AOK-Bun­des­ver­band freut sich auf eSummit

Die OTWorld bekommt 2026 ein neues Format: Der „OTWorld eSummit“ zeigt, wie Digitalisierung in der Hilfsmittelbranche funktioniert. Das Publikum erwarten Live-Demos, Podien, Rundgänge und konkrete Lösungen zur elektronischen Verordnung (eVO). Frank Rudolf, Referent für Heil- und Hilfsmittel beim AOK-Bundesverband, will dort Klartext reden und Diskussionen anstoßen.

Der AOK-Bun­des­ver­band sitzt im eSum­mit-Bei­rat und ist Part­ner des eVO-Pilot­pro­jekts für ortho­pä­di­sche Hilfs­mit­tel unter Feder­füh­rung des Bun­des­in­nungs­ver­ban­des für Ortho­pä­die-Tech­nik (BIV-OT). Im Gespräch mit der OT-Redak­ti­on for­dert er von den Ver­ant­wort­li­chen aus der Poli­tik kla­re Ansa­gen sowie muti­ge Ent­schei­dun­gen und er befür­wor­tet eine Schlank­heits­kur für Pro­zes­se. So hin­ter­fragt er zum Bei­spiel den gene­rel­len Arzt­vor­be­halt bei Verordnungen.

Herr Rudolf, der Stand der Din­ge bei der elek­tro­ni­schen Hilfs­mit­tel­ver­ord­nung wird ein zen­tra­les The­ma des neu­en eSum­mits der OTWorld sein, der unter ande­rem vom AOK-Bun­des­ver­band mit­ge­stal­tet wird. Wie lan­ge ist der AOK-Bun­des­ver­band bereits Part­ner des eVO-Pilotprojekts?

Frank Rudolf: Wir sind schon seit Juni 2023 dabei, im Novem­ber des­sel­ben Jah­res wur­de der for­ma­le Koope­ra­ti­ons­ver­trag geschlos­sen. Neben dem AOK-Bun­des­ver­band sind sechs AOKs mit im Boot: Baden-Würt­tem­berg, Nie­der­sach­sen, Nord­ost, Nord­West, PLUS für Sach­sen und Thü­rin­gen sowie Sach­sen-Anhalt. Wir waren dank­bar, dass der BIV-OT uns gefragt hat. Für uns war wich­tig, von Anfang an mit­zu­wir­ken, damit die Pro­zes­se der Kos­ten­trä­ger eben­falls ein­ge­bun­den wer­den. Es zeich­net die­sen Pilo­ten aus, dass hier alle an einem Strang zie­hen und die elek­tro­ni­sche Hilfs­mit­tel­ver­ord­nung so gestal­ten, dass sie den Ver­sor­gungs­rea­li­tä­ten ent­spricht. Selbst kon­kur­rie­ren­de Soft­ware­un­ter­neh­men koope­rie­ren, um das best­mög­li­che Kon­zept zu entwickeln.

Wel­che zen­tra­len Erkennt­nis­se haben Sie bis­lang aus dem Pilot­projekt gewonnen?

Vor allem zeigt sich, wie ele­men­tar es ist, Pro­zes­se zunächst zu opti­mie­ren und zu ver­ein­heit­li­chen, bevor man sie digi­ta­li­siert. Wer schlech­te Pro­zes­se digi­tal abbil­det, bekommt am Ende nur schlech­te digi­ta­le Pro­zes­se. Des­halb gibt es inzwi­schen einen Vor­stands­auf­trag im AOK-Sys­tem, die Pro­zes­se der elf AOKs zu stan­dar­di­sie­ren. Kei­ne ein­fa­che Auf­ga­be, aber elementar.

