Hei­ne-Hes­sing-Medail­le für Vater und Sohn

Seit 1970 vergibt der Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT) die Heine-Hessing-Medaille an Orthopädie-Techniker, Mediziner und Unternehmer, die sich wie die beiden Namensgeber der Medaille – Johann Georg Heine (1770–1838) und Hofrat Ritter Friedrich von Hessing (1838–1918) – in besonderem Maße um die Entwicklung der Orthopädie-Technik verdient gemacht haben.

Es han­delt sich um die höchs­te Aus­zeich­nung, die der Bun­des­in­nungs­ver­band ver­leiht. Laut Ver­lei­hungs­richt­li­ni­en dür­fen immer nur höchs­tens 15 leben­de Per­so­nen die gol­de­ne Medail­le besit­zen. Der Gesamt­vor­stand des BIV-OT muss mit Drei­vier­tel­mehr­heit in gehei­mer Abstim­mung den Preis­trä­ger gewählt haben.

Zu den bis heu­te 28 Preis­trä­gern gehö­ren mit Max Näder und Hans Georg Näder zwei Per­so­nen, die das Unter­neh­men Otto­bock in zwei­ter und drit­ter Genera­ti­on als Welt­markt­füh­rer in der Hilfs­mit­tel­in­dus­trie eta­bliert haben. Anläss­lich des 100-jäh­ri­gen Fir­men­ju­bi­lä­ums doku­men­tiert die OT ihr Lebens­werk in den fol­gen­den Portraits.

Max Näder

Einer der ers­ten Preis­trä­ger der Hei­ne-Hes­sing-Medail­le ist Dr. Ing. E.h. Max Näder (1915–2009). Der gebür­ti­ge Thü­rin­ger erhielt die­se Aus­zeich­nung 1974 für sei­ne außer­or­dent­li­chen Ver­diens­te um die Orthopädie-Technik.

Max Näder begann 1935 eine Aus­bil­dung zum Kauf­mann und Ortho­pä­die-Mecha­ni­ker in der Fir­ma „Ortho­pä­di­sche Indus­trie GmbH“, die 1919 vom Ortho­pä­die-Mecha­ni­ker Otto Bock zur Ver­sor­gung Kriegs­ver­sehr­ter mit Pro­the­sen und ortho­pä­di­schen Hilfs­mit­teln in Ber­lin gegrün­det wor­den war. Bereits im Jahr 1920 kehr­te die Fir­ma Ber­lin den Rücken zu und zog in die Hei­mat Otto Bocks nach König­see in Thü­rin­gen. Letz­te­res erwies sich nach dem Ende des Zwei­ten Welt­krie­ges als schwie­ri­ger Stand­ort, denn König­see lag in der Sowje­ti­schen Besat­zungs­zo­ne. 1948 erfolg­te die ent­schä­di­gungs­lo­se Ent­eig­nung des pri­va­ten Besit­zes der Fami­lie und der Fabrik in Königs­see durch die Sowje­ti­sche Mili­tär­ad­mi­nis­tra­ti­on. Die Fami­lie über­sie­del­te nach Duder­stadt in die bri­ti­sche Besatzungszone.

Dass die Fir­men­ge­schich­te mit der Ent­eig­nung nicht zu Ende ging, lag wesent­lich an Otto Bocks Schwie­ger­sohn Max Näder, der 1943 Maria Bock gehei­ra­tet hat­te. Um die Kun­den in den west­li­chen Besat­zungs­zo­nen bedie­nen zu kön­nen, grün­de­te Max Näder 1946 zunächst die “Zweig­stel­le Nord“ und 1947 als per­sön­lich haf­ten­der Gesell­schaf­ter und Geschäfts­füh­rer die „Otto Bock Ortho­pä­di­sche Indus­trie KG“ im nie­der­säch­si­schen Duder­stadt. Bis zur Über­ga­be an sei­nen Sohn Pro­fes­sor Hans Georg Näder im Jahr 1990 lei­te­te Max Näder die Firma.

Unter der Füh­rung von Max Näder setz­te Otto Bock inter­na­tio­nal Maß­stä­be und wan­del­te sich vom Her­stel­ler ein­zel­ner Kom­po­nen­ten zum Anbie­ter kom­plet­ter Pro­the­sen­sys­te­me. Als ers­te Fir­ma nutz­te Otto Bock Poly­ure­than-Kunst­stof­fe für die Bein­pro­the­tik und grün­de­te daher 1953 die Toch­ter­fir­ma „Otto Bock Kunst­stoff“. In den 60er-Jah­ren folg­ten die paten­tier­te Erfin­dung der Modu­lar-Bein­pro­the­se und die Ent­wick­lung der myo­elek­tri­schen Arm­pro­the­se. Dar­über hin­aus wag­te Max Näder 1958 mit der Grün­dung der ers­ten Aus­lands­ge­sell­schaft in den USA den Sprung über den gro­ßen Teich und leg­te so die Grund­la­ge für die heu­ti­ge Posi­ti­on des Unter­neh­mens als Welt­markt­füh­rer mit mehr als 6.800 Mit­ar­bei­tern in über 50 Ländern.

