Wie Leis­tungs­er­brin­ger ihren TI-Anschluss vorbereiten

Telematikinfrastruktur kommt 2027 auch für Hilfsmittelerbringer. Experte Stephan Losse erklärt im Interview, welche Vorbereitungen Betriebe jetzt treffen sollten.

Auch wenn die ver­pflich­ten­de Anbin­dung an die Tele­ma­tik­in­fra­struk­tur (TI) für Hilfs­mit­tel­leis­tungs­er­brin­ger nun erst 2027 auf dem Pro­gramm steht: Wer bis dahin war­tet, ris­kiert einen Anschluss­stau und womög­lich Ver­zö­ge­run­gen. Wel­che Vor­be­rei­tun­gen im Vor­feld getrof­fen wer­den soll­ten und wo die größ­ten Stol­per­stei­ne lie­gen, erklärt Ste­phan Los­se im OT-Gespräch. Der Geschäfts­füh­rer der Curen­ect GmbH kennt die Hür­den aus der Pra­xis, denn sein Unter­neh­men hat seit 2019 schon zahl­rei­che Leis­tungs­er­brin­ger aus ande­ren Berei­chen an die TI angebunden.

Herr Los­se, bit­te stel­len Sie ­Curen­ect kurz vor.

Ste­phan Los­se: Curen­ect ist ein IT-Unter­neh­men und unter­stützt die digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on im Gesund­heits­we­sen. Seit unse­rer Grün­dung 2019 liegt unser Schwer­punkt auf der tech­ni­schen Anbin­dung von Leis­tungs­er­brin­gern an die Tele­ma­tik­in­fra­struk­tur. Wir sind Teil der Opta-Data-Grup­pe, die auch Part­ner des Pilot­pro­jekts eVer­ord­nung (eVO) für ortho­pä­di­sche Hilfs­mit­tel unter Feder­füh­rung des Bun­des­in­nungs­ver­ban­des für Ortho­pä­die-Tech­nik (BIV-OT) ist. Seit unse­rer Fusi­on mit dem Darm­städ­ter TI-Spe­zia­lis­ten „SL.IS Ser­vices“ im ver­gan­ge­nen Jahr kön­nen wir das gesam­te Leis­tungs­spek­trum der TI-Anbin­dung aus einer Hand anbie­ten, von der Bestel­lung der Kom­po­nen­ten über die Kar­ten­be­an­tra­gung bis zum kom­plet­ten TI-Anschluss.

Tele­ma­tik­in­fra­struk­tur:
Siche­rer Aus­tausch im Gesundheitswesen
Die Tele­ma­tik­in­fra­struk­tur (TI) ist ein geschlos­se­nes Netz­werk, das alle ­Akteu­re des Gesund­heits­we­sens mit­ein­an­der ver­bin­det. Sie ermög­licht den siche­ren, sek­to­ren- und sys­tem­über­grei­fen­den Aus­tausch von Gesund­heits­da­ten. Über die TI wer­den Anwen­dun­gen wie das E‑Rezept für Arz­nei­mit­tel, die elek­tro­ni­sche Pati­en­ten­ak­te (ePA), das Ver­si­cher­ten­stamm­da­ten-Manage­ment und künf­tig die elek­tro­ni­sche Ver­ord­nung (eVO) für Hilfs­mit­tel abge­wi­ckelt. Der Zugang zur TI ist regis­trier­ten Nut­zern vor­be­hal­ten. Dies kön­nen Per­so­nen oder Insti­tu­tio­nen sein.

Gra­fik: Curenect

 

Aus wel­chen Berei­chen kom­men die Leis­tungs­er­brin­ger, für die Sie bis­her tätig waren und sind?

Zu Beginn waren es vor allem Apo­the­ken und Psy­cho­the­ra­peu­ten, mitt­ler­wei­le liegt unser Fokus auf Heilmittel­erbringern und Pfle­ge­be­trie­ben. Wir betreu­en die gesam­ten Kun­den der Opta-Data-Grup­pe bun­des­weit und dar­über hin­aus wei­te­re Koope­ra­ti­ons­part­ner, die uns als TI-Anschluss­an­bie­ter gewählt haben. Unse­re Auf­trags­bü­cher sind voll.