TI-Rea­dy? Gema­tik-Check­lis­te mit kom­pak­tem Über­blick zur TI-Anbindung
Eine neue Check­lis­te der Gema­tik unter­stützt Hilfs­mit­tel­leis­tungs­er­brin­ger dabei, sich erfolg­reich an die TI anzu­do­cken. OT-Betrie­be und Sani­täts­häu­ser erfah­ren, was für die Instal­la­ti­on des TI-Zugangs nötig ist. Detail­liert wird auf­ge­lis­tet, wie der Tag des Anschlus­ses vor­be­rei­tet sein muss und am bes­ten orga­ni­siert wird. Zudem gibt es wei­ter­füh­ren­de Links zur Lis­te der zuge­las­se­nen Gerä­te und Anwen­dun­gen, TI-Gate­way-Anbie­tern und ­Anbie­tern des Kom­mu­ni­ka­ti­ons­diens­tes KIM (Kom­mu­ni­ka­ti­on im Medi­zin­we­sen). Ers­ter Ansprech­part­ner sei in der Regel der eige­ne IT-Dienst­leis­ter, wie die Gema­tik betont. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen und Check­lis­te zum Download

 

Wie weit sind denn die AOKs dabei gekom­men – und was ist letzt­lich das Ziel die­ser Standardisierung?

Alle AOKs nut­zen ein­heit­lich die Indi­go-Platt­form für elek­tro­ni­sche Kos­ten­vor­anschlä­ge. Und wir wol­len am Ende kein Papier mehr im Pro­zess haben. Null Papier ist das Ziel. Wir haben immer noch viel zu viel „Ver-Zet­tel­wirt­schaft“. Wir brau­chen kei­ne Unter­schrift per Kugel­schrei­ber, die eh kei­ner lesen kann. Das lässt sich effi­zi­en­ter lösen! Wir wol­len Pro­zes­se mög­lichst auto­ma­ti­siert abbil­den und brau­chen dafür struk­tu­rier­te Daten, die direkt in die Sys­te­me der Kran­ken­kas­sen über­nom­men wer­den kön­nen. PDF-Doku­men­te sind in die­ser Hin­sicht kei­ne ech­te Digi­ta­li­sie­rung, das ist eher Digi­ta­li­sie­rung „zu Fuß“. Wenn Daten stan­dar­di­siert vor­lie­gen, kön­nen Prüf- und Ver­wal­tungs­pro­zes­se auto­ma­ti­siert ablau­fen. Wir wol­len ein Höchst­maß an auto­ma­ti­sier­ten Pro­zes­sen – die­se hei­ßen bei uns „Dun­kel­pro­zes­se“ –, um mit wenig Man- und Wom­an­power aus­zu­kom­men. Denn auch wir sind vom Arbeits­kräf­te­man­gel betrof­fen und wol­len unser Per­so­nal sinn­voll ein­set­zen, um Ver­sor­gungs­qua­li­tät zu ana­ly­sie­ren und zu sichern.

Auf wel­che The­men hat sich das Pilot­pro­jekt zuletzt konzentriert?

Auf die rech­nungs­be­glei­ten­den Pro­zes­se. Wir ent­wi­ckeln gera­de eine gemein­sa­me Idee, wel­che rech­nungs­be­grün­den­den Unter­la­gen nötig sind und wie wir hier­für einen Stan­dard ent­wi­ckeln kön­nen. Dabei befin­den wir uns auf der Zielgeraden.

Geben Sie uns einen klei­nen Vor­aus­blick hin­sicht­lich der Auto­ma­ti­sie­rungs­chan­cen bei die­sen Prozessen?

Per­spek­ti­visch sol­len die rech­nungs­be­grün­den­den Unter­la­gen in einem stan­dar­di­sier­ten XML-For­mat (Exten­si­ble Mark­up Lan­guage, uni­ver­sel­le Spra­che für die hier­ar­chi­sche Dar­stel­lung und Spei­che­rung struk­tu­rier­ter Daten, Anm. d. Red.) in die Abrech­nung gepackt wer­den. Hoch auto­ma­ti­sier­te Abläu­fe, viel schnel­ler als heu­te und mit weni­ger Per­so­nal­auf­wand, sind zum Bei­spiel bei den geneh­mi­gungs­frei­en Hilfs­mit­teln mög­lich. Die kön­nen Leis­tungs­er­brin­ger ohne Kos­ten­vor­anschlag und Geneh­mi­gung abrech­nen – bei den AOKs sind das 80 bis 90 Pro­zent. Doch auch bei Hilfs­mit­teln, die der Geneh­mi­gungs­pflicht unter­lie­gen – wie hoch­funk­tio­nel­le, teu­re Pro­the­sen –, las­sen sich Prüf­me­cha­nis­men auto­ma­ti­sie­ren. Die eVO bie­tet da vie­le Mög­lich­kei­ten, die wir durch den Pilo­ten aus­lo­ten konn­ten. Und da spre­chen wir noch nicht von KI-Anwen­dun­gen! Auf dem OTWorld eSum­mit wer­de ich dar­über berich­ten und ins Detail gehen.

