Kein Neben­bei-Job

 Rahm – Zentrum für Gesundheit GmbH aus Troisdorf ge­hört zu den Sanitätshäusern, die bereits in den sozialen Medien aktiv sind. Das Familienunternehmen mit 770 Mitarbeitern und 38 Filialen ist seit 2015 auf Facebook vertreten, nutzt seit Juni 2018 zusätzlich Instagram. Die Inhalte werden von Jasmin Berger betreut. Im Interview berichtet die angestellte Online-Redakteurin, warum So­cial Media eine Vollzeit-Beschäftigung ist und welche In­halte funktionieren.

OT: War­um hat sich die Fir­ma Rahm für Face­book und Insta­gram entschieden?

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Jas­min Ber­ger: Auf Face­book soll­te auf­grund der hohen Reich­wei­te jedes Unter­neh­men ver­tre­ten sein, das in der digi­ta­len Welt mit Kun­den kom­mu­ni­zie­ren und sie von ihren Pro­duk­ten begeis­tern möch­te. Für Insta­gram haben wir uns auf­grund der jün­ge­ren Ziel­grup­pe ent­schie­den, die die­se Platt­form erreicht. Denn wir wol­len die jun­ge Genera­ti­on über die Ange­bo­te eines Sani­täts­hau­ses zum Bei­spiel im Sport­seg­ment und die Arbeit bei uns auf­klä­ren. So dre­hen Azu­bis gera­de kur­ze Fil­me aus ihrem All­tag, die wir auf Insta­gram hoch­la­den. Gestar­tet sind wir mit unse­rem offi­zi­el­len Image­film. Dann haben wir uns Stück für Stück her­an­ge­tas­tet und die Inhal­te erweitert.

OT: Wel­che Zie­le wol­len Sie erreichen?

Ber­ger: Unser Haupt­fo­kus liegt dar­in, mög­lichst vie­le Men­schen über die sozia­len Netz­wer­ke zu errei­chen und als Ansprech­part­ner in allen Belan­gen für sie da zu sein. Dabei steht die Zahl der Fol­lower und Fans nicht an ers­ter Stel­le. Über den Aus­tausch von Ver­sor­gungs­mög­lich­kei­ten, Pati­en­ten­ge­schich­ten, Unter­neh­mens­ab­läu­fen oder Ver­an­stal­tun­gen kann sich eben­so die Chan­ce auf wei­te­re Fach­kräf­te und Mit­ar­bei­ter erge­ben. Zudem sind die Bar­rie­ren im Netz für per­sön­li­chen Kon­takt nied­ri­ger als im Laden. So haben wir beob­ach­tet, dass die Leu­te sich viel eher trau­en nach­zu­fra­gen oder ihre Pro­ble­me anzu­spre­chen. Zusätz­lich ler­nen wir viel über die Bedürf­nis­se der Pati­en­ten und es erge­ben sich auf kur­zem Weg span­nen­de Pro­jek­te. Erst kürz­lich haben wir über Insta­gram die Koope­ra­ti­ons­an­fra­ge einer Selbst­hil­fe­or­ga­ni­sa­ti­on erhal­ten, die Box­trai­ning für kör­per­lich ein­ge­schränk­te und ampu­tier­te Men­schen anbie­tet. Wir prü­fen gemein­sa­me Veranstaltungen.

OT: Wor­in lie­gen die Beson­der­hei­ten des jewei­li­gen Social-Media-Kanals?

Ber­ger: Auf Face­book tref­fen wir immer mehr Leu­te ab 40 plus, die Jün­ge­ren wan­dern zu Insta­gram. Bei Insta­gram kom­men in der Regel emo­tio­na­le Schick­sals­ge­schich­ten von Pati­en­ten, Erfolgs­be­rich­te von Betrof­fe­nen, Auf­nah­men „hin­ter den Kulis­sen“ über die Abläu­fe im Unter­neh­men gut an. Man­che The­men erschei­nen auf bei­den Kanä­len. Denn auch auf Face­book spie­len emo­tio­na­le Postings eine Rol­le. Hier sind jedoch genau­so infor­ma­ti­ve Bei­trä­ge für Pati­en­ten und Kun­den gefragt, unter ande­rem zu künf­ti­gen Ver­an­stal­tun­gen. Wir beob­ach­ten, was die Nut­zer sehen möch­ten und pas­sen die Inhal­te ent­spre­chend an.

OT: Haben Sie auch nega­ti­ve Erfah­run­gen gesammelt?