Gehö­ren auch Hilfs­mit­tel­leis­tungs­er­brin­ger zu Ihren Kunden?

Ja, in die­sem Bereich läuft der Bedarf jetzt lang­sam an. Die Ver­schie­bung der Anschluss­pflicht auf 2027 hat uns geär­gert, denn wir hat­ten uns vor­be­rei­tet, extra Per­so­nal ein­ge­stellt und Hard­ware ein­ge­kauft. Und nun die­se lan­ge Verzögerung!

Wel­che Erfah­run­gen haben Sie bei der TI-Anbin­dung zum Bei­spiel von Apo­the­ken gemacht, auch mit Blick auf die ver­schie­de­nen Soft­ware­sys­te­me in den Häusern?

Die Erfah­run­gen sind sehr gemischt. Einer­seits ist die tech­ni­sche Infra­struk­tur der TI inzwi­schen deut­lich sta­bi­ler gewor­den. Die TI läuft immer zuver­läs­si­ger. Ande­rer­seits machen uns die unter­schied­li­che Benut­zer­füh­rung der ver­schie­de­nen Bran­chen­soft­ware- und Pra­xis­ver­wal­tungs­sys­te­me in den Betrie­ben sowie die regu­la­to­ri­schen Anfor­de­run­gen das Leben schwer. Der Bean­tra­gungs­pro­zess für die Berech­ti­gungs­kar­ten für den Zugang zur TI ist ziem­lich unüber­sicht­lich. Unter­läuft beim Aus­fül­len der For­mu­lar­fel­der ein Form­feh­ler, wird nicht aktiv dar­über infor­miert, dass man Mate­ria­li­en nach­rei­chen muss. Da muss man sel­ber immer wie­der online nach­schau­en. Zumin­dest ist das bis­lang so. Leis­tungs­er­brin­ger brau­chen oft drei bis sechs Mona­te, bis sie ihre Aus­wei­se in der Hand hal­ten. Des­halb bie­ten wir zum Bei­spiel eine enge Unter­stüt­zung und Beglei­tung an und neh­men die Betrie­be wirk­lich an die Hand.

Zulas­sungs­über­sicht der Gema­tik
Über­sicht der Gema­tik über Pro­duk­te, Diens­te und Anbie­ter, die für den Online-Pro­duk­tiv­be­trieb (OPB) der TI zuge­las­sen sind bzw. waren, dar­un­ter TI-Gate­way-Anbie­ter und KIM-Anbie­ter. Unter dem OPB ­ver­steht man den regu­lä­ren Betriebs­zu­stand der TI, auf des­sen Basis die ­digi­ta­len Gesund­heits­an­wen­dun­gen wie das E‑Rezept für ­Arz­nei­mit­tel oder der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst KIM flä­chen­de­ckend und ver­bind­lich genutzt wer­den kön­nen. Dabei dür­fen nur ­zuge­las­se­ne Kom­po­nen­ten ver­wen­det wer­den, die eine ­daten­schutz­kon­for­me und siche­re Kom­mu­ni­ka­ti­on im ­Sys­tem gewähr­leis­ten. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen

 

Die Berech­ti­gungs­kar­ten soll­ten also recht­zei­tig bean­tragt werden?

Da soll­te man nicht erst kurz vor knapp los­le­gen! Natür­lich kommt im Hilfs­mittelbereich erschwe­rend hin­zu, dass die Insti­tu­ti­ons­kar­te SMC‑B bis­her nicht flä­chen­de­ckend bean­tragt wer­den kann. Die­se Secu­ri­ty Modu­le Card Typ‑B ist sozu­sa­gen der Schlüs­sel zur TI und die Aus­ga­be funk­tio­niert erst in weni­gen Regio­nen. Beim elek­tro­ni­schen Berufs­aus­weis (eBA) ist die Lage aus mei­ner Sicht unklar, denn er soll für die Hilfsmittelleistungs­erbringer nicht ver­pflich­tend sein. Das heißt, sie müss­ten ihn aus eige­ner Tasche zah­len. Aber viel­leicht ändert sich das noch. Auf jeden Fall kann ich jedem Betrieb nur raten: Infor­miert euch, wann es los­geht, küm­mert euch. Wer in einer der Pilot­re­gio­nen für die Kar­ten­aus­ga­be sitzt, soll­te die­se Mög­lich­keit auf jeden Fall nutzen.