So könnte das Zusammenspiel von elektronischer Verordnung (eVO), elektronischem Kostenvoranschlag (eKVA) und digitaler Rechnungsübermittlung (DTA, Datenträgeraustauschverfahren) laut AOK-Bundesverband aussehen. FHIR ist ein offener, internationaler Standard für den Austausch strukturierter Daten im Gesundheitswesen (Fast Healthcare Interoperability Resources). Grafik: AOK-Bundesverband
So könn­te das Zusam­men­spiel von elek­tro­ni­scher Ver­ord­nung (eVO), elek­tro­ni­schem Kos­ten­vor­anschlag (eKVA) und digi­ta­ler Rech­nungs­über­mitt­lung (DTA, Daten­trä­ger­aus­tausch­ver­fah­ren) laut AOK-Bun­des­ver­band aus­se­hen. FHIR ist ein offe­ner, inter­na­tio­na­ler Stan­dard für den Aus­tausch struk­tu­rier­ter Daten im Gesund­heits­we­sen (Fast Health­ca­re Inter­ope­ra­bi­li­ty Resour­ces). Gra­fik: AOK-Bundesverband

Der AOK-Bun­des­ver­band sitzt auch im Bei­rat des OTWorld eSum­mits, der in die­sem Jahr zum ers­ten Mal statt­fin­det. Was erwar­ten Sie von die­ser Veranstaltung?

Der eSum­mit wird die posi­ti­ve Bri­sanz der Digi­ta­li­sie­rung im Bereich Hilfs­mit­tel und spe­zi­ell des schnel­len Starts der elek­tro­ni­schen Hilfs­mit­tel­ver­ord­nung deut­lich machen: alle war­ten, alle wol­len. Der TI-Anschluss der Hilfs­mit­tel­leis­tungs­er­brin­ger darf nicht noch wei­ter ver­scho­ben wer­den! Hier wird ein Grund­pro­blem bei der Digi­ta­li­sie­rung im Gesund­heits­we­sen in Deutsch­land sicht­bar: Wir hecheln immer hin­ter­her. So wer­den aktu­ell noch TI-Kon­nek­to­ren ver­wen­det, die gar nicht mehr gebraucht wer­den. Der eSum­mit ist wich­tig, um Erfah­run­gen aus dem Pilot­pro­jekt vor­zu­stel­len, gleich­zei­tig neue Ideen zu dis­ku­tie­ren und die Digi­ta­li­sie­rung vor­an­zu­brin­gen. Das gelingt nur, wenn alle Betei­lig­ten mit­ein­an­der spre­chen, Leis­tungs­er­brin­ger, Kos­ten­trä­ger, Soft­ware­an­bie­ter und Poli­tik. Der eSum­mit bie­tet die Mög­lich­keit für einen sol­chen Aus­tausch, weil er die wich­tigs­ten Zukunfts­the­men der Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung behan­delt und einen Über­blick des aktu­el­len Stands bietet.

Wie läuft die Zusam­men­ar­beit im Bei­rat die­ses neu­en Veranstaltungsformats?

Die ist sehr offen! Jede Idee wird gehört, ernst genom­men und wei­ter­ent­wi­ckelt. Das Leip­zi­ger OTWorld-Team um Ant­je Voigt­mann macht einen tol­len Job, schafft den Raum für ein groß­ar­ti­ges Mit­ein­an­der. Die­se Atmo­sphä­re wün­sche ich mir auch für die Ver­an­stal­tung selbst: eine Platt­form, auf der unter­schied­li­che Per­spek­ti­ven zusam­men­kom­men und über Lösun­gen debat­tiert wird. Ich kann nur sagen: Betei­ligt euch, legt nicht die Hän­de in den Schoß und war­tet nicht ab, bis die Gema­tik GmbH, Natio­na­le Agen­tur für Digi­ta­le Medi­zin, Spe­zi­fi­ka­tio­nen veröffentlicht!

