Wie Pro­the­sen ihr Poten­zi­al entfalten

Im Oktober 2019 stellte ein Unfall das Leben von Lara Wilkin auf den Kopf: Ein Knochenbruch mit Einblutungen führte zu schweren Komplikationen – schließlich musste ihr linker Unterarm amputiert werden. Mit einer passenden armprothetischen Versorgung und durch einen intensiven Rehabilitationsprozess erarbeitete sie sich Schritt für Schritt ihre Selbstständigkeit zurück.

Heu­te lässt Wil­kin ande­re an ihren Erfah­run­gen teil­ha­ben, ver­netzt Betrof­fe­ne welt­weit und leis­tet Auf­klä­rungs­ar­beit. Auch auf der OTWorld 2026 wirkt sie inner­halb meh­re­rer Ver­an­stal­tun­gen im Welt­kon­gress mit. Eine zen­tra­le Bot­schaft: Pro­the­tik ent­fal­tet ihr Poten­zi­al nur, wenn sie Teil des eige­nen Kör­pers wird – und Betrof­fe­ne von Anfang an in Ent­wick­lungs­pro­zes­se ein­be­zo­gen werden.

Ortho­pä­die­tech­ni­ker André Wohl­atz ist bis heu­te ein wich­ti­ger Weg­be­glei­ter für Wil­kin. „Schon bei unse­rem ers­ten Tref­fen fühl­te ich mich mensch­lich und fach­lich sehr gut auf­ge­ho­ben und ver­stan­den“, erzählt sie. Als Fach­be­reichs­lei­ter Arm­pro­the­tik des Müns­te­ra­ner Betriebs Ortho­pä­die-Tech­nik Müns­ter­land weiß Wohl­atz um die beson­de­ren Her­aus­for­de­run­gen des Ver­sor­gungs­be­reichs: „Arme und Hän­de gehö­ren zum Gesichts­feld. Die­se Ampu­ta­tio­nen sind immer zu sehen und prä­gen das Erschei­nungs­bild eines Men­schen. Umso wich­ti­ger ist es, hier Ein­füh­lungs­ver­mö­gen zu haben“, betont er. Und das weiß Wil­kin sehr zu schät­zen: „Er hat nichts abge­lehnt, son­dern war immer bereit, alle Optio­nen aus­zu­pro­bie­ren. Wir konn­ten gemein­sam ler­nen – die­se Erfah­rung wün­sche ich auch ande­ren“, so Wil­kin. Auch wenn sie die für sich pas­sen­de Ver­sor­gung gefun­den hat, bleibt sie neu­gie­rig und offen für Inno­va­tio­nen. Sie tes­tet wei­ter­hin neue Pro­the­sen­sys­te­me – nicht zuletzt, um pra­xis­na­he Erkennt­nis­se für ihre For­schungs- und Auf­klä­rungs­ar­beit zu gewin­nen. Zudem ver­tief­te sie ihr Wis­sen auch wis­sen­schaft­lich: Auf ihr Design­stu­di­um folg­te ein Maschi­nen­bau­stu­di­um mit Schwer­punkt Pro­the­tik; der­zeit pro­mo­viert sie an der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien mit Fokus auf die Pro­the­tik der obe­ren Extremitäten.

Bei Orthopädietechniker André Wohlatz hat sich Lara Wilkin von Beginn an gut aufgehoben gefühlt. Foto: Orthopädie-Technik Münsterland
Bei Ortho­pä­die­tech­ni­ker André Wohl­atz hat sich Lara Wil­kin von Beginn an gut auf­ge­ho­ben gefühlt. Foto: Ortho­pä­die-Tech­nik Münsterland

