OTWorld eSum­mit: „Wir sind TI-ready!“

Digitalisierung zum Anfassen: Warum die Branche auf dem eSummit zeigt, dass sie für die eVO bereit ist – und die Politik nun liefern muss.

Auf dem „OTWorld eSum­mit“ demons­triert die Hilfs­mit­tel­bran­che ihre Bereit­schaft zum schnel­len Anschluss an die Tele­ma­tik­in­fra­struk­tur (TI) – das digi­ta­le Netz­werk des deut­schen Gesund­heits­we­sens. Das neue For­mat fin­det an allen vier Ver­an­stal­tungs­ta­gen der OTWorld 2026 statt. Im Mit­tel­punkt von Vor­trä­gen, Rund­gän­gen und Live-Vor­füh­run­gen steht das Pilot­pro­jekt elek­tro­ni­sche Ver­ord­nung (eVO) für ortho­pä­di­sche Hilfs­mit­tel unter der Feder­füh­rung des Bun­des­in­nungs­ver­ban­des für Ortho­­pä­die-Tech­nik (BIV-OT).

Anzei­ge

Bereit, wenn Gema­tik und Poli­tik es sind

„Wer wis­sen will, wie weit wir in Sachen eVO schon gekom­men sind und wel­che Teil­pro­jek­te wir als Nächs­tes umset­zen, kommt am eSum­mit nicht vor­bei. Wir wer­den ein funk­tio­nie­ren­des Sys­tem prä­sen­tie­ren, das man live aus­pro­bie­ren kann“, erklärt OTWorld-Kon­gress­prä­si­dent Tho­mas Münch. Der Diplom-Ortho­pä­die­tech­nik­meis­ter ist im BIV-OT-Vor­stand für das Pilot­pro­jekt zustän­dig, Ver­tre­ter der Arbeits­grup­pe (AG) Tele­ma­tik sowie Mit­glied im Bei­rat des eSum­mits. Die Bran­che zei­ge, dass sie auf einen TI-Anschluss zum 1. Janu­ar 2027 vor­be­rei­tet sei, betont er. Bis dahin soll­ten alle Sani­täts­häu­ser im Bun­des­ge­biet in der Lage sein, eVOs zu lesen: „Wir wol­len uns so schnell wie mög­lich frei­wil­lig an die TI anbin­den und wür­den es begrü­ßen, wenn die Poli­tik der Natio­nalen Agen­tur für Digi­ta­le Medi­zin, Gema­tik GmbH, den Auf­trag erteilt, die eVO für Hilfs­mit­tel im Anschluss an die gera­de lau­fen­de eVO für Häus­li­che Kran­ken­pfle­ge (HKP) umzu­set­zen. Denn die Kon­zep­te von eVO HKP und unse­rer eVO für Hilfs­mit­tel ähneln sich stark“, betont Münch. Die eVO betref­fe zudem nicht nur die Ortho­­pä­die-Tech­nik, son­dern die gesam­te Bran­che, etwa die Hörgeräteakustik.

Kar­ten­aus­ga­be beschleunigen

Wie steht es um die Aus­ga­be der Insti­tu­ti­ons­kar­te SMC‑B? Auch dies wer­de ein The­ma beim eSum­mit sein, so Münch. Die Secu­ri­ty Modu­le Card Typ‑B ist der Schlüs­sel zur TI und kann bis­her nicht flä­chen­de­ckend bean­tragt wer­den. „Ich bin davon aus­ge­gan­gen, dass ich mei­ne SMC-B-Kar­te spä­tes­tens Ende 2025 in den Hän­den hal­te. Doch nun habe ich sie immer noch nicht. Bei der Bean­tra­gung sind immer wie­der Feh­ler auf­ge­tre­ten. Das For­mu­lar ließ sich nicht voll­stän­dig aus­fül­len, sprang wie­der­holt auf den Anfang zurück und ich muss­te von vorn begin­nen – bis es wie­der nicht wei­ter­ging“, berich­tet er. „Sobald die­se Pro­ble­me beho­ben sind, wird ein deut­li­cher Nach­fra­ge­an­stieg bei Kar­ten­her­stel­lern ein­set­zen. Rund 1.700 ortho­pä­die­tech­ni­sche Betrie­be mit zahl­rei­chen Filia­len benö­ti­gen schät­zungs­wei­se min­des­tens 2.000 Karten.“

