Nach­ruf auf Heinz-Gün­ther Kemper

Am 21. September verstarb Heinz-Günther Kemper im Alter von 93 Jahren. In seinem Gedenken erinnert im folgenden Nachruf der Ehrenobermeister der Innung Köln, Hans-Werner Willecke, an den beruflichen Werdegang Kempers und gemeinsame Zeiten im Ehrenamt.

Es ist ein Pri­vi­leg, mit Heinz-Gün­ther Kem­per gear­bei­tet, geplant, gestal­tet und wenn nötig auch kon­tro­vers gestrit­ten zu haben. In dank­ba­rer Erin­ne­rung bleibt mir eben­so die rhei­ni­sche Froh­na­tur des dem Kar­ne­val eng ver­bun­de­nen Köl­ners, der die Freu­de am Leben auch ger­ne auf dem Rücken sei­ner Pfer­de genoss.

Heinz-Gün­ther Kem­per gehör­te dem ers­ten Meis­ter­kurs – damals Lehr­gang genannt – an der neu gegrün­de­ten Bun­des­fach­schu­le in Frank­furt an. Das dort ver­mit­tel­te hand­werk­li­che Kön­nen und ortho­pä­die­me­cha­ni­sche Wis­sen waren schon damals der Höchst­stan­dard des Hand­werks für jeden ange­hen­den Meis­ter unse­res Fachs. Mit die­sem Bewusst­sein und dem ent­spre­chen­den Stolz in der Brust ver­spra­chen sich die­ser und nach­fol­gen­de Jahr­gän­ge, ihr Wis­sen stän­dig zu erwei­tern und nicht auf­zu­hö­ren sich fort­zu­bil­den. Dar­aus folg­te die Geburts­stun­de der „Ver­ei­ni­gung ehe­ma­li­ger Bun­des­fach­schü­ler“, heu­te Fort­bil­dungs­ver­ei­ni­gung für Ortho­pä­die­tech­nik e. V. (FOT), deren Vor­sitz Heinz-Gün­ther Kem­per über­nahm. Selbst die soge­nann­ten Alt­vor­de­ren muss­ten dem Wis­sen und Kön­nen der Bufa-Absol­ven­ten Respekt zol­len. Die jun­ge Gar­de woll­te in die Ver­ant­wor­tung, sie woll­te mit­ge­stal­ten, sie woll­te über die Rah­men­be­din­gun­gen im Fach und die Exis­tenz­grund­la­gen ihrer Betrie­be mit­be­stim­men. So war Heinz-Gün­ther Kem­per bald Bun­des­lehr­lings­wart und hat in die­ser Funk­ti­on die Berufs­bil­der von Ortho­pä­die­me­cha­ni­kern und Ban­da­gis­ten und die Aus­bil­dungs- und Prü­fungs­ord­nun­gen sei­ner­zeit maß­geb­lich an den Wis­sens­stand angepasst.

In den Innungs­ver­samm­lun­gen saß schon der jun­ge Heinz-Gün­ther Kem­per immer links vom Vor­stand – stets adrett geklei­det, mit Flie­ge und wür­di­ger Aus­strah­lung, stimm­ge­wal­tig und wort­reich, aber nie laut, immer char­mant und wohl­be­dacht, kei­nem ande­ren Men­schen weh zu tun. So war er stets der unge­krön­te König der Ver­samm­lung, ohne dem Ober­meis­ter die Schau zu steh­len. Als Dele­gier­ter hat er die Innung Köln auch bei den tur­nus­mä­ßi­gen Ver­samm­lun­gen des BIV-OT seri­ös vertreten.

Ende 1981 nahm sich das Köl­ner „Drei­ge­stirn“ um Heinz-Gün­ther Kem­per, Hans-Die­ter Dick­mann und mei­ne Wenig­keit zusam­men mit Rein­hard Roe­ser aus Höx­ter vor, die Ein­kaufs­ge­nos­sen­schaft Sani­täts­haus Aktu­ell zu grün­den – natür­lich in Köln. Gegen die dama­li­ge Kri­tik aus Rei­hen des BIV-OT-Vor­stan­des, vie­ler Kol­le­gen und Lie­fe­ran­ten hieß es sich beharr­lich zu behaup­ten und gesell­schafts­fä­hig zu wer­den. Heu­te kann man sich unser Fach ohne die bestehen­den Leis­tungs­er­brin­ger­ge­mein­schaf­ten gar nicht mehr vorstellen.

Sani­täts­haus Aktu­ell wür­dig­te den Grand­sei­gneur Heinz-­Gün­ther Kem­per als Mann der ers­ten Stun­de nach des­sen akti­ven Aus­schei­dens aus dem Vor­stand mit der Ernen­nung zum Ehrenvorsitzenden.

Heinz-Gün­ther Kem­per wird in vie­len, auch jün­ge­ren Kol­le­gen­her­zen für sei­ne Ver­diens­te um die Ortho­pä­die-Tech­nik immer einen Ehren­platz behalten.

Hans-Wer­ner Wil­le­cke, Ehren­ober­meis­ter der Innung Köln

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