Betrof­fe­ne brau­chen Austausch

Das Ver­sor­gungs­sys­tem stell­te Wil­kin wäh­rend ihres Reha­bi­li­ta­ti­ons­pro­zes­ses immer wie­der vor Her­aus­for­de­run­gen. Was ihr beson­ders fehl­te: unab­hän­gi­ge Ver­net­zung und nied­rig­schwel­li­ger Aus­tausch mit ande­ren Betrof­fe­nen. „Über den medi­zi­ni­schen Aspekt hin­aus ist oft nicht klar, was eine Ampu­ta­ti­on tat­säch­lich bedeu­tet, wel­che Her­aus­for­de­run­gen und Fra­gen zur Ver­sor­gung sich erge­ben. Dabei ist der Weg in eine neue Nor­ma­li­tät anstren­gend, lang­wie­rig, sel­ten gerad­li­nig und oft mit Rück­schlä­gen ver­bun­den. Dafür braucht man viel Kraft und Unter­stüt­zung“, berich­tet sie. Aus die­sem Grund ließ sich Wil­kin zur „Ampu­tee Peer“ aus­bil­den und grün­de­te 2021 die Arm Pro­sthe­sis Com­mu­ni­ty, die sich mitt­ler­wei­le zu einem inter­na­tio­na­len Netz­werk ent­wi­ckelt hat. Zudem enga­giert sie sich inner­halb der Inter­na­tio­nal Socie­ty for Pro­sthe­tics and Ortho­tics (ISPO) und ist regel­mä­ßig auf Kon­gres­sen, Fach­gip­feln und inter­na­tio­na­len Tagun­gen ver­tre­ten. Auf der dies­jäh­ri­gen OTWorld spricht Lara Wil­kin über indi­vi­dua­li­sier­te Arm­pro­the­sen­ver­sor­gung – von funk­tio­nel­lem Trai­ning über myo­elek­tri­sche Sys­te­me bis hin zu Akzep­tanz, Embo­di­ment und inter­kul­tu­rel­len Erfah­run­gen. Dabei ist es ihr wich­tig zu beto­nen: „Tech­ni­sche Leis­tungs­fä­hig­keit allein reicht nicht aus. Erst wenn eine Pro­the­se als Teil des eige­nen Kör­pers und Selbst­bil­des akzep­tiert wer­den kann, ent­fal­tet sie ihr eigent­li­ches Poten­zi­al. Dafür soll­ten Nut­ze­rin­nen und Nut­zer deut­lich stär­ker in Ent­wick­lungs­pro­zes­se ein­be­zo­gen wer­den. Denn tech­ni­sche Inno­va­ti­on ent­steht dort, wo rea­le Her­aus­for­de­run­gen ver­stan­den, kri­tisch hin­ter­fragt und offen dis­ku­tiert wer­den. Kon­struk­ti­ve Rück­mel­dun­gen sind dabei ein zen­tra­ler Motor für Weiterentwicklung.“

Tickets sichern
Erhält­lich sind OTWorld-Kom­plett-Tickets, die den Zugang zum Welt­kon­gress und zur inter­na­tio­na­len Fach­mes­se beinhal­ten. Bis zum 31. März gilt hier­für ein Ear­ly-Bird-Tarif mit einer Erspar­nis von bis zu 80 Euro. Ermä­ßig­te Tages­ti­ckets sind zudem für Schü­ler, Stu­den­ten und Aus­zu­bil­den­de erhält­lich – das OTWorld-Kom­plett-Ticket kos­tet 89 Euro, das Mes­se­ti­cket 21 Euro (jeweils gegen Vor­la­ge eines gül­ti­gen Nachweises).
Für Fach­be­su­cher, die die inter­na­tio­na­le Fach­mes­se inklu­si­ve aller Work­shops im Kon­gress nut­zen wol­len, bie­tet sich das Mes­se-Grup­pen­ti­cket ab vier Per­so­nen für 29 Euro pro Per­son an. Sepa­ra­te Zwei­ta­ges­ti­ckets ste­hen außer­dem für Teil­neh­mer der Jugend-Aka­de­mie Tech­ni­sche Ortho­pä­die (JA.TO) zur Ver­fü­gung. Bis zum 31. März gilt ein Ear­ly-Bird-Tarif mit einer Erspar­nis von 10 Euro.
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