Ber­ger: Gera­de zu Beginn bedarf es viel Geduld, bis ein Aus­tausch mit den Nut­zern statt­fin­det. Natür­lich muss man auch mit Kri­tik rech­nen und leben. Wird zum Bei­spiel Unmut über Ver­sor­gun­gen geäu­ßert, neh­men wir Kon­takt auf, um den Sach­ver­halt zu klä­ren und eine Lösung zu fin­den. Oft ergibt sich hier­aus aber wie­der eine Chan­ce, zunächst unzu­frie­de­ne Kun­den vom Gegen­teil zu überzeugen.

OT: Wie auf­wän­dig ist die Pfle­ge der Social-Media-Kanäle?

Ber­ger: Das ist kein Neben­bei-Job! Nach mei­nem medi­en- und mar­ke­ting­be­zo­ge­nen Stu­di­um habe ich vor drei Jah­ren die Betreu­ung des Face­book-Accounts über­nom­men, dann kam Insta­gram hin­zu. Jeden Mor­gen schaue ich zuerst in die Kom­men­ta­re, beant­wor­te Fra­gen bzw. hole mir das Fach­wis­sen aus den Abtei­lun­gen. Das muss „zackig“ gehen, denn die Nut­zer erwar­ten rasche Reak­tio­nen. Auch zwi­schen­durch plop­pen Nach­rich­ten von Nut­zern auf. Alle Postings erar­bei­te ich selbst, ent­schei­de über Ver­brei­tungs­we­ge und habe dabei ziem­lich freie Hand. Die meis­ten Fotos und Vide­os neh­me ich mit dem Smart­pho­ne oder dem Tablet auf, dre­he zum Bei­spiel in der Werk­statt den Bau eines Pro­the­sen­schafts. So kann ich das Mate­ri­al sofort bear­bei­ten und ver­brei­ten. Gera­de Insta­gram lebt von der Schnel­lig­keit und der Aktua­li­tät. Wir wol­len zwar kein Hoch­glanz-Image trans­por­tie­ren, trotz­dem soll­ten die Bil­der anspre­chend sein und eine Bot­schaft besit­zen. Eini­ge Auf­nah­men wer­den außer­dem von unse­rer exter­nen Wer­be­agen­tur bei­gesteu­ert. Manch­mal bedie­ne ich mich auch bei Her­stel­lern wie Otto­bock, Medi und Össur, ver­bin­de dies jedoch mit eige­nen Inhalten.

OT: Nach wel­chen Kri­te­ri­en ent­schei­den Sie, was Sie veröffentlichen?

Ber­ger: In Zusam­men­ar­beit mit Mar­ke­ting, Ver­trieb und den Fach­be­rei­chen erstel­le ich Anfang des Jah­res einen gro­ben „Fahr­plan“ und berei­te dem­entspre­chend Inhal­te, Vide­os sowie Bil­der vor. Alles ande­re ergibt sich meist kurz­fris­tig – z. B. Posts über aktu­el­le Ver­an­stal­tun­gen und span­nen­de The­men der Fach­ab­tei­lun­gen. An kom­ple­xe­ren Bei­trä­gen recher­chie­re ich län­ger, ande­re – dar­un­ter inter­es­san­te Ver­sor­gun­gen – stel­le ich ganz spon­tan online. Min­des­tens drei Mal pro Woche lie­fe­re ich neue Inhal­te, nicht sel­ten täglich.

OT: Lohnt sich Social Media für Sani­täts­häu­ser und Orthopädie-Technik-Betriebe?

Ber­ger: Ja, denn es ist wich­tig, dass sich die OT-Unter­neh­men in der digi­ta­len Welt posi­tio­nie­ren. Auf die­sem Weg wer­den neu­ar­ti­ge Kun­den­be­zie­hun­gen geschaf­fen, bestehen­de Bin­dun­gen gestärkt und neue Kon­tak­te geknüpft. So wird Rahm durch das Social-Media-Enga­ge­ment inno­va­ti­ver, moder­ner und zeit­ge­mä­ßer wahr­ge­nom­men. Und wenn ein glück­li­cher Kun­de auf Insta­gram stolz das Foto sei­ner 3D-gedruck­ten Orthe­se teilt bzw. repos­tet, kann das bei uns mit­tel­fris­tig den Ver­trieb sol­cher Pro­duk­te fördern.

OT: Was hat Rahm in Zukunft mit den sozia­len Medi­en vor?

Ber­ger: Wir möch­ten unse­re Auf­trit­te aus­bau­en, die Reich­wei­ten erhö­hen sowie On- und Off­line inten­si­ver zu ver­knüp­fen. Dazu gehört, über unser auf Face­book bewor­be­nes „Ange­bot des Monats“ („Offer Ad“) mehr Leu­te in die sta­tio­nä­ren Filia­len zu locken.

Social-Media-Auf­trit­te von Rahm

Face­book
Insta­gram

Das Inter­view führ­te Cath­rin Günzel.

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