Der Institutionsausweis SMC-B ist der Schlüssel zur TI. Grafik: Curenect
Der Insti­tu­ti­ons­aus­weis SMC‑B ist der Schlüs­sel zur TI. Gra­fik: Curenect

Was läuft denn rich­tig gut bei der Anbin­dung an die TI?

Posi­tiv ist, dass es einen stan­dar­di­sier­ten Zer­ti­fi­zie­rungs­pro­zess gibt und die Gema­tik, die Natio­na­le Agen­tur für Digi­ta­le Medi­zin, alles sehr sau­ber steu­ert. Was dort defi­niert ist, dar­an wird sich auch gehal­ten. Das schafft Pla­nungs­si­cher­heit. Außer­dem wächst die Akzep­tanz bei Leis­tungs­er­brin­gern und Pati­en­ten durch Anwen­dun­gen wie das E‑Rezept, das inzwi­schen im Ver­sor­gungs­all­tag ange­kom­men ist, sowie durch die künf­tig ein­ge­führ­te elek­tro­ni­sche Ver­ord­nung. Die Ein­füh­rung neu­er Tech­no­lo­gien wie dem TI-Gate­way als Teil der TI 2.0 erleich­tert außer­dem die Anbin­dung und die Admi­nis­tra­ti­on. Die War­tungs­an­for­de­run­gen wer­den deut­lich ein­fa­cher. So brauch­te man am Anfang noch einen spe­zia­li­sier­ten Hard­ware­rou­ter, den Ein­box­kon­nek­tor, um die Pra­xen und Apo­the­ken mit der TI zu ver­bin­den. Das bedeu­te­te mehr War­tung und eine kom­ple­xe­re Sicher­heits­ar­chi­tek­tur. Nun läuft das alles über Soft­ware, das cloud­ba­sier­te TI-Gate­way eli­mi­niert die­se phy­si­sche Box. In Zukunft wird das Kar­ten­ter­mi­nal eben­falls einer vir­tu­el­len Lösung Platz machen.

Und was läuft schlecht?

Wie bereits ange­deu­tet, sind die Frist- und Ter­min­ver­schie­bun­gen grund­sätz­lich pro­ble­ma­tisch. Sie sind teils geschäfts­kri­tisch für die Teil­neh­mer am TI-Markt, die sich wie wir auf 2026 vor­be­rei­tet haben. Zumin­dest sind sie ärger­lich. Das bringt auch bei den Bür­gern das Ver­trau­en in die Digi­ta­li­sie­rung ins Wan­ken, wenn alles immer wie­der aus­ge­bremst wird. Wie erwähnt, sehe ich im Kar­ten­be­an­tra­gungs­pro­zess noch Luft nach oben.

Was bedeu­tet das für ortho­pä­die­tech­ni­sche (OT-)Betriebe und Sani­täts­häu­ser? Wie berei­ten sie sich am bes­ten auf die Anbin­dung vor?

Die Betrie­be soll­ten recht­zei­tig ihre SMC-B-Kar­ten bestel­len und gege­be­nen­falls den eBA bean­tra­gen. Außer­dem ist eine struk­tu­rier­te Bestands­auf­nah­me der eige­nen IT-Infra­struk­tur und der orga­ni­sa­to­ri­schen Pro­zes­se wich­tig. Somit kann man recht­zei­tig mit dem Soft­ware­an­bie­ter in Kon­takt tre­ten, des­sen Pro­duk­te wie zum Bei­spiel ERP-(Enterprise-Resource-Planning-) bzw. Waren­wirt­schafts­sys­te­me im Betrieb im Ein­satz sind, und das Per­so­nal ent­spre­chend schulen.

