Verbände & Politik

„Es braucht einen star­ken Verband“

Nach seiner Wiederwahl fordert BIV-OT-Präsident Alf Reuter schnelle Gesundheitsreformen und warnt vor den Folgen pauschaler Vergütungskürzungen.

Auf der Früh­jahrs­de­le­gier­ten­ver­samm­lung des Bun­des­in­nungs­ver­ban­des für Ortho­pä­die-Tech­nik (BIV-OT) am 09. Juni 2026 wur­de Prä­si­dent Alf Reu­ter für eine wei­te­re Legis­la­tur­pe­ri­ode im Amt bestä­tigt (s. a. Alf Reu­ter wie­der­ge­wählt). Am Ran­de der Ver­an­stal­tung hat­te die OT-Redak­ti­on Gele­gen­heit, mit Alf Reu­ter zu sprechen:

Herr Reu­ter, Glück­wunsch zur erneu­ten Wie­der­wahl. In den kom­men­den drei Jah­ren wer­den Sie wei­ter­hin den Spit­zen­ver­band Ihres Berufs­stan­des anfüh­ren. Wel­che Haupt­auf­ga­ben kön­nen Sie für die Amts­zeit benennen?

Alf Reu­ter: Die größ­te Her­aus­for­de­rung ist ein finan­zier­ba­res Gesund­heits­we­sen. Das braucht Refor­men und zwar schnell. Sie müs­sen an den ech­ten Pro­ble­men anset­zen. Unser Fach wird so gebraucht wie nie. Für Mobi­li­tät. Für Teil­ha­be. Für Ambu­lan­ti­sie­rung. Für eine wohn­ort­na­he Versorgung.

Das müs­sen wir Poli­tik, Kran­ken­kas­sen und der Öffent­lich­keit noch kla­rer erklä­ren. Sonst ent­ste­hen Ent­schei­dun­gen ohne aus­rei­chen­de Kennt­nis der Ver­sor­gung. Der im GKV-Bei­trags­satz­sta­bi­li­sie­rungs­ge­setz (BSt­abG) vor­ge­se­he­ne pau­scha­le Abschlag von drei Pro­zent ist dafür ein Beispiel.

Er löst kein Struk­tur­pro­blem. Er trifft Betrie­be, die Ver­sor­gung sichern. Die gro­ßen Kos­ten­trei­ber Kli­nik und Arz­nei­mit­tel blei­ben bestehen. Doch vor uns lie­gen wei­te­re gro­ße Auf­ga­ben, die über mei­ne Amts­zeit hin­aus ange­gan­gen wer­den müs­sen. Dafür braucht es auch in Zukunft einen pro­fes­sio­nel­len, schlag­kräf­ti­gen und im Ehren­amt stark auf­ge­stell­ten Ver­band. Mit kla­ren Struk­tu­ren. Mit guten Köp­fen. Mit einer nächs­ten Gene­ra­ti­on, die Verant­wortung übernimmt.

In den ver­gan­ge­nen sechs Jah­ren haben Sie Albin May­er als Vize-Prä­si­dent und Vor­sit­zen­den des Wirt­schafts­aus­schus­ses an Ihrer Sei­te gehabt. Wenn Sie auf die gemein­sa­me Zeit zurück­bli­cken, was fällt Ihnen dann ein?

Vor allem Dank­bar­keit. Wir haben in den ver­gan­ge­nen sechs Jah­ren sehr eng zusam­men­ge­ar­bei­tet, vie­le Her­aus­for­de­run­gen gemeis­tert und man­che har­te Dis­kus­si­on geführt. Immer sach­lich, immer mit Respekt und immer mit dem gemein­sa­men Ziel, etwas für unse­re Betrie­be zu errei­chen. Albin hat das gesam­te Ver­trags­we­sen im BIV pro­fes­sio­na­li­siert. Die Ver­hand­lungs­stra­te­gie und ‑kul­tur tra­gen dabei ganz klar sei­ne Hand­schrift. Er hat den Häu­sern ein brei­tes Kreuz und damit Rück­halt und Sta­bi­li­tät gege­ben. Wir haben in sei­ner Zeit alle für die Ortho­pä­die-Tech­nik und Sani­täts­haus maß­geb­li­chen Rah­men­ver­trä­ge mit den bun­des­ein­heit­li­chen Kran­ken­kas­sen auf den Stand der Tech­nik gebracht. Das ist kein Kinderspiel.

Und per­sön­lich kann ich sagen: Aus der Zusam­men­ar­beit ist Freund­schaft ent­stan­den. Des­halb fällt auch mir der Abschied nicht leicht. Ich wer­de Albin ver­mis­sen, freue mich, dass er dem Wirt­schafts­aus­schuss erhal­ten bleibt – und freue mich zugleich auf die Zusam­men­ar­beit mit mei­nem neu­en Stell­vertreter Tobi­as Chaumont.

Coro­na, Ukrai­ne-Krieg, Ener­gie­kri­se und nun Spar­zwang bei den ­Kran­ken­kas­sen. Die Her­aus­for­de­run­gen, die Ihre Amts­zeit geprägt haben, waren groß. Was haben Sie für sich per­sön­lich aus die­sen Kri­sen und Kon­flik­ten mit­ge­nom­men und wie hat das auch Ihre Arbeit als Prä­si­dent beeinflusst?

Die Erkennt­nis, dass man sol­che Her­aus­for­de­run­gen nicht allein bewäl­tigt. Ich habe erlebt, wie enga­giert unse­re ehren­amt­li­chen Kol­le­gen im Vor­stand arbei­ten und wie leis­tungs­fä­hig das Haupt­amt des BIV-OT ist. Die­ses Zusam­men­spiel hat uns durch schwie­ri­ge Jah­re getra­gen. Kri­sen kom­men und gehen. Ent­schei­dend ist, ruhig zu blei­ben, Pro­ble­me anzu­pa­cken und als Team hand­lungs­fä­hig zu blei­ben. Genau das zeich­net unse­ren Ver­band aus. Des­halb bli­cke ich auch auf die kom­men­den Jah­re mit Zuversicht.

Die Fra­gen stell­te Hei­ko Cordes.

 

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