu­tung des Hand­werks mit 150.000 Beschäf­tig­ten in Thü­rin­gen als „unschlag­ba­re Macht“, ohne die sich im Frei­staat nichts dre­hen wür­de. Bis zum Jahr 2035 gehen 300.000 Men­schen in Thü­rin­gen in Ren­te, aber nur 150.000 jun­ge Men­schen kom­men bis dahin in Beschäf­ti­gung. „Wir wer­den uns alle noch klop­pen um den Roh­stoff Mensch“, mein­te der Ministerpräsident.

Das Hand­werk braucht Frie­den in Europa

Die zen­tra­le Rol­le des Hand­werks unter­strich auch Alf Reu­ter. Der Prä­si­dent des Bun­des­in­nungs­ver­ban­des für Ortho­pä­die-Tech­nik (BIV-OT) sprach sich ange­sichts der zu erwar­ten­den Kriegs­ver­sehr­ten in Euro­pa für den Frie­den aus. „Lei­der ist der Krieg 2022 nach Euro­pa zurück­ge­kehrt. Wir Ortho­pä­die­tech­ni­ker ver­sor­gen Kriegs­ver­sehr­te. Das kön­nen wir, das machen wir bereits und das wer­den wir auch wei­ter tun: Aber möge uns eine Eska­la­ti­on des Krie­ges erspart blei­ben. Frie­den ist die wich­tigs­te Rah­men­be­din­gung für Gesell­schaft und Hand­werk.“ Die Ortho­pä­die-Tech­nik ver­ste­he sich als ein Hand­werk, das sich der Ver­bes­se­rung der Lebens­be­din­gun­gen von Men­schen mit Han­di­cap oder Mobi­li­täts­ein­schrän­kun­gen ver­schrie­ben habe. Es sei besorg­nis­er­re­gend, dass im Jah­re 2022 die Ver­sor­gung von Kriegs­ver­sehr­ten in Euro­pa als ein Schwer­punkt der OTWorld zurück­ge­kehrt sei.

War­nung vor Leis­tungs­kür­zun­gen und falsch ver­stan­de­ner Digitalisierung

Wei­te­re wich­ti­ge Rah­men­be­din­gun­gen, die das Ortho­pä­die­tech­nik-Hand­werk beein­flus­sen, sei­en Bestän­dig­keit – in Lie­fer­ket­ten, auf Ener­gie­märk­ten und bei Roh­stoff­prei­sen – sowie die Aner­ken­nung der Leis­tun­gen des OT-Hand­werks für die Gesell­schaft. Das bedeu­tet, kei­ne Leis­tungs­kür­zun­gen in der Ver­sor­gung, gerech­te Ver­sor­gungs­ver­trä­ge und Kos­ten­trä­ger, die Inno­va­tio­nen an nach­hal­ti­gen Ver­bes­se­run­gen für die Lebens­qua­li­tät der Pati­en­ten mes­sen und nicht allein am Preis. Ent­schei­dend sei aber auch eine Poli­tik, die aus Erfah­rung ler­ne und den Wett­be­werb nicht mehr an bil­lig, son­dern an einem gesell­schaft­li­chen Auf­trag zur Ver­bes­se­rung der Ver­sor­gung aus­rich­te. Eine Poli­tik, die der Zeit mit den Pati­en­ten end­lich wie­der mehr Bedeu­tung ein­räu­me als der Büro­kra­tie. „Und eine Hand­werks­or­ga­ni­sa­ti­on, die einen Beruf, den wir lie­ben, den wir brau­chen, nicht leicht­fer­tig mit Ver­wei­sen auf Medi­zin- und Sozi­al­recht ver­spielt, son­dern die den Meis­ter­brief als obers­tes Qua­li­täts­sie­gel einer fach­ge­rech­ten Ver­sor­gung schützt“, so der BIV-OT-Prä­si­dent in Leip­zig. „Eine Hand­werks­or­ga­ni­sa­ti­on, die Digi­ta­li­sie­rung, die auf lai­en­haf­te Art die Pati­en­ten­si­cher­heit gefähr­det, ver­ant­wort­lich stoppt. Die sich für uns, für unse­re Pati­en­ten ein­setzt – damit Ortho­pä­die-Tech­nik auch in Zukunft Qua­li­täts­stan­dards in der Ver­sor­gung set­zen kann: in Deutsch­land, Euro­pa und der Welt.“

Wei­te­re Gruß­wor­te zum Hand­werks­po­li­ti­schen Forum Ost spra­chen der Ober­bür­ger­meis­ter der Stadt Leip­zig, Burk­hard Jung, sowie der Geschäfts­füh­rer der Leip­zi­ger Mes­se, Mar­tin Buhl-Wag­ner. Impul­se für die abschlie­ßen­de Podi­ums­dis­kus­si­on gab Dr. Cars­ten Rol­le, Abtei­lungs­lei­ter Ener­gie- und Kli­ma­po­li­tik BDI Bun­des­ver­band der Deut­schen Indus­trie e. V., mit sei­ner Key­note „Kli­ma­pfa­de für Deutsch­land“. Zum Abschluss des Hand­werks­po­li­ti­schen Forums griff die Dis­kus­si­ons­run­de um Mode­ra­tor Robert Bur­dy das The­ma des Forums „Fach­kräf­te­man­gel, Ener­gie­wen­de, Beschaf­fungs­markt: Wel­che Rah­men­be­din­gun­gen braucht das Hand­werk für wei­te­res Wachs­tum“ auf.

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