Monat­li­che TI-Pau­scha­len bei ande­ren Leistungserbringern
Für ver­schie­de­ne Leis­tungs­er­brin­ger im Gesund­heits­we­sen gibt es bereits Refi­nan­zie­rungs­mo­del­le für den TI-Anschluss. Die jewei­li­ge monat­li­che Pau­scha­le wird jähr­lich ange­passt und ist rück­wir­kend ab dem 1. Juli 2023 gül­tig (zwi­schen GKV-Spit­zen­ver­band und Ver­bän­den der Leistungs­erbringer kön­nen Aus­nah­men ver­ein­bart wer­den). Die monat­li­che TI-­Re­fi­nan­zie­rung für Phy­sio­the­ra­peu­ten, Heil­mit­tel­er­brin­ger sowie ­Pfle­ge­ein­rich­tun­gen ori­en­tiert sich bei­spiel­wei­se an fol­gen­den ­Wer­ten (gül­tig ab 1. Janu­ar 2026): 213,75 Euro Grund­pau­scha­le plus 7,99 Euro Zusatz­pauschale, jeweils inklu­si­ve Mehr­wert­steu­er. Die genaue Erstat­tung rich­tet sich nach der Anzahl der ein­ge­setz­ten Kom­po­nen­ten und An­wendungen. Für Hilfs­mit­tel­leis­tungs­er­brin­ger gibt es bis­her kei­ne vergleich­bare Refinanzierungsregelung. 

 

Wie lan­ge vor­her soll­ten die ­Vor­be­rei­tun­gen starten?

Je nach Grö­ße und Kom­ple­xi­tät zahlt es sich aus, min­des­tens drei bis sechs Mona­te vor einem TI-Anschluss mit den Pla­nun­gen zu begin­nen. Vor allem gro­ße Fili­al­be­trie­be mit unterschied­lichen Soft­ware­land­schaf­ten müs­sen mit mehr Vor­lauf­zeit rech­nen, um alles ein­zu­bin­den und vor­zu­be­rei­ten. Auf kei­nen Fall aber soll­te man bis zum letz­ten Drü­cker war­ten, dann dro­hen Eng­päs­se und orga­ni­sa­to­ri­scher Zeit­druck. Ab Ende 2026 rech­nen wir mit erhöh­ter Nach­fra­ge nach Tech­nik, Instal­la­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten und Bera­tung. Man­che Anbie­ter sind nach den vie­len Ver­schie­bun­gen viel­leicht nicht mehr bereit, zusätz­li­ches Per­so­nal vor­zu­hal­ten. Also lie­ber jetzt ein­stei­gen, das ver­hin­dert Stress. Zudem bleibt so genug Zeit, sich auf dem Markt nach einem Anbie­ter umzu­schau­en, der den TI-Anschluss kon­kret ein­rich­tet und beglei­tet. Das dür­fen nur Dienst­leis­ter mit einer spe­zi­el­len Zulas­sung, soge­nann­te TI-Gateway-Anbieter.

Wel­che Kom­po­nen­ten brau­chen Hilfs­mit­tel­leis­tungs­er­brin­ger nach aktu­el­lem Stand zwingend?

Einen Inter­net­zu­gang, die SMC-B-Kar­te, bis­lang noch min­des­tens ein Kar­ten­ter­mi­nal (E‑He­alth-Ter­mi­nal) und natür­lich das TI-Gate­way, das von einem zuge­las­se­nen TI-Gate­way-Anbie­ter ein­ge­rich­tet wird. Zudem muss die betrieb­li­che Abrech­nungs- und Ver­wal­tungs­soft­ware vor­be­rei­tet sein. Optio­nal ist der Ver­trag über einen Anschluss an den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst KIM (Kom­mu­ni­ka­ti­on im Medi­zin­we­sen), wofür es eben­so zuge­las­se­ne Anbie­ter gibt. KIM ist als Stan­dard zum siche­ren Aus­tausch medi­zi­ni­scher Infor­ma­tio­nen und Doku­men­te in die TI inte­griert. Um ihn zu nut­zen, braucht man eine KIM-E-Mail-Adresse.

