Verbände & Politik

WvD for­dert Struk­tur­re­for­men statt pau­scha­ler Kürzung

Bürokratie abbauen statt Vergütung kürzen: Beim Parlamentarischen Abend in Berlin formulierte das Bündnis „Wir versorgen Deutschland“ klare Forderungen an die Gesundheitspolitik.

Wer die Bun­des­po­li­tik errei­chen will, der muss nach Ber­lin und dort die Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­ker tref­fen, die am Ende für die Inhal­te von Geset­zen und Ver­ord­nun­gen ver­ant­wort­lich sind. Des­halb lud das Bünd­nis „Wir ver­sor­gen Deutsch­land“ (WvD) am gest­ri­gen Don­ners­tag, 25. Juni, in der Bun­des­haupt­stadt zum Par­la­men­ta­ri­schen Abend und stell­te gemein­sam mit Zukunfts­for­scher Prof. Dr. Tho­mas Druy­en die Ergeb­nis­se der Hilfs­mit­tel­stu­die 2026 vor. Rund 80 Gäs­te aus Poli­tik, Gesund­heits­hand­werk, Home­ca­re, Wis­sen­schaft und Wirt­schaft waren der Ein­la­dung gefolgt und hör­ten sich die Impuls­vor­trä­ge von Druy­en und Kirs­ten Abel, WvD-Gene­ral­se­kre­tä­rin, zum The­ma „Care-Navi­ga­ti­on. Die Zukunft der Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung“ an.

„Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten brau­chen Ori­en­tie­rung in einem Gesund­heits­sys­tem, das immer kom­ple­xer wird. Genau hier liegt eine der größ­ten Stär­ken der Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung, die medi­zi­ni­sche, pfle­ge­ri­sche und sozia­le Ver­sor­gung zu einem ganz­heit­li­chen Betreu­ungs­pfad ver­bin­det, gesund­heit­li­che Risi­ken und dro­hen­de Mobi­li­täts­ein­bu­ßen früh­zei­tig erkennt und prä­ven­tiv ein­greift. Sani­täts­häu­ser, Home­ca­re-Unter­neh­men und ortho­pä­die­tech­ni­sche Betrie­be kön­nen künf­tig viel stär­ker als koor­di­nie­ren­de Part­ner im Gesund­heits­we­sen wir­ken. Doch wie unse­re Stu­die zeigt, behin­dern Büro­kra­tie und feh­len­de Mit­be­stim­mung der Akteu­re gegen­wär­tig die­se Mög­lich­kei­ten der Care-Navi­ga­ti­on, die weit über die Bereit­stel­lung von Pro­duk­ten hin­aus­ge­hen“, sag­te Prof. Druy­en, Prä­si­dent der Opta-Data-Zukunfts-Stif­tung und Direk­tor des Insti­tuts für Zukunfts­psy­cho­lo­gie und Zukunfts­ma­nage­ment (IZZ) der Sig­mund-Freud-Pri­vat-Uni­ver­si­tät in Wien.

Die Hilfs­mit­tel­stu­die 2026 wur­de von der Opta-Data-Zukunfts-Stif­tung gemein­sam mit dem IZZ sowie in Koope­ra­ti­on mit dem Bun­des­in­nungs­ver­band für Ortho­pä­die-Tech­nik (BIV-OT) und dem Ver­band Ver­sor­gungs­qua­li­tät Home­ca­re e. V. (VVHC) durch­ge­führt. Bun­des­weit nah­men rund 1.000 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter aus der Sani­täts­haus- und Home­ca­re-Bran­che teil. „Dass WvD die Ergeb­nis­se der Hilfs­mit­tel­stu­die 2026 in Poli­tik und Bran­che trägt, ist ein wich­ti­ger Schritt auf dem Weg zu einer zukunfts­fä­hi­gen Ver­sor­gung“, erklär­te Druy­en im Rah­men des Par­la­men­ta­ri­schen Abends.