Digi­ta­li­sie­rung nicht auf die lan­ge Bank schieben

„Wir wol­len auf dem eSum­mit alle Akteu­re im Bereich eVO und Pro­zess­di­gi­ta­li­sie­rung zusam­men­füh­ren und freu­en uns über jeden, der sich dafür inter­es­siert und mit­ma­chen will. Dies ist auch ein Auf­ruf zur Betei­li­gung!“, unter­streicht Münch. „Die eVO für Hilfs­mit­tel darf nicht wei­ter ver­zö­gert wer­den. Digi­ta­li­sie­rung ent­las­tet unse­re Fach­kräf­te von Rou­ti­ne­auf­ga­ben, redu­ziert Büro­kra­tie und schafft Frei­räu­me für die Pati­en­ten­ver­sor­gung. Damit ent­fal­len bei­spiels­wei­se die Ein­ga­be ana­lo­ger Ver­ord­nun­gen und die Prü­fung von Ver­ord­nungs­da­ten, da die­se Pro­zes­se auto­ma­ti­siert im Hin­ter­grund laufen.“

Cath­rin Günzel

Info

Digi­ta­le Pro­zes­se live erle­ben: Im Zen­trum des Ver­an­stal­tungs­for­mats ste­hen anwend­ba­re Lösun­gen für die digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on der Hilfsmittelver­sorgung und der Aus­tausch zwi­schen Leistungs­erbringern, Indus­trie, Kos­ten­trä­gern und der Politik.

Ziel­grup­pe: Sani­täts­häu­ser, Fach­be­trie­be und Ent­schei­der der Hilfs­mit­tel­bran­che, denen an allen vier Ver­an­stal­tungs­ta­gen ein viel­fäl­ti­ges Pro­gramm gebo­ten wird. Neben fach­li­chen Impul­sen durch Vor­trä­ge, Podi­en und Rund­gän­ge ergän­zen Part­ner­for­ma­te wie Work­shops die Agenda.

Im Fokus: die Anbin­dung an die Tele­ma­tik­in­fra­struk­tur (TI), die eVO für Hilfs­mit­tel, die struk­tu­rier­te digi­ta­le Doku­men­ta­ti­on, die digi­ta­le Kun­den­kom­mu­ni­ka­ti­on und Sicht­bar­keit sowie durch Künst­li­che Intel­li­genz (KI) gestütz­te Anwen­dun­gen im Vertrags‑, Fall- und Terminmanagement.

Vor­trä­ge am Vor­mit­tag: Zwi­schen 9:30 Uhr und 11:30 Uhr sind Vor­trä­ge zu KI und zur TI-Anbin­dung der Leis­tungs­er­brin­ger vorgesehen.

High­light: Im Rund­gang wird die kom­plet­te digi­ta­le Ver­sor­gungs­ket­te live vor­ge­führt, ver­ständ­lich und zum Aus­pro­bie­ren, von der Bean­tra­gung der Institu­tionskarte SMC‑B (Secu­ri­ty Modu­le Card Typ‑B) über die eVO bis zur Abrechnung.

Ver­tie­fung am Nach­mit­tag: Von 13 Uhr bis 15 Uhr gibt es Infor­ma­tio­nen zur Kar­ten­aus­ga­be, zum digi­ta­len Manage­ment von Son­der­pro­zes­sen via TI sowie zur Zukunft der digi­ta­len Verordnung.

Kura­to­ren: Die Fach­for­ma­te wer­den durch den Bei­rat des OTWorld eSum­mits ver­ant­wor­tet. Zu den Mit­glie­dern gehö­ren AOK-Bun­des­ver­band, BIV-OT, Deut­sche Gesell­schaft für inter­pro­fes­sio­nel­le Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung, eRe­zept-Enthu­si­as­ten, das eVO-Pilot­pro­jekt sowie das Bünd­nis „Wir ver­sorgen Deutschland“.

Spot­lights & Work­shops: Spon­so­ren erwei­tern das Pro­gramm zwi­schen 11:30 Uhr und 13 Uhr sowie 15 Uhr und 16 Uhr mit Bran­chen­per­spek­ti­ven auf digi­ta­le Pro­zes­se und deren kon­kre­te Anwen­dun­gen – von der Kom­mu­ni­ka­ti­on bis zur Dokumentation.

