Gra­tu­la­ti­on! Lutz Brück­ner zum 75.

Am 19. Juli feiert mit Dr. med. habil. Lutz Brückner eine der weltweit prägenden Persönlichkeiten der Technischen Orthopädie seinen 75. Geburtstag. Zu diesem Jubiläum ehren ihn seine langjährigen Weggefährten Prof. Dr. med. Bernhard Greitemann und OTM Michael Schäfer mit einer persönlichen Laudatio.

Einer der wesent­li­chen Fix­ster­ne der Tech­ni­schen Ortho­pä­die in Deutsch­land wird 75 Jah­re alt.

Anzei­ge

Lutz Brück­ner galt als der Spe­zia­list für Ampu­ta­ti­ons­chir­ur­gie und Pro­the­sen­ver­sor­gung in der ehe­ma­li­gen DDR. Welch hohe Aner­ken­nung er dabei auch von fach­li­cher Sei­te genoss, zeig­te die Tat­sa­che, dass er die Erlaub­nis hat­te, als Rei­se­ka­der und offi­zi­el­ler Ver­tre­ter viel­fäl­ti­ge inter­na­tio­na­le Rei­sen, Kon­gress­be­su­che und Vor­trä­ge abhal­ten zu dür­fen. Lutz Brück­ner war dabei natio­nal und inter­na­tio­nal aner­kannt und pfleg­te welt­weit zahl­rei­che enge Freund­schaf­ten zu wesent­li­chen Prot­ago­nis­ten der Ampu­ta­ti­ons­chir­ur­gie. Beson­ders eng war die Ver­bin­dung zum Lehr­stuhl für Tech­ni­sche Ortho­pä­die und Reha­bi­li­ta­ti­on in Müns­ter, ad per­so­nem zu Prof. Dr. René Baum­gart­ner, mit dem ihn ein jahr­zehn­te­lan­ger inten­si­ver wis­sen­schaft­li­cher Aus­tausch ver­band.

Bekannt gewor­den ist Lutz Brück­ner ins­be­son­de­re durch sei­ne Habi­li­ta­ti­ons­schrift, die er in Leip­zig im Jah­re 1984 ein­reich­te: „Die Bestim­mung der Ampu­ta­ti­ons­hö­he und die Tech­nik der Unter­schen­kel-ampu­ta­ti­on bei der chro­nisch arte­ri­el­len Ver­schluss­erkran­kung im Sta­di­um IV nach Fon­tai­ne“.

Aus die­ser Habi­li­ta­ti­ons­schrift ent­wi­ckel­te sich letzt­lich das von Lutz immer wie­der ange­spro­che­ne „stan­dar­di­sier­te Vor­ge­hen“ bei der Unter­schen­kel­am­pu­ta­ti­on. Aus der kli­ni­schen Erkennt­nis her­aus, dass die Beur­tei­lung der Mus­ku­la­tur bei Ampu­ta­tio­nen aus­ge­spro­chen schwie­rig ist und vie­len sub­jek­ti­ven Fak­to­ren in der Ein­schät­zung unter­liegt, ver­such­te er eine Tech­nik zu ent­wi­ckeln, die ein Maxi­mum an Sicher­heit für die Wund­hei­lung, gera­de bei trans­ti­bia­len Stümp­fen, beding­te. Auf­grund his­to- und bio­che­mi­scher Unter­su­chun­gen im Rah­men sei­ner Habi­li­ta­ti­ons­schrift hat­te er unter­schied­li­che Durch­blu­tungs­si­tua­tio­nen und damit Anfäl­lig­kei­ten für Wund­hei­lungs­stö­run­gen bei bestimm­ten Mus­kel- und Weich­teil­grup­pen fest­ge­stellt. Die­se berück­sich­ti­gend, ent­wi­ckel­te er die von ihm pro­pa­gier­te „stan­dar­di­sier­te Ope­ra­ti­ons­tech­nik nach Brück­ner“, eine Ope­ra­ti­ons­tech­nik mit einem kür­ze­ren knö­cher­nen Stumpf unter Ent­fer­nung der durch­blu­tungs­an­fäl­li­gen Mus­kel­area­le und unter Resek­ti­on der Fibu­la, bei der eine pri­mä­re Wund­hei­lung bei 91 % (Unter­su­chung an 79 Unter­schen­kel­am­pu­ta­tio­nen) gelang.

