Meine erste OTWorld war im Jahr 2000. Ich war hoch motiviert und stolz, Teil dieser Branche zu sein und an unserem Messestand alles zu geben. Doch dann bekam ich einen Stapel Postkarten in die Hand gedrückt. Darauf: zwei Einlagen. Mit Armen, Beinen und glasigem Blick. Die eine gebückt. Die andere sehr eindeutig dahinter positioniert. Dazu der Satz: „Ick bin Latschi.“ Und „Partnerschaft – die bewegt.“ Mein Auftrag: verteilen, lächeln, auf unseren Messestand an die Bar „Zur Einlage“ einladen. Ich erinnere mich noch genau an diesen Moment zwischen professionellem Pflichtgefühl und innerem Zusammenbruch. Die Sprüche, die ich mir beim Verteilen einholen würde, waren vorprogrammiert. Am liebsten wäre ich im Boden versunken. Was hatte sich die damalige Kreativagentur nur dabei gedacht? Ich würde sagen, das war ein Lehrstück in Zielgruppenverfehlung. Manchmal spiele ich gedanklich durch, Latschi und ihr Partner hätten Kinder bekommen. Diese kleinen Einlagen wachsen auf, entdecken eines Tages die alte Postkarte und schauen ihre Eltern entgeistert an: „Ich hoffe, wir sind adoptiert! Warum habt ihr euch für Cartoon-Kamasutra entschieden, statt für eine seriöse Markenbotschaft? Das ist nicht edgy, das ist einfach nur cringe.“ Man kann über vieles schmunzeln. Aber manchmal ist es auch gut, wenn die nächste Generation sagt: „Danke, das machen wir anders.“ Und genau das haben wir.
Wenn ich heute auf die OTWorld blicke, sehe ich eine Branche, die spannender denn je ist. Fachlich präzise. Technologisch innovativ. Kommunikativ klar. Und ich sehe unser Unternehmen, das verstanden hat: Wertigkeit braucht keine Verrenkung. Kompetenz braucht keine Provokation. Und Einlagen brauchen keine Intimsphäre.
Latschi war meine erste OTWorld. Vielleicht war sie deshalb so prägend und mein Griff in die Historienkiste hat sie wieder ans Licht gezaubert. Nicht, weil sie gut war. Sondern, weil sie unterstreicht: 50 Jahre OTWorld bedeuten auch 50 Jahre Lernen. In meinem Fall hat dieses Lernen mit einer Postkarte begonnen, die ich damals verteilt habe und die man heute nicht mehr drucken würde. Und das ist das Schöne an einem Jubiläum: dass man zurückblickt, schmunzelt und es heute einfach anders macht. Zum Glück.
Jeannette Arend, Head of Marketing & Medical Affairs, Springer Aktiv AG
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