OTWorld

Ende gut, alles gut? Nicht unbedingt!

Mit der erstmals veranstalteten Desasterkonferenz setzte die OTWorld ein Zeichen für einen offenen Umgang mit Fehlern und den gemeinsamen Austausch über schwierige Versorgungsfälle.

Der offe­ne Umgang mit Feh­lern und Schei­tern war der Sinn und Zweck der Desas­ter­kon­fe­renz, mit dem Ziel, eine gesun­de Feh­ler­kul­tur zu för­dern und aus Feh­lern zu ler­nen. Zum ers­ten Mal wag­ten die Ver­an­stal­ter der OTWorld die­ses For­mat – und es wur­de ein vol­ler Erfolg. Nicht nur, weil sich Muti­ge trau­ten, öffent­lich über beruf­li­che Miss­erfol­ge zu spre­chen, son­dern auch, weil der Saal voll von offen­kun­dig Lern­wil­li­gen war, die sich auch gern an den Dis­kus­sio­nen eines jeden Fal­les betei­lig­ten, wenn die Fra­ge im Raum stand: „Was hät­ten Sie getan?“

Den Vor­sitz hat­ten Kon­gress­prä­si­den­tin Dr. Doris Mei­er und Micha­el Schä­fer, OTM und Mit­glied des Pro­gramm­ko­mi­tees. Die vier vor­ge­stell­ten Desas­ter kamen zum Teil aus Kran­ken­häu­sern mit ange­schlos­se­ner Ortho­pä­die-Tech­nik oder direkt aus OT-Betrieben.

Beim ers­ten Fall über­nahm ein OT-Betrieb eine Pati­en­tin, die schon bei der Ampu­ta­ti­on ihres Vor­fu­ßes falsch behan­delt wor­den war, denn die Nar­be ver­lief quer über die Stumpf­soh­le. Im Anschluss hat­te ein OT-Betrieb ver­geb­lich ver­sucht, eine zufrie­den­stel­len­de Ver­sor­gung vor­zu­neh­men, mit der die Pati­en­tin ihre Pro­the­se ohne Schmer­zen an der plantaren Nar­be nut­zen konn­te. Bevor der Refe­rent berich­te­te, wie er die­sen wirk­lich kom­pli­zier­ten Fall erfolg­reich lösen konn­te, gab das Ple­num Vor­schlä­ge über ein Inter­ak­ti­ons­tool ab, die zur Dis­kus­si­on anreg­ten. „Wir sind bei einer Sili­kon­fuß­pro­the­se geblie­ben, weil eine Sprung­ge­lenk­be­weg­lich­keit gege­ben war“, berich­te­te Johan­nes Green (Bereichs­lei­ter bei Poh­lig) schließ­lich. Die Pati­en­tin kann nun sta­bil gehen, sogar bar­fuß lau­fen und schwim­men; bei all die­sen Akti­vi­tä­ten blei­ben die sen­si­blen Berei­che entlastet.

OTM Ralf-Tho­mas Münch (Münch und Hahn) beschrieb den Fall eines Pati­en­ten, der sich mit einem guten Stumpf vor­stell­te, jedoch auf Pfle­ge­pro­duk­te all­er­gisch reagier­te, plötz­lich star­ke Volu­men­schwan­kun­gen auf­wies, Schmer­zen bekam und gro­ße Rät­sel auf­warf. Das Rät­sel war schwer zu lösen, doch dann das ursäch­li­che Pro­blem leicht zu behe­ben: Der Pati­ent zog näm­lich sei­nen Strumpf unter dem Liner an.

Auch die bei­den nächs­ten Fäl­le war­fen Rät­sel auf, die jedoch lei­der kei­ne ein­fa­che Erklä­rung hat­ten. Bei einer jun­gen Forst­wir­tin mit einer Bein­ver­let­zung durch eine Ket­ten­sä­ge konn­ten meh­re­re Ope­ra­tio­nen nicht hel­fen, ihren Gang zu nor­ma­li­sie­ren, und die Ursa­che konn­te nicht gefun­den wer­den. Eine knie­ge­len­küber­grei­fen­de Orthe­se und schließ­lich ein C‑Brace bes­ser­te den Zustand, doch anhal­ten­de uner­klär­li­che Schmer­zen ent­mu­ti­gen die Pati­en­tin der­art, dass sie sich jüngst ein Ampu­ta­ti­on wünscht.

Der letz­te Fall betraf einen jun­gen Para­ple­gi­ker, der hoch moti­viert schnel­le Lern­fort­schrit­te mach­te, mit denen er sich sei­ne Selbst­stän­dig­keit erkämpf­te. Ein uner­war­te­ter Deku­bi­tus, Grad 4, beid­sei­tig, brach­te den Fort­schritt zum Erlie­gen und ver­frach­te­te den jun­gen Mann für fünf Wochen in ein Sand­bett. Die Lösung liegt in einem viel­schich­ti­gen The­ra­pie­pro­gramm in Ver­bin­dung mit einem neu­en Sitz­kis­sen, doch der Erfolg steht noch aus.

Mit Sicher­heit wird die­ses For­mat der Desas­ter­kon­fe­renz in zwei Jah­ren wie­der auf­ge­nom­men. Und der Wunsch wur­de laut, den Fort­gang der unge­lös­ten Fäl­le noch ein­mal aufzugreifen.

Anja Knies

 

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