Lutz Brück­ner war auch nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung ein trei­ben­der Motor in der Tech­ni­schen Ortho­pä­die in Deutsch­land. Zusam­men mit René Baum­gart­ner, Bern­hard Grei­te­mann und Micha­el Schä­fer ist er Mit­her­aus­ge­ber des Stan­dard-Lehr­bu­ches „Ampu­ta­ti­on und Pro­the­sen­ver­sor­gung“. Legen­där sind sei­ne enga­gier­ten und bewusst pro­vo­ka­tiv gewähl­ten Dis­kus­si­ons­bei­trä­ge auf Kon­gres­sen und Sym­po­si­en, wobei immer die Absicht dahin­ter­steck­te, durch mar­kan­te Aus­sprü­che wie z. B. „Der Pin muss weg“ für ange­reg­te Dis­kus­sio­nen zu sor­gen — stets mit der Ziel­rich­tung, Lösun­gen und Ver­bes­se­run­gen für die Betrof­fe­nen anzu­bah­nen. Weni­ger plau­si­blen Vor­trä­gen und Dar­bie­tun­gen ver­pass­te er zu Hoch­zei­ten Prä­di­ka­te wie: „Das ist doch Schaf­scheiß“.

Der Weg Lutz Brück­ners war nicht immer gerad­li­nig. Nach der ope­ra­tiv gepräg­ten Zeit am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Leip­zig hat er sich über Jahr­zehn­te hin­weg mit vol­ler Hin­ga­be für die Ent­wick­lung der zwi­schen­zeit­lich weit über die thü­rin­gi­schen Gren­zen hin­aus renom­mier­ten Moritz­kli­nik in Bad Klos­ter­laus­nitz ein­ge­setzt und die­se sys­te­ma­tisch im bes­ten Sin­ne einer Reha­bi­li­ta­ti­ons­kli­nik wei­ter­ent­wi­ckelt. Wer erin­nert sich nicht an die legen­dä­ren Bad Klos­ter­laus­nit­zer Sym­po­si­en, die nicht sel­ten Fach­be­su­cher­zah­len von über 500 Teil­neh­mern aus Medi­zin, Tech­nik und The­ra­pie sowie einer statt­li­chen Indus­trie­aus­stel­lung ver­zeich­nen konn­ten. Alles war per­fekt im Griff des Brückner‘schen Orga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tees.

Lutz Brück­ner ver­stand es auch in beson­de­rem Maße, sei­ne Mit­ar­bei­ter zu moti­vie­ren und zu för­dern, so bahn­te er z. B. mit wei­ser Vor­aus­schau den Auf­bau einer Reha­bi­li­ta­ti­ons-Schwer­punkt­ab­tei­lung für Schwer­brand­ver­letz­te, die unter der Lei­tung des heu­ti­gen Chef­arz­tes Hans Zie­gen­tha­ler schon bald zum guten über­re­gio­na­len Ruf der Moritz­kli­nik bei­trug.

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat er sich hin­ge­gen lei­den­schaft­lich für einen „Para­dig­men-Wech­sel“ in der post­am­pu­ta­ti­ven Nach­be­hand­lung Ampu­tier­ter ein­ge­setzt. Durch die täg­li­che Arbeit in der Reha­bi­li­ta­ti­on betrof­fe­ner Pati­en­ten sah er die Pro­ble­me und Gren­zen der Ampu­ta­ti­ons­chir­ur­gie und Pro­the­sen­tech­nik in Deutsch­land. So war es dann auch nicht ver­wun­der­lich, dass er sich nach sei­nem offi­zi­el­len Ruhe­stand in den „chir­ur­gi­schen Unru­he­stand“ ver­setz­te, um sich wie­der­um ver­tie­fend der chir­ur­gi­schen Vor­ge­hens­wei­se zu wid­men, auch unter einem Para­dig­men­wech­sel der Vor­geh­ens­emp­feh­lun­gen zu reha­bi­li­ta­ti­ven Ver­fah­ren.

