The­ra­pie­bau­stei­ne müs­sen wie Zahn­rä­der ineinandergreifen

Ende Oktober nutzten mehr als 100 Phlebologen, Lymphologen, Orthopädietechniker, Sanitätshaus-Mitarbeiter, Physiotherapeuten und Betroffene das zweitägige 2. Interdisziplinäre Lymphsymposium in Bamberg zum Fachaustausch zu den verschiedenen Perspektiven der Ödemtherapie.

Kon­se­quen­te Ent­stau­ung, beglei­ten­de psy­cho­lo­gi­scher Betreu­ung, aber auch Gewichts­re­duk­ti­on, Sport, Hil­fe zur Selbst­hil­fe und ein Mit­ein­an­der aller Akteu­re füh­re zu einer Stei­ge­rung der Lebens­qua­li­tät von Ödem­pa­ti­en­ten, erklär­ten die Refe­ren­ten aus dem Bereich Phy­sio­the­ra­pie zum Sym­po­si­um: Prof. Dr. Con­stance Dau­bert, Pro­fes­so­rin des Fach­be­reichs Phy­sio­the­ra­pie an der SRH Hoch­schu­le für Gesund­heit, und Hans Prit­schow, Fach­leh­rer für Manu­el­le Lymph­drai­na­ge. Um den Pati­en­ten die best­mög­li­che The­ra­pie zu bie­ten, bedarf es Abspra­chen zwi­schen den Akteu­ren – ganz nach dem Mot­to „mit­ein­an­der statt gegen­ein­an­der“, beton­te Pritschow.

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Medi­zin im Fokus

Dr. med. Gabrie­le Faer­ber vom Zen­trum für Gefäß­me­di­zin in Ham­burg setzt bei ihren Pati­en­ten auf eine keto­ge­ne Ernäh­rung aus koh­le­hy­drat­ar­mer Nah­rung, opti­mier­ter Pro­te­in­zu­fuhr und gesun­den Fet­ten. Die­se Umstel­lung füh­re in 83 Pro­zent aller Fäl­le zu einer Bes­se­rung der Beschwer- den, so die Medi­zi­ne­rin. Dass auch ver­schie­de­ne ope­ra­ti­ve Mög­lich­kei­ten beim chro­ni­schen Lymphö­dem zur Ver­bes­se­rung der Lebens­qua­li­tät bei­tra­gen kön­nen, zeig­te Dr. Kat­rin Sei­den­stü­cker, Lei­ten­de Ärz­tin der Kli­nik für Plas­ti­sche Chir­ur­gie II des Sana Kran­ken­haus Düs­sel­dorf Ben­rath. Lym­pho­lo­gie sei in vie­len Arzt­pra­xen noch eine Rand­er­schei­nung, kri­ti­sier­te Phle­bo­lo­gin und Lym­pho­lo­gin Dr. Inge­lo­re War­sow. Sie plä­dier­te für deut­lich bes­se­re Qua­li­fi­zie­rungs­maß­nah­men für das ärzt­li­che Per­so­nal. Dr. Tobi­as Bertsch, ärzt­li­cher Lei­ter der Föl­dik­li­nik, beton­te, dass es in der Öffent­lich­keit und Ärz­te­schaft vie­le, nicht wis­sen­schaft­lich fun­dier­te Mei­nun­gen gebe. Daher for­de­re er zusam­men mit ande­ren Kol­le­gen einen Para­dig­men­wech­sel in der Lipödemtherapie.

Pati­en­ten bestärken

Aus der Per­spek­ti­ve der Betrof­fe­nen sprach Susan­ne Helm­brecht, Vor­sit­zen­de des Bun­des­ver­bands der Lymph­selbst­hil­fe e. V. Sie erläu­ter­te, wie die Pati­en­ten durch Auf­klä­rung, Empower­ment und Selbst­ma­nage­ment zum Exper­ten für ihre Krank­heit wer­den kön­nen. Eine Lebens­sti­län­de­rung beim Pati­en­ten las­se sich etwa durch moti­vie­ren­de Gesprächs­füh­rung errei­chen. Anstatt die Defi­zi­te her­aus­zu­stel­len, soll­ten Ärz­te und The­ra­peu­ten vor allem die indi­vi­du­el­len Stär­ken der Pati­en­ten för­dern. Lymph­sym­po­si­um The­ra­pie­bau­stei­ne müs­sen wie Zahn­rä­der inein­an­der­grei­fen Um das The­ma Mut dreh­te sich die Prä­sen­ta­ti­on von Pia Boh­len­der und Cor­ne­lia Pan­ten aus der Mar­ke­ting-Abtei­lung der Fir­ma Ofa Bam­berg. Sie stell­ten eine Initia­ti­ve des Unter­neh­mens vor, die Betrof­fe­nen Mut machen soll: Mit dem Hash­tag #Lipö­dem­Mut­ma­cher ver­net­zen sich auf der Social-Media-Platt­form Insta­gram seit 2018 vie­le Lipöd­em­pa­ti­en­tin­nen, die ihr Leben mit der Erkran­kung meis­tern. Sie sei­en Vor­bild für ande­re Betroffene.

Sani­täts­häu­ser und Netzwerkarbeit

Wel­che gesetz­li­chen Grund­la­gen es bei der Ver­ord­nung medi­zi­ni­scher Kom­pres­si­ons­strümp­fe zu beach­ten gilt, erklär­te Ralph Mar­tig, Bereichs­lei­ter Lym­pho­lo­gie im Sani­täts­haus Schaub. Für eine opti­mal ange­pass­te lym­pho­lo­gi­sche Bestrump­fung brau­che es vor allem eine genaue Pla­nung. Dabei müss­ten ver­schie­de­ne Vor­ga­ben und Richt­li­ni­en beach­tet wer­den, wie die Hilfs­mit­tel­richt­li­nie oder Bei­tritts­ver­trä­ge mit Kran­ken­kas­sen. Mit den Wor­ten „Nur Mut“ been­de­te San­dra Völ­ler, Sani­täts­haus­in­ha­be­rin und Mit­glied im Lymph­netz Osna­brück e. V., ihren Vor­trag zur Netz­werk­ar­beit. Zie­hen alle Fach­grup­pen an einem Strang, pro­fi­tie­ren letzt­lich alle davon: Sani­täts­haus, Ärz­te, The­ra­peu­ten, vor allem aber die Pati­en­ten. Letz­te­re genie­ßen im Netz­werk opti­ma­le The­ra­pie­be- din­gun­gen und sol­len stets im Mit­tel­punkt ste­hen. Pati­en­ten soll­ten durch eine gute Ver­sor­gung und Auf­klä­rung moti­viert wer­den, die The­ra­pie kon­se­quent zu ver­fol­gen. Bevor es jedoch an eine Netz­werk­grün­dung gehe