Gema­tik lädt zum #Mit­ma­chen ein
Unter dem Mot­to „#Mit­ma­chen: Gestal­ten Sie die digi­ta­le Gesund­heit mit“ ruft die Gema­tik alle Akteu­re der Ver­sor­gungs­pro­zes­se auf, ihr Know-how ein­zu­brin­gen. Betrie­be kön­nen sich online oder vor Ort in Ber­lin betei­li­gen, etwa durch Teil­nah­me an Online-Befra­gun­gen zur TI und deren Anwen­dun­gen oder durch Hos­pi­ta­tio­nen von Gema­tik-Mit­ar­bei­tern im eige­nen Betrieb. Über die Online-Platt­form der Gema­tik kön­nen zum Bei­spiel OT-Betrie­be oder Sani­täts­häu­ser ihre Bereit­schaft für den Besuch von Gema­tik-Mit­ar­bei­tern an­melden und somit Ein­bli­cke in den Ver­sor­gungs­all­tag geben. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen

 

Wie lan­ge dau­ert es von der ­Bestel­lung bis zum funk­tio­nie­ren­den TI-Anschluss?

Nach der drei- bis sechs­mo­na­ti­gen Vor­be­rei­tungs­pha­se geht es, wenn es denn los­geht, schnell. Der TI-Anschluss erfolgt inner­halb weni­ger Wochen. Also zwei bis drei Wochen, dann läuft alles. Lang­wie­rig ist tat­säch­lich die Kartenbeantragung.

Wo bekommt man Hilfe?

Bei uns und bei ande­ren Dienst­leistern. Man soll­te im Vor­feld nicht alles allei­ne machen. Die zuge­las­se­nen Dienst­leis­ter wie die TI-Gate­way-­An­bie­ter sind auf den Inter­net­sei­ten der Gema­tik gelis­tet. Bei der Anpas­sung der Soft­ware wie ERP- bzw. ­Bran­chen­soft­ware soll­ten die Her­steller bzw. Anbie­ter hel­fen können.

Lässt sich jeder Betrieb, jedes Bran­chen­soft­ware- bzw. Praxis­verwaltungssystem (PVS) an die TI anbinden?

Wir bin­den jeden Betrieb an die TI an. Aller­dings wur­de die Vor­ga­be der Gema­tik, dass alle Sys­te­me inter­operabel sein soll­ten, noch nicht voll­stän­dig erreicht. Es wird konti­nuierlich bes­ser, aber das ist ein zäher Pro­zess. Inter­ope­ra­bi­li­tät zwi­schen den Sys­te­men wird in den nächs­ten Jah­ren wei­ter­hin ein The­ma sein. Nach mei­ner Erfah­rung arbei­ten aber alle Soft­ware­her­stel­ler dar­an, ihre Sys­te­me anzu­pas­sen. Auch für älte­re Sys­te­me wer­den Modu­le ent­wi­ckelt, um die TI-Inte­gra­ti­on und Anwen­dun­gen wie bei­spiels­wei­se KIM zu ermöglichen.

Erläu­tern Sie bit­te bei­spiel­haft, wel­che Anpas­sun­gen und Konfi­gurationen bei einem TI-Anschluss nötig sind und wie die Zusammen­arbeit abläuft.

Das ist eine sehr sup­port­auf­wen­di­ge Akti­on. Wenn ein Betrieb sich an uns wen­det, hel­fen wir zuerst auf Wunsch bei der Bean­tra­gung der nöti­gen Aus­wei­se und bera­ten hin­sicht­lich des Equip­ments. Sobald es mög­lich ist, rea­li­sie­ren wir den TI-Anschluss. Danach über­nimmt der Sup­port des Bran­chen­soft­ware­an­bie­ters. Damit die­ser Über­gang rei­bungs­los klappt, pfle­gen wir enge Koope­ra­tio­nen und tre­ten gege­be­nen­falls mit dem Sup­port des Soft­ware­an­bie­ters in Kon­takt. Je nach der TI-Anbin­dung sind Anpas­sun­gen der Bran­chen­soft­ware nötig, um unter ande­rem KIM-Adres­sen ein­zu­rich­ten und zu kon­fi­gu­rie­ren. Gera­de bei gro­ßen Fili­al­be­trie­ben mit eige­ner IT-Abtei­lung ist die fol­gen­de Inte­gra­ti­on ins Netz­werk der Betrie­be kom­plex. Das wird die IT ordent­lich beschäf­ti­gen. Wir sind gera­de dabei, hier­für ein Unter­stüt­zungs­kon­zept zu ent­wi­ckeln, spie­len das mit gro­ßen Häu­sern test­wei­se durch.