Sein Enga­ge­ment und sei­ne Lei­den­schaft für die Tech­ni­sche Ortho­pä­die ist unge­bro­chen.

Mit kei­nen ande­ren haben die „Batt­le-Ses­si­ons“ auf Kon­gres­sen mehr Spaß berei­tet als mit René Baum­gart­ner und Lutz Brück­ner. Hier wur­de stets Klar­text gepflegt — jedoch nie­mals unter der Gür­tel­li­nie und immer kon­struk­tiv und ergeb­nis­ori­en­tiert.

Selbst im Ruhe­stand enga­gier­te sich Lutz Brück­ner in den letz­ten Jah­ren vor­bild­lich als medi­zi­ni­scher Chair der DGIHV-Exper­ten-Grup­pe für die Erstel­lung der Qua­li­täts­stan­dards in der pro­the­ti­schen Ver­sor­gung der unte­ren Extre­mi­tä­ten. Eine sehr wert­vol­le Arbeit, die durch das zwi­schen­zeit­lich ver­öf­fent­lich­te Qua­li­täts­stan­dard­werk für die pro­the­ti­sche Ver­sor­gung der unte­ren Extre­mi­tä­ten der brei­ten Fach­welt zugän­gig ist.

So war es letzt­end­lich auch nur noch eine Fra­ge der Zeit, bis Lutz Brück­ner im Jah­re 2018 mit der Hei­ne-Hes­sing-Medail­le in Gold, der höchs­ten Aus­zeich­nung des Bun­des­in­nungs­ver­ban­des für Ortho­pä­die­tech­nik, geehrt wur­de; ver­lie­hen auf dem von ihm so gelieb­ten Welt­kon­gress OT World in sei­ner Hei­mat­stadt Leip­zig.

Neben sei­nem hohen beruf­li­chen Enga­ge­ment ist Lutz aber auch noch auf ganz ande­re Art und Wei­se sei­ner Hei­mat­stadt Leip­zig ver­bun­den. Als lang­jäh­ri­ger akti­ver Fuß­bal­ler und „Goal­get­ter“ schlägt heu­te sein Fuß­ball­herz in beson­de­rem Maße für die Bun­des­li­ga­re­cken aus Leip­zig. Nicht sel­ten wird man ihm des­halb zu den Spie­len in der hei­mat­li­chen Are­na begeg­nen und das laut­star­ke Anfeu­ern „sei­ner Jungs“ ver­neh­men (auch wenn es jetzt „rote Bul­len“ sind)!

Im pri­va­ten Bereich ist Lutz Brück­ner mit „sei­ner Rena­te“ jetzt glück­li­cher Ren­tier, er küm­mert sich lie­be­voll um Toch­ter und Enkel­kin­der, sei­ne fach­li­che Mei­nung wird wei­ter­hin im Rah­men kon­si­lia­ri­scher Akti­vi­tä­ten und auf den Kon­gres­sen geschätzt.

Aber auch die Muße kam nicht zu kurz. Sei­nen nach wie vor sport­li­chen Ambi­tio­nen konn­te er in den letz­ten Jah­ren noch auf ganz ande­re Gefil­de aus­wei­ten: Lutz hat sich schon immer auf die Jagd von den ganz dicken Fische ver­stan­den; was er z. B. ein­drucks­voll in Nor­we­gen unter Beweis stell­te.

Lie­ber Lutz, wir wün­schen Dir von Her­zen alles Lie­be und Gute zu Dei­nem Jubel­tag! Das vier­te Vier­tel von 100 Jah­ren Lutz Brück­ner ist ange­bro­chen.

Bleib’ wie Du bist und „Petri Heil“, alter Freund!

Dei­ne, Dich in hohem Maße wert­schät­zen­den Weg­be­glei­ter und Freun­de

Bernd Grei­te­mann und Micha­el Schä­fer

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