Hans Georg Näder

Seit 1990 zeich­net Pro­fes­sor Hans Georg Näder, 1961 in Duder­stadt gebo­ren, für die Erfolgs­ge­schich­te des Fami­li­en­un­ter­neh­mens und Welt­markt­füh­rers in der Medi­zin­tech­nik Otto­bock hauptverantwortlich.

Im Alter von 28 Jah­ren über­nahm er die Fir­men­lei­tung von sei­nem Vater Max Näder, der als Schwie­ger­sohn des Unter­neh­mens­grün­ders Otto Bock von 1947 bis 1990 die Geschi­cke der Fir­ma lei­te­te. Anders als Vater und Groß­va­ter absol­vier­te Hans Georg Näder kei­ne hand­werk­li­che Aus­bil­dung, son­dern stu­dier­te an der Fried­rich-Alex­an­der-Uni­ver­si­tät, Erlan­gen-Nürn­berg, Betriebs­wirt­schafts­leh­re. Vor sei­nem Ein­stieg in das elter­li­che Unter­neh­men mach­te er sich bei diver­sen Aus­lands­prak­ti­ka mit den wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen in Aus­tra­li­en, Frank­reich und den USA ver­traut. Erfah­run­gen, die er in den star­ken Aus­bau der inter­na­tio­na­len Geschäfts­fel­der von Ott­to­bock ein­brin­gen konn­te. Max Näder hat­te die ers­ten Wei­chen für die Inter­na­tio­na­li­sie­rung des Unter­neh­mens bereits gestellt. Unter der Lei­tung von Hans Georg Näder nahm das Unter­neh­men vol­le Fahrt auf

Par­al­lel enga­giert sich Hans Georg Näder seit 1988 für die Paralym­pi­schen Spie­le, deren Haupt­spon­sor der Welt­markt­füh­rer in der Tech­ni­schen Orthopädie/Prothetik seit­her ist. Bei den ers­ten Paralym­pi­schen Spie­len mit Unter­stüt­zung von Otto­bock kamen 1988 vier Tech­ni­ker für die rund 3.000 Paralym­pics-Teil­neh­mer aus 61 Natio­nen zum Ein­satz. Inzwi­schen sind die Paralym­pics zur zweit­größ­ten Sport­ver­an­stal­tung der Welt auf­ge­stie­gen. Ent­spre­chend anspruchs­voll beglei­tet das Unter­neh­men mit einem inter­na­tio­na­len Team von zuletzt rund 100 Tech­ni­kern die etwa 5.000 Ath­le­ten zur Veranstaltung.

Gleich­be­rech­ti­gung und Teil­ha­be ste­hen auch im Mit­tel­punkt der 2015 gegrün­de­ten Otto­bock Glo­bal Foun­da­ti­on. Hans Georg Näder beklei­det seit der Grün­dung den Pos­ten des Vor­sit­zen­den des Kura­to­ri­ums der Stif­tung, die Kin­der in Not mit Hilfs­mit­teln ver­sorgt, um ihnen ein Stück Nor­ma­li­tät und Lebens­qua­li­tät zurückzugeben.

Außer­dem setzt sich Hans Georg Näder auf viel­fäl­ti­ge Wei­se für die Wei­ter­ent­wick­lung der Tech­ni­schen Ortho­pä­die am Stand­ort Deutsch­land ein: zum Bei­spiel von 1990 bis 2017 als Mit­glied des Vor­stan­des der Bun­des­fach­schu­le für Ortho­pä­die-Tech­nik e. V. oder von 2009 bis 2014 als Auf­sichts­rats­mit­glied der Leip­zi­ger Mes­se, die die inter­na­tio­na­le Fach­mes­se der OTWorld ver­an­stal­tet. Zudem enga­giert sich Näder seit 1993 als Mit­glied im Kura­to­ri­um der Initia­ti­ve ’93 Tech­ni­sche Ortho­pä­die, seit 2005 als Hono­rar­pro­fes­sor an der Pri­va­ten Hoch­schu­le Göt­tin­gen und seit 2012 als Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der der Natio­na­len-Anti-Doping-Agen­tur (NADA).

Eben­so unter­stützt er mit Rat und Tat auch Insti­tu­tio­nen jen­seits der Tech­ni­schen Ortho­pä­die: So ist er unter ande­rem Mit­glied des Zen­tra­len Bei­rats der Com­merz­bank AG, Frank­furt am Main seit 1990, Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der der Roh­de AG, Nör­ten-Har­den­berg seit 2001, Mit­glied des Vor­stands ASU/BJU Arbeits­ge­mein­schaft Selb­stän­di­ger Unternehmer/Bundesverband Jun­ger Unter­neh­mer (Regio­nal­kreis Süd­nie­der­sach­sen) und seit 2012 Mit­glied im Kura­to­ri­um der ZNS – Hannelore-Kohl-Stiftung.

Tei­len Sie die­sen Inhalt
Anzeige