Sicher kommunizieren mit KIM

Der nachfolgende Artikel ist ein Gastbeitrag von Dr. Maike Janssen, Produktmanagerin bei der Gematik. In dem Beitrag wird vor allem der E‑Mail-Service „KIM“– kurz für Kommunikation im Medizinwesen – im Rahmen der Telematikinfrastruktur erklärt.
Spätestens im nächsten Jahr binden sich Hilfsmittelerbringende an die Telematikinfrastruktur (TI) an. Digitale Anwendungen machen den Versorgungsalltag dann leichter. Einen Vorteil bringt Orthopädietechnikern schon heute der Maildienst KIM.
Als Teil der „TI-Familie“ können Hilfsmittelerbringende untereinander und mit Einrichtungen anderer Versorgungsbereiche sicher digital kommunizieren. Denn viele andere medizinische und Pflegeeinrichtungen nutzen die Infrastruktur im Gesundheitswesen zum sicheren Informationsaustausch bereits. Sie alle können zum Beispiel mit dem E‑Rezept oder der elektronischen Patientenakte (ePA) arbeiten. Für den direkten Informationsaustausch im Gesundheitswesen stehen außerdem die Kommunikationsdienste KIM und der TI-Messenger zur Verfügung. Während über KIM Standardprozesse und 1‑zu-1-Kommunikation zwischen Gesundheitseinrichtungen asynchron per sicherer Mail laufen, sorgt der TI-Messenger für den schnellen Austausch mit Versicherten. Bereits jetzt können auch orthopädietechnische Betriebe die TI und KIM nutzen. Wer die TI nutzt, kann mit Diensten wie KIM und TI-Messenger den digitalen Austausch mit anderen Leistungserbringenden und Versicherten effizient und sicher gestalten. Zusätzlich ermöglicht es die TI-Anbindung, Verordnungen, Genehmigungen und Versorgungsprozesse schneller, sicherer und digital zu gestalten. Dafür ist eine grundlegende Ausstattung Ihres Betriebs erforderlich.
Ihr Schlüssel zur TI: die Institutionskarte
Um die Telematikinfrastruktur und ihre Anwendungen nutzen zu können, benötigen Sie als Orthopädietechniker eine Institutionskarte, die sogenannte SMC‑B. Ein Heilberufsausweis, wie ihn beispielsweise Ärzte oder Apotheker zusätzlich brauchen, ist in der Regel nicht erforderlich. Ohne die SMC-B-Karte kann keine Verbindung zur TI aufgebaut werden. Durch sie weisen Sie sich als zugelassener Teilnehmer gegenüber der Telematikinfrastruktur aus. Als Gesundheitshandwerker beantragen Sie die SMC‑B bei Ihrer zuständigen Handwerkskammer. Diese arbeitet mit spezialisierten und von uns als Gematik zugelassenen Kartenanbietern zusammen. Sie produzieren die Karten und liefern sie aus. Ihre Handwerkskammer und die Kartenanbieter informieren Sie detailliert über das Antragsverfahren. Bewahren Sie die Institutionskarte und den PIN-Brief bitte gut geschützt vor unbefugtem Zugriff auf. Denken Sie daran, für den Antrags- und Produktionsprozess Zeit einzuplanen, damit Sie die Karte vor dem Installationstermin Ihres TI-Zugangs erhalten und freischalten können.
Die Verbindung zur TI
Den Zugang zur TI selbst gewährt das TI-Gateway. Das ist ein zentraler Zugang ins Netzwerk, den Ihre Einrichtung über ein besonders gesichertes Rechenzentrum nutzen kann. Der Anbieter, mit dem Sie einen Vertrag schließen, ist für Installation, Support und den funktionierenden TI-Zugang zuständig und bietet oftmals ein Komplettpaket inklusive Kartenterminal und KIM-Adresse (beides s. u.) an. Der Vorteil am TI-Gateway ist, dass Sie sich selbst keinen Konnektor mehr anschaffen müssen, der vor Ort steht und betrieben werden muss. Befristete Alternative: Bis maximal Ende 2030 besteht noch die Option, sich stattdessen mit einem solchen Einbox-Konnektor in die TI einzuwählen.