Poten­zia­le nut­zen statt Ver­sor­gung schwächen

Aus Sicht von WvD belegt die Stu­die zugleich, dass die Her­aus­for­de­run­gen der Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung vom Fach­kräf­te­man­gel bis zum demo­gra­fi­schen Wan­del nicht mit undif­fe­ren­zier­ten Ein­spar­maß­nah­men gelöst wer­den kön­nen. „Die Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung arbei­tet seit Jah­ren unter enor­mem wirt­schaft­li­chem Druck. Die Ergeb­nis­se der Stu­die ver­deut­li­chen, dass die Belas­tungs­gren­ze vie­ler Unter­neh­men bereits vor den aktu­el­len Reform­plä­nen erreicht war: Rund 76 Pro­zent der Befrag­ten geben an, dass die bestehen­de Ver­gü­tungs­struk­tur lang­fris­tig die Exis­tenz vie­ler Betrie­be gefähr­det“, erklä­ren die WvD-Gene­ral­se­kre­tä­re Kirs­ten Abel und Dr. Hen­ning Schweer. „Die Fol­gen sind schon heu­te sicht­bar: Bei etwa 56 Pro­zent der befrag­ten Inha­be­rin­nen und Inha­ber wur­den wirt­schaft­lich beson­ders auf­wen­di­ge Ver­sor­gungs­fäl­le bereits bewusst ver­mie­den. Rund 43 Pro­zent der Befrag­ten gaben an, Inno­va­tio­nen nicht umge­setzt zu haben, weil sie wirt­schaft­lich nicht refi­nan­zier­bar waren. Dazu zäh­len bei­spiels­wei­se Inves­ti­tio­nen in High­tech-Pro­duk­ti­on, digi­ta­le Dia­gnos­tik oder IT-Infra­struk­tur. Das sind alar­mie­ren­de Warn­si­gna­le! Wer in die­ser Situa­ti­on pau­scha­le Ver­gü­tungs­kür­zun­gen beschließt, gefähr­det nicht nur die Zukunft vie­ler Betrie­be, son­dern auch die wohn­ort­na­he Ver­sor­gung von Mil­lio­nen Pati­en­tin­nen und Patienten.“

Zugleich mach­ten die Ergeb­nis­se der Stu­die deut­lich, dass die Bran­che ihre Zukunft nicht allein über eine bes­se­re Finan­zie­rung defi­niert. „Die Befrag­ten sehen erheb­li­che Poten­zia­le in einer kon­se­quen­ten Digi­ta­li­sie­rung von Pro­zes­sen, einem spür­ba­ren Büro­kra­tie­ab­bau und einer enge­ren Zusam­men­ar­beit aller Gesund­heits­be­ru­fe. Inves­ti­tio­nen in digi­ta­le Ver­net­zung und eine moder­ne Ver­sor­gungs­steue­rung wür­den Fach­kräf­te ent­las­ten, ihnen wie­der mehr Zeit für die Pati­en­ten­ver­sor­gung geben sowie Unter- und Fehl­ver­sor­gun­gen ver­mei­den und damit lang­fris­tig Kos­ten spa­ren“, so Abel und Schweer.

Kla­rer poli­ti­scher Auftrag

Für das Bünd­nis WvD ergibt sich dar­aus ein kla­rer poli­ti­scher Auf­trag: kei­ne pau­scha­le 3-%-Kürzung aller Ver­sor­gungs­ver­trä­ge in der indi­vi­du­el­len Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung. Statt­des­sen brau­che es Büro­kra­tie­ab­bau, eine kon­se­quen­te Digi­ta­li­sie­rung, mehr Ver­trau­en in die Kom­pe­tenz der Leis­tungs­er­brin­ger und die zügi­ge Ein­füh­rung der elek­tro­ni­schen Hilfs­mit­tel­ver­ord­nung. „Gera­de vor dem Hin­ter­grund einer älter wer­den­den Gesell­schaft, des Anstiegs chro­ni­scher Erkran­kun­gen sowie der poli­tisch gewoll­ten Ambu­lan­ti­sie­rung braucht Deutsch­land eine leis­tungs­fä­hi­ge Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung. Die Hilfs­mit­tel­stu­die 2026 lie­fert dafür nicht nur eine fun­dier­te Bestands­auf­nah­me, son­dern eben­falls kon­kre­te Ansatz­punk­te für die qua­li­täts­ge­si­cher­te Wei­ter­ent­wick­lung des Ver­sor­gungs­sys­tems“, so die WvD-Gene­ral­se­kre­tä­re abschließend.

 

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