Infor­mie­ren und mitmachen
Updates zum Pilot­pro­jekt eVO für BIV-OT-Mit­glieds­be­trie­be lie­fert der News­let­ter „eVO-Aktu­ell“. Inter­es­sier­te kön­nen sich im Mit­glie­der­be­reich unter dem Menü­punkt News­let­ter anmel­den. Wer sich aktiv betei­li­gen möch­te (zum Bei­spiel Mit­glieds­be­trie­be, Kos­ten­trä­ger oder PVS-Anbie­ter), mel­det sich unter: telematik@biv-ot.org. Die Pro­jekt­lei­tung infor­miert anschlie­ßend über Details. 

 

Auf dem eSum­mit wer­den Sie auf dem Podi­um „Digi­ta­li­sie­rung hilft – von der Ver­ord­nung bis zur Abrech­nung“ zu Gast sein. Was möch­ten Sie dort vermitteln?

Ich wer­de dar­stel­len, was wir uns aus Kos­ten­trä­ger­sicht von der eVO und digi­ta­len Pro­zes­sen ver­spre­chen. Gemein­sam mit Micha­el Gel­hard (Opta-Data-Grup­pe Anm. d. Red.) und Kirs­ten Abel (BIV-OT und WvD, Anm. d. Red.) beleuch­ten wir den digi­ta­len Gesamt­pro­zess und zei­gen die Chan­cen für alle Betei­lig­ten auf. Wir geben einen Vor­ge­schmack, wie das Gan­ze funk­tio­nie­ren wird.

Was kön­nen die Teil­neh­mer im Hin­blick auf die eVO dabei Neu­es erfahren?

Vor zwei Jah­ren haben wir auf der OTWorld unter Beweis gestellt, dass der Pro­zess tech­nisch funk­tio­niert, eine eVO zu gene­rie­ren, zu simu­lie­ren und an den Leis­tungs­er­brin­ger zu schi­cken; von des­sen Soft­ware wur­de sie erkannt. Jetzt knüp­fen wir dar­an an: Wel­che Erkennt­nis­se haben wir seit­dem gewon­nen, wie sieht der kom­plet­te Pro­zess bis zur Abrech­nung aus? Wel­che Vor­tei­le erge­ben sich dar­aus? Und wir ver­deut­li­chen den Zuhö­rern und der Poli­tik die Dring­lich­keit: Wir brau­chen jetzt die Rah­men­be­din­gun­gen, es geht alles viel zu lang­sam! Und wir müs­sen muti­ge Fra­gen stellen.

Kön­nen Sie ein Bei­spiel nennen?

Brau­che ich für jede Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung zwin­gend einen Arzt, vor allem bei den pfle­ge­nahen Ver­sor­gun­gen? Wenn nein, wo docke ich das an? Dia­gnos­ti­zie­ren darf nur der Arzt, aber wenn ich „wei­ße Ware“ wie einen Toi­let­ten­stuhl oder eine Geh­hil­fe brau­che – vor allem, weil ich alt bin –, brau­che ich da wirk­lich ein rosa Rezept? Da ist das Pfle­ge­gut­ach­ten doch schon sehr aus­sa­ge­kräf­tig. Selbst bei Pro­the­sen ist die Fra­ge, ob ein Arzt das dia­gnos­ti­zie­ren muss. Pro­the­sen­fä­hig­keit kann ein Ortho­pä­die­tech­ni­ker genau­so gut fest­stel­len. Ob man also in man­chen Berei­chen den Arzt­vor­be­halt abschafft, ande­re Zugän­ge für Pati­en­ten schafft – dar­über will ich gern mit der Ärz­te­schaft, mit der Kas­sen­ärzt­li­chen Bun­des­ver­ei­ni­gung (KBV), in den Dis­kurs gehen. Wie kön­nen wir unse­re Pro­zes­se ver­sor­gungs­rea­ler gestal­ten und ent­schla­cken? Das ist eine zen­tra­le Fra­ge auf dem eSum­mit! Wir wol­len Hemm­nis­se benen­nen und Wege zu ihrer Besei­ti­gung fin­den. Dafür müs­sen wir aber mehr Ver­trau­en inein­an­der haben und nicht hin­ter jeder Leis­tungs­be­stä­ti­gung einen Betrugs­ver­such wittern.

