Verbände & Politik

Poli­tik beschließt Finanzstabilisierungsgesetz

Dass im Deutschen Bundestag auch raue Töne angeschlagen werden, ist hinlänglich bekannt.

Am heu­ti­gen Frei­tag, 10. Juli, war es erneut so weit. Im Rah­men der drit­ten Lesung des GKV-Bei­trags­satz­sta­bi­li­sie­rungs­ge­set­zes gerie­ten Regie­rungs­ko­ali­ti­on und Oppo­si­ti­on hart anein­an­der. Von „Hohn“ für die Bei­trags­zah­ler über ein „hand­werk­lich schlecht gemach­tes Gesetz“ bis hin zum Vor­wurf, „für den Tod Tau­sen­der Men­schen“ ver­ant­wort­lich zu sein, reich­te die Kri­tik der Opposition.

Letz­te­rer Vor­wurf brach­te der AfD einen Ord­nungs­ruf sowie die Dro­hung von Bun­des­tags­prä­si­den­tin Julia Klöck­ner (CDU) ein, bei wei­te­ren Zwi­schen­ru­fen wäh­rend der Rede­bei­trä­ge die gesam­te AfD-Frak­ti­on aus dem Ple­nar­saal ent­fer­nen zu lassen.

Die Regie­rungs­par­tei­en wie­der­um war­fen der Oppo­si­ti­on vor, nicht ehr­lich zu argu­men­tie­ren. Dr. Chris­tos Pan­ta­zis bei­spiels­wei­se krei­de­te Bünd­nis 90/Die Grü­nen an, dass deren Vor­schlag ein Ein­spar­ziel von mehr als 40 Mil­li­ar­den Euro vor­ge­se­hen hät­te, sie sich nun aber über die ange­streb­ten Ein­spa­run­gen von 18 Mil­li­ar­den Euro beschwerten.

Dass es sich bei dem Gesetz aus­drück­lich nicht um ein Reform­ge­setz hand­le, beton­ten Spre­cher der Regie­rungs­frak­tio­nen mehr­fach. Viel­mehr sei es eine „Not­brem­se“ gegen die aus­ufern­den Kos­ten des GKV-Sys­tems. Auch Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­rin Nina War­ken (CDU), die für ihre Arbeit von der Regie­rungs­ko­ali­ti­on gelobt und von der Oppo­si­ti­on kri­ti­siert wur­de, warb für die Ver­ab­schie­dung des Geset­zes, um die GKV-Finan­zen zu stabilisieren.

Ände­rungs­an­trä­ge abgelehnt

Da die Oppo­si­ti­ons­par­tei­en eine nament­li­che Abstim­mung bean­tragt hat­ten, rief Julia Klöck­ner die Abge­ord­ne­ten gegen 10:49 Uhr zur Stimm­ab­ga­be auf. Sämt­li­che Ände­rungs­an­trä­ge der Oppo­si­ti­ons­par­tei­en wur­den auf Emp­feh­lung des Gesund­heits­aus­schus­ses abgelehnt.

Um 11:12 Uhr wur­de die Abstim­mung been­det – mit einem posi­ti­ven Ergeb­nis für die Minis­te­rin und auch für Bun­des­kanz­ler Fried­rich Merz, der vor der Som­mer­pau­se ein wich­ti­ges Gesetz erfolg­reich durch das Par­la­ment gebracht hat. 318 Abge­ord­ne­te stimm­ten für den end­gül­ti­gen Gesetz­ent­wurf, der bin­nen der ver­gan­ge­nen fünf Tage noch eini­ge Ände­run­gen erfah­ren hat­te. 284 Abge­ord­ne­te stimm­ten dage­gen, vier ent­hiel­ten sich.

Wäh­rend im Reichs­tags­ge­bäu­de das Bei­trags­satz­sta­bi­li­sie­rungs­ge­setz vom Bun­des­tag zur Abstim­mung gebracht wur­de, berie­ten knapp 1,5 Kilo­me­ter ent­fernt im Bun­des­rat die Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter der Län­der eben­falls über das Gesetz. Mög­lich mach­te dies eine Frist­ver­kür­zung, durch die der Bun­des­rat das Gesetz bereits am sel­ben Tag behan­deln konn­te. Die­ser Umstand stieß nicht bei allen Lan­des­po­li­ti­ke­rin­nen und Lan­des­po­li­ti­kern auf Zustimmung.

Den­noch spra­chen sich zu weni­ge Län­der­ver­tre­te­rin­nen und Län­der­ver­tre­ter so deut­lich wie Anke Reh­lin­ger aus dem Saar­land für die Anru­fung des Ver­mitt­lungs­aus­schus­ses durch den Bun­des­rat aus. Die­ser hät­te das Gesetz nicht ver­hin­dern, aber wei­te­re Ände­run­gen her­bei­füh­ren können.

Da die­se Opti­on unge­nutzt blieb, hat das Gesetz das par­la­men­ta­ri­sche Ver­fah­ren pas­siert. Für die Hilfs­mit­tel­bran­che bleibt die aus ihrer Sicht bit­te­re Gewiss­heit, dass der 3‑Pro­zent-Abschlag poli­tisch gewollt, bestä­tigt und nun gesetz­lich ver­an­kert ist. Nach der Ver­kün­dung im Bun­des­ge­setz­blatt ist der Weg für das Inkraft­tre­ten des Geset­zes frei.

Ers­te Reak­tio­nen lie­ßen nicht lan­ge auf sich war­ten: „Das Bei­trags­satz­sta­bi­li­sie­rungs­ge­setz zur Gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) bleibt deut­lich hin­ter dem Not­wen­di­gen zurück und lässt die Chan­ce auf spür­ba­re Ent­las­tun­gen weit­ge­hend unge­nutzt”, erklär­te  Jörg Dittrich, Prä­si­dent des Zen­tral­ver­bands des Deut­schen Hand­werks, nach Ver­ab­schie­dung des Geset­zes im Deut­schen Bun­des­tag. Die Ent­las­tungs­maß­nah­men blie­ben deut­lich hin­ter den Emp­feh­lun­gen der Finanz­kom­mis­si­on Gesund­heit und den berech­tig­ten Erwar­tun­gen von Betrie­ben und Beschäf­tig­ten zurück. Das wie­ge umso schwe­rer, weil die geplan­te Ren­ten­re­form die Alters­si­che­rung zwar zukunfts­fes­ter mache, zugleich aber mit einer kurz­fris­tig deut­li­chen Bei­trags­stei­ge­rung ver­bun­den sei. Die­se Mehr­be­las­tung müs­se durch wei­te­re Refor­men der Sozi­al­ver­si­che­run­gen aus­ge­gli­chen und die Lohn­zu­satz­kos­ten wie­der spür­bar gesenkt wer­den, hieß es in einer Mel­dung des ZDH.

 

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