Zur Per­son


Foto: Curenect

Ste­phan Los­se ist ­Geschäfts­füh­rer der Curen­ect GmbH mit Sitz in ­Ham­burg. Das Unter­neh­men ist Teil der Opta-Data-Grup­pe und auf die tech­ni­sche Anbin­dung von Leistungs­erbringern im Gesund­heits­we­sen an die TI spe­zia­li­siert. Los­se ist außer­dem Betriebs­lei­ter der DZH Dienst­leis­tungs­zen­tra­le für Heil- und Hilfs­mit­tel­an­bie­ter GmbH, einem ­medi­zi­ni­schen Abrech­nungs­dienst in Hamburg. 

 

Bis­her gibt es für die OT-Betrie­be und Sani­täts­häu­ser kei­ne Refi­nan­zie­rungs­mo­del­le. Müs­sen die Hilfs­mit­tel­leis­tungs­er­brin­ger die Kos­ten selbst tra­gen, wenn sie jetzt schon mit den Vor­be­rei­tun­gen für ihren TI-Anschluss und die eVO begin­nen? Den eBA müs­sen sie nach gegen­wär­ti­gem Stand eh sel­ber zahlen …

Der Spit­zen­ver­band Bund der Kran­ken­kas­sen (GKV-Spit­zen­ver­band) soll­te für den Hilfs­mit­tel­be­reich end­lich eine Refi­nan­zie­rungs­zu­sa­ge tref­fen. Und ja, wer jetzt schon mit­spie­len will, muss der­zeit aus eige­ner Tasche zah­len. Aller­dings war es bei den ande­ren Leis­tungs­er­brin­gern bis­her immer so, dass Aus­ga­ben für die Aus­stat­tung zurück­ge­zahlt wur­den bzw. die monat­li­che Refi­nan­zie­rung für den TI-Anschluss aus­kömm­lich ist.

Wel­che Chan­cen lie­gen Ihrer Mei­nung nach im eVO-Pilot­pro­jekt unter Feder­füh­rung des BIV-OT für den Über­gang von der Papier- zur digi­ta­len Verordnung?

Ich fin­de die Zusam­men­ar­beit aller Betei­lig­ten von den Arzt­pra­xen über Leis­tungs­er­brin­ger und Soft­ware­an­bie­ter bis zu den Kran­ken­kas­sen im Pilo­ten sehr wert­voll. So ein Pro­jekt ist enorm wich­tig, um die eVO auf die rich­ti­ge Bahn zu brin­gen und auch die vie­len Unter­schie­de zum E‑Rezept deut­lich herauszuarbeiten.

Wor­in bestehen die­se Unterschiede?

Ein gro­ßer Unter­schied sind die vie­len rech­nungs­be­grün­den­den Unter­la­gen, die es beim E‑Rezept für Arz­nei­mit­tel nicht gibt, dar­un­ter Maß­kar­ten, Emp­fangs­be­stä­ti­gun­gen und so wei­ter. Auch die häu­fi­gen Kor­rek­tur­pro­zes­se zwi­schen Arzt und Leis­tungs­er­brin­ger sind beson­ders im Ver­gleich zum E‑Rezept. All das vor Scharf­schaltung der eVO mit­zu­den­ken, ist ent­schei­dend. Gute Vor­be­rei­tung ist alles, das gilt genau­so für den TI-Anschluss.

Die Fra­gen stell­te Cath­rin Günzel.

Infor­mie­ren und mitmachen
Updates zum Pilot­pro­jekt eVO für BIV-OT-Mit­glieds­be­trie­be lie­fert der News­let­ter „eVO-Aktu­ell“. Inter­es­sier­te kön­nen sich im Mit­glie­der­be­reich unter dem Menü­punkt News­let­ter anmel­den. Wer sich aktiv betei­li­gen möch­te (zum Bei­spiel Mit­glieds­be­trie­be, Kos­ten­trä­ger oder PVS-Anbie­ter), mel­det sich unter: telematik@biv-ot.org
Die Pro­jekt­lei­tung infor­miert anschlie­ßend über Details. 

 

Tei­len Sie die­sen Inhalt