Herr Pässler, herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum Landesinnungsmeister in Baden-Württemberg. Wie sind die ersten Tage im Amt bisher verlaufen?
Theodor Pässler: Kurz gesagt, es war kein Leerlauf. Viele Gespräche, viele Themen – und das Gefühl, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, gemeinsam Dinge anzupacken.
Warum haben Sie sich dazu entschieden, sich für dieses Amt zur Wahl zu stellen?
Die Rahmenbedingungen für unsere Branche ändern sich. Dies gilt es nun, nicht nur zu kommentieren oder passiv zu beobachten. Aktives Mitgestalten ist angesagt, in diesem Sinne möchte ich meinen Beitrag leisten – im Sinne unseres Handwerks.
Ihr Vorgänger Armin Zepf hatte das Amt auf eigenen Wunsch nur übergangsweise übernommen. Wären Sie für eine – zum jetzigen Zeitpunkt – längerfristige Besetzung der Position bereit?
Ich habe mich bewusst nicht für ein Übergangsamt beworben. Wenn das Vertrauen da ist und die Rahmenbedingungen passen, bin ich bereit, auch längerfristig Verantwortung zu übernehmen. Wichtig ist mir dabei auch die Förderung junger, engagierter Kolleginnen und Kollegen, sich ehrenamtlich einzubringen – möglichst so lange erfahrene Mitglieder im Vorstand vertreten sind. Nur in einem starken Team ist gute Verbandsarbeit möglich.
Wie funktioniert das Nebeneinander von Beruf und Ehrenamt?
Meine Hauptbeschäftigung erdet mich. Sie sorgt dafür, dass Entscheidungen aus der betrieblichen Realität heraus begründet sind. Gleichzeitig braucht es klare Strukturen, damit Ehrenamt nicht zur Überlastung wird. Diese haben wir mit dem aktuellen Vorstandsteam sowie der Geschäftsstelle, die von Markus Eberlein und seinem Team hervorragend geführt wird.
Welche Ziele möchten Sie in den kommenden drei Jahren erreichen?
Mein Ziel ist kein einzelnes Projekt, sondern eine Kultur: mehr Austausch, mehr Beteiligung, mehr Zusammenhalt, mehr Wertschätzung.
Sie betonen die Bedeutung von Wertschätzung für das Orthopädietechnik-Handwerk und insbesondere für Auszubildende. Wo sehen Sie hier aktuell den größten Handlungsbedarf?
Wertschätzung zeigt sich für mich ganz konkret in fairen Rahmenbedingungen. Unsere Auszubildenden im Gesundheitshandwerk durchlaufen eine sehr anspruchsvolle, vielseitige Ausbildung und tragen früh eine hohe Verantwortung in der Patientenversorgung. Trotzdem werden ihnen Vorteile, die für Studierende selbstverständlich sind, oft verwehrt oder an Altersgrenzen geknüpft. Gleichzeitig verdienen unsere hervorragend ausgebildeten Fachkräfte häufig signifikant weniger als in vielen anderen Branchen – auch des Handwerks. Da stimmt etwas nicht. Wenn wir Nachwuchs gewinnen und halten wollen, müssen Ausbildung, Vergütung und gesellschaftliche Anerkennung deutlich besser zusammenpassen.
Können Sie bitte die drei aus Ihrer Sicht größten Herausforderungen für die Betriebe in Baden-Württemberg nennen?
Unseren Beruf attraktiver zu machen unter wirtschaftlichem Druck, immer noch zunehmender Belastung durch Bürokratie und herausfordernden Situationen mit Kostenträgern – das ist aus meiner Sicht die eine zentrale Herausforderung.
Gibt es Themen, die Sie über die Landesgrenzen hinweg beschäftigen und die Sie – zum Beispiel im Bundesinnungsverband – anpacken möchten?
Viele Themen enden nicht an Landesgrenzen: Vergütungssysteme, Ausbildung, Digitalisierung. Hier sehe ich großen Bedarf an abgestimmtem Vorgehen. Uns aus Baden-Württemberg ist eine enge und konstruktive Zusammenarbeit unserer Landesinnung und unseres Fachverbandes mit einem starken BIV-OT außerordentlich wichtig.
Noch einmal zurück zu Baden-Württemberg und zum Thema Ehrenamt. Wie ist Ihre Innung aufgestellt, und wie sieht es mit dem Nachwuchs in Sachen Ehrenamt aus?
Mein Vorgänger Armin Zepf hat es bei seinem Abschied als Landesinnungsmeister sehr treffend formuliert: „Innungsmitgliedschaft ist Ehrensache.“ Diese Haltung möchte ich weitertragen – und gleichzeitig neue Wege öffnen, damit Engagement zeitgemäß bleibt.
Die Fragen stellte Heiko Cordes.
Theodor Pässler ist seit 2023 Mitglied der Geschäftsführung bei der Sanitätshaus Weinmann GmbH, einem Vollsortimenter mit zehn Standorten im Raum Göppingen und 140 Mitarbeitern. Pässler hat seine handwerkliche Früherziehung vom Vater, einem Schuhtechnikermeister, erhalten. 1999 beendete er seine Ausbildung zum Orthopädietechniker und absolvierte die Meisterprüfung in Stuttgart im Jahr 2005. Anschließend war er als Betriebsleiter tätig. 2023 wurde er in den Vorstand des Fachverbandes Orthopädie-Technik Baden-Württemberg gewählt.
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