Die Digitalisierung der Hilfsmittelverordnung bietet laut AOK-Bundesverband zahlreiche Chancen. Grafik: AOK-Bundesverband
Die Digi­ta­li­sie­rung der Hilfs­mit­tel­ver­ord­nung bie­tet laut AOK-Bun­des­ver­band zahl­rei­che Chan­cen. Gra­fik: AOK-Bundesverband

Beim eSum­mit wird die kom­plet­te digi­ta­le Ver­sor­gungs­ket­te von der Bean­tra­gung der Zugangs­kar­ten bis zur Abrech­nung live vor­ge­führt. Dafür wird es spe­zi­el­le Rund­gän­ge geben. Was erhof­fen Sie sich davon?

Ich erwar­te, dass die Gema­tik und die Poli­tik sich das anschau­en. Die Fach­ebe­ne aus dem Hilfs­mit­tel­be­reich hat ihr Kom­men schon angekündigt.

Wie pra­xis­taug­lich wird die vor­ge­stell­te Ver­si­on des Pilo­ten sein?

Was bis­her gebaut wur­de, ist praxis­tauglich. Die tech­ni­schen Spe­zi­fi­ka­tio­nen wur­den der Gema­tik ja bereits zur Ver­fü­gung gestellt. Wenn das Fach­kon­zept „Häus­li­che Kran­ken­pfle­ge“ (HKP) mit der eVO HKP umge­setzt ist, was aktu­ell läuft, dann könn­te die Gema­tik sich gern mit der eVO für Hilfs­mit­tel befassen.

Wel­che Strahl­kraft kann der ­eSum­mit für den wei­te­ren Ver­lauf des Pilot­pro­jekts entfalten?

Defi­ni­tiv wird er Schub geben. Durch die Ver­schie­bung der ver­pflich­ten­den Anbin­dung der Hilfs­mit­tel­leis­tungs­er­brin­ger an die TI ist etwas Ernüch­te­rung ein­ge­tre­ten. Der eSum­mit sorgt für neue Kraft und strahlt posi­ti­ve Stim­mung aus! Und viel­leicht geht es mit der eVO für Hilfs­mit­tel doch schnel­ler als gedacht! Das Fach­kon­zept HKP ist vom Grund her eine Blau­pau­se für unse­re eVO, mit ähn­li­cher Phi­lo­so­phie. Wenn die eVO HKP auf dem rich­ti­gen Gleis ist, wirkt sie viel­leicht als Kata­ly­sa­tor und die eVO für Hilfs­mit­tel nimmt Fahrt auf. Wir sind jeden­falls bereit!

Wie kann eine schnel­le Ein­füh­rung der eVO die Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung verbessern?

Die Ver­sor­gung wird cle­ve­rer, schnel­ler, trans­pa­ren­ter und braucht weni­ger Per­so­nal für Rou­ti­nen. Eine Hilfs­mittelversorgung ist oft ein Gesamt­pro­zess. So dau­ert die Ver­sor­gung mit einer myo­elek­tri­schen Arm­pro­the­se heu­te etwa ein Drei­vier­tel­jahr. Mit­hil­fe der siche­ren digi­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mög­lich­kei­ten in der TI kann sich der Kon­takt zwi­schen Arzt, Leis­tungs­er­brin­ger und Kos­ten­trä­ger enorm beschleu­ni­gen – und das Hilfs­mit­tel ist viel eher beim Pati­en­ten. Heu­te wer­den Pati­en­ten oder deren Ange­hö­ri­ge wegen einer Unter­schrift teil­wei­se kilo­me­ter­weit hin und her geschickt. Das muss enden!

Wo muss die Poli­tik noch Lösun­gen fin­den, was muss sie ange­hen, damit sich die­se Hoff­nun­gen erfül­len und die Ein­füh­rung der eVO zum Erfolg wird?