Bindeglied zwischen Versichertenkarte, Institutionskarte und TI-Gateway: das E‑Health-Kartenterminal
In das E‑Health-Kartenterminal stecken Sie einerseits Ihre Institutionskarte, die SMC‑B. Andererseits wird dort auch die elektronische Gesundheitskarte (eGK) eingesteckt, mit der sich Versicherte einer gesetzlichen Krankenkasse im Versorgungskontext identifizieren können. Das Kartenterminal steht in Ihrer Einrichtung und verbindet alle Beteiligten in der TI zum jeweiligen Vorgang. Gegebenenfalls brauchen Sie mehr als eines dieser speziellen Kartenlesegeräte. Konnektor, VPN-Zugangsdienst und E‑Health-Kartenterminal werden in der Regel als „Paket-Lösung“ am Markt angeboten. Ihr IT-Dienstleister unterstützt Sie bei der Auswahl. Um KIM nutzen zu können, benötigen Sie einen E‑Mail-Client. Entweder ist dieser bereits in Ihr Verwaltungssystem integriert oder über ein zusätzliches externes Modul verfügbar. Ob KIM von Ihrem Verwaltungssystem unterstützt wird oder ob Sie sich ein zusätzliches Modul zur sicheren E‑Mail-Kommunikation beschaffen müssen, kann Ihnen Ihr KIM-Anbieter sagen.
So mailen Sie sicher: mit KIM
KIM ist von grundlegender Bedeutung für den sicheren und raschen Datenaustausch innerhalb des Gesundheitswesens. Mit KIM ist es einfacher und schneller, Daten zur Versorgung von Versicherten weiterzugeben. Sofern Sie Ihren KIM-Account nicht im Paket mit dem TI-Gateway (oder Konnektor) erhalten haben, brauchen Sie noch einen Vertrag mit einem KIM-Anbieter. Nach der Registrierung beim Anbieter erhalten Sie von diesem eine eigene E‑Mail-Adresse für KIM. Mit dieser KIM-Adresse werden Sie von anderen Einrichtungen, die die TI nutzen, im zentralen Verzeichnisdienst (VZD) gefunden. Sie können Einrichtungen und Ansprechpersonen ebenfalls darüber finden und sich mit ihnen direkt austauschen. Im VZD, quasi dem Adressbuch der Telematikinfrastruktur, finden Sie nur bestätigte und somit vertrauenswürdige E‑Mail-Adressen aus dem Gesundheitswesen. Mit Stand Mai 2026 sind dort bereits über 210.000 KIM-Adressen in Deutschland hinterlegt. Die sensiblen Gesundheitsdaten sind sicher, denn jede KIM-Nachricht wird automatisch verschlüsselt und signiert. Beim Abruf werden die Nachrichten automatisch für die Empfängerinnen und Empfänger mit dem privaten Schlüssel entschlüsselt und können direkt weiterverarbeitet werden.
Mehrwerte für OTler
Die Kommunikation mit KIM ermöglicht Ihnen die digitale Kommunikation im Gesundheitswesen. Und die bringt einige grundsätzliche Vorteile:
1. Weniger Papierkram: Sichere E‑Mails (KIM) ersetzen Fax und Zettelwirtschaft. Sie haben mehr Zeit für Beratung, Anpassung und Service gegenüber Ihren Kundinnen und Kunden.
2. Schnelle Abstimmung mit Arztpraxis und Krankenkasse: Die Kommunikation über KIM erleichtert und beschleunigt die Abstimmung mit Ärztinnen, Ärzten und Krankenkassen.
3. Bessere Vernetzung im Versorgungsprozess: Das sorgt für transparente Informationen von der Erstberatung bis zur Nachversorgung – immer an dem Ort, wo sich der oder die Versicherte gerade befindet. Die TI-Anbindung wird zudem ab Einführung der elektronischen Verordnung (eVO) zukünftig Voraussetzung dafür sein, Hilfsmittelverordnungen zu empfangen und abzurechnen.
Maike Janssen
Die Gematik stellt weiterführende Informationen sowie eine Checkliste zur TI-Anbindung für Hilfsmittelerbringende zum Download zur Verfügung.
Alle zugelassenen Anbieter von Diensten und Komponenten für die TI finden Sie im Fachportal der Gematik.
Dr. Maike Janssen ist seit August 2025 Produktmanagerin für KIM, den E‑Mail-Dienst der Telematikinfrastruktur, bei der Gematik GmbH. In ihrer Tätigkeit übersetzt sie die Kommunikationsbedürfnisse der verschiedenen Gesundheitseinrichtungen in konkrete Produktanforderungen und erarbeitet „Leitplanken“ für die Zukunft. Dafür greift Janssen auf mehr als 15 Jahre Berufserfahrung als Gründerin, Organisationsberaterin und promovierte Mediensoziologin zurück (Titel der Dissertation: „Digitalisierung im Krankenhaus“), unter anderem in der Charité – Universitätsmedizin Berlin und mit der Not-for-Profit-Beratung Wigwam e. G.
- Zukunftstag: Branche fordert mehr Tempo — 23. Juni 2026
- Ottobock verkauft „Human Mobility“ — 19. Juni 2026
- GOTS-Kongress: Bewegung fördern – aber nicht bis ans Limit — 18. Juni 2026