Teil­nah­me kos­ten­frei: Alle Besu­cher der OTWorld erhal­ten auch Zugang zum eSummit.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: www.ot-world.de/esummit

 

Digi­ta­le Gegen­wart und ­Zukunft sehen und verstehen

Drei Fra­gen an Tho­mas Münch, Vor­stands­mit­glied beim Bun­des­in­nungs­ver­band für Ortho­pä­die-Tech­nik und feder­füh­rend beim Pilot­pro­jekt zur eVer­ord­nung für ortho­pä­di­sche Hilfsmittel.

War­um soll­te man den eSum­mit kei­nes­falls ver­pas­sen, Herr Münch?

Tho­mas Münch: Eine eVO mit QR-Code lässt sich jetzt zum Bei­spiel direkt in der Gema­tik-App spei­chern. Vor zwei Jah­ren muss­te der QR-Code noch aus­ge­druckt wer­den. Inzwi­schen ist der Ablauf kom­plett digi­tal, man braucht kein Papier mehr. Auf spe­zi­el­len Rund­gän­gen wer­den eVOs erstellt und Inter­es­sier­te kön­nen sie dann bei den am Pilo­ten betei­lig­ten Soft­ware­häu­sern papier­los abru­fen. Und wir berich­ten, wel­che Kon­zep­te wir Ende letz­ten Jah­res an die Gema­tik über­ge­ben haben.

Wor­auf freu­en Sie per­sön­lich sich am meisten?

Ich freue mich auf die Dis­kus­sio­nen mit Ver­tre­tern der Gema­tik, mit Kar­ten­her­stel­lern und mit Kosten­trägern. Alle müs­sen wis­sen, wie weit wir sind und wo die Vor­tei­le der eVO lie­gen. Dazu gehö­ren bei­spiels­wei­se Feh­ler­mi­ni­mie­rung, Zeit- und Kos­ten­er­spar­nis durch die auto­ma­ti­sier­te Ver­ar­bei­tung und Über­prü­fung der Ver­ord­nungs- und Ver­si­cher­ten­da­ten sowie die Ver­mei­dung von Doppel­beantragungen. Sicher wer­den wir eben­falls über die Kos­ten­über­nah­me und Refi­nan­zie­rung der eVO-Ein­füh­rung für die Betrie­be sprechen.

Wel­chen prak­ti­schen Input erhal­ten Sani­täts­haus­in­ha­ber und Geschäfts­füh­rer beim eSummit?

Fünf Soft­ware­lö­sun­gen am Markt mit etwa 70 Pro­zent Markt­an­teil sind bereit für die eVO. Sani­täts­häu­ser, deren Soft­ware noch nicht so weit ist und die sich noch nicht auf die eVO ein­ge­stellt haben, kön­nen auf dem eSum­mit sehen, was eigent­lich schon mög­lich ist. Das dürf­te bei man­chen zum Umden­ken füh­ren und zu einem Soft­ware­wech­sel nach der Veranstaltung.

Die Fra­gen stell­te Cath­rin Günzel.

Zur Per­son

Foto: BIV-OT/Rausch
Foto: BIV-OT/­Rausch

Tho­mas Münch ist Diplom-Ortho­­pä­die­tech­nik­meis­ter und Geschäfts­füh­rer der Münch & Hahn GmbH & Co. KG in Duis­burg, einem 1951 gegrün­de­ten ­Fami­li­en­un­ter­neh­men mit drei Sani­täts­haus­fi­lia­len. Münch gehört zu den prä­gen­den ­Per­sön­lich­kei­ten der Tech­ni­schen Ortho­pä­die in Deutsch­land. Er ist Vor­stands­mit­glied des BIV-OT und Ehren­ober­meis­ter der Innung für Ortho­pä­die-Tech­nik für den Regie­rungs­be­zirk Düs­sel­dorf. Zudem enga­giert er sich in der Fami­li­en­stif­tung Tho­mas-und-Eri­ka-Münch-Stif­tung, die Bil­dung und For­schung in der ­Ortho­pä­die-Tech­nik för­dert. 2024 hat Münch zusam­men mit Dr. Doris Mai­er (Ärzt­li­che Direk­torin der BG Unfall­klinik Mur­nau) die Kon­gress­prä­si­dent­schaft der ­OTWorld übernommen. 

 

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