Mehr Mut ist gefragt, Altes infra­ge zu stel­len und kla­re Ansa­gen zu machen! Bis­her fehlt mir ein erkenn­ba­rer poli­ti­scher Plan, Büro­kra­tie zu besei­ti­gen. Die Zahl der Para­gra­fen im Fünf­ten Buch des Sozi­al­ge­setz­buchs (SGB V) hat sich in den letz­ten Jahr­zehn­ten fast ver­drei­facht, ohne dass die Ver­sor­gung bes­ser gewor­den wäre. Ent­we­der will die Poli­tik auch bei der eVO bis ins Kleins­te alles regeln. Dann muss sie genau beschrei­ben, was wir tun sol­len, und das schnell. Oder sie löst das Rege­lungs­kor­sett und ver­traut uns. Mit dem Pilo­ten stel­len wir unter Beweis, dass wir das Büro­kra­tie­mons­ter zäh­men kön­nen und die eVO in den Griff krie­gen. Bis­her sieht Digi­ta­li­sie­rung im deut­schen Gesund­heits­we­sen eher so aus: Wir brau­chen fünf Jah­re, um Tech­no­lo­gien zu imple­men­tie­ren, die zehn Jah­re alt und bereits über­holt sind. Das hat vie­le Res­sour­cen auf­ge­fres­sen. Lasst uns machen, dann geht’s schnel­ler und geschmeidiger!

Die Fra­gen stell­te Cath­rin Günzel

Elek­tro­ni­sche Ver­ord­nung: Gefragt – geklärt

Andre Lyhs, Head of Marketing, ­Sales & Business Development der Curenect GmbH, verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung im Bereich digitaler Anwendungen und Prozesse. Er verantwortete die Projektleitung und das Roll-out für verschiedene Digitalanwendungen im internatio­nalen Umfeld und ist seit 2021 Teil der Opta-Data-Gruppe. Foto: Curenect
And­re Lyhs, Head of Mar­ke­ting, ­Sales & Busi­ness Deve­lo­p­ment der Curen­ect GmbH, ver­fügt über mehr als zehn Jah­re Erfah­rung im Bereich digi­ta­ler Anwen­dun­gen und Pro­zes­se. Er ver­ant­wor­te­te die Pro­jekt­lei­tung und das Roll-out für ver­schie­de­ne Digi­tal­an­wen­dun­gen im internatio­nalen Umfeld und ist seit 2021 Teil der Opta-Data-Grup­pe. Foto: Curenect

Sie haben Fra­gen zur eVO oder zum TI-Anschluss?
In der neu­en Rubrik „Gefragt – geklärt“ im Rah­men unse­rer eVO-Arti­kel­­­rei­he wer­den die­se von Exper­ten beant­wor­tet. Sen­den Sie Ihre Fra­gen an telematik@biv-ot.org, Betreff „Gefragt – geklärt“. Wir freu­en uns darauf!

Die ers­te Fra­ge in unse­rer neu­en Rubrik treibt etli­che Betrie­be um:

Was kos­ten die Instal­la­ti­on des TI-Anschlus­ses und die tech­ni­sche Erstausstattung?

And­re Lyhs: Die Inves­ti­ti­ons­kos­ten für die Erst­aus­stat­tung inklu­si­ve Instal­la­ti­on lie­gen im All­ge­mei­nen zwi­schen 1.500 und 2.000 Euro, je nach Anbie­ter und tech­ni­scher Aus­gangs­si­tua­ti­on. Hin­zu kom­men lau­fen­de monat­li­che Kos­ten von etwa 160 bis 250 Euro. Zur finan­zi­el­len Ent­las­tung zahlt der GKV-Spit­zen­ver­band den ver­schie­de­nen Berufs­grup­pen monat­li­che Erstat­tungs­pau­scha­len. Für den Hilfs­mit­tel­be­reich feh­len hier noch kon­kre­te Zah­len, 2026 sol­len die Gesprä­che dazu star­ten. Bei Aus­wahl des rich­ti­gen Anbie­ters und sorg­fäl­ti­ger Kal­ku­la­ti­on der Kos­ten ist in vie­len Fäl­len eine voll­stän­di­ge Refi­nan­zie­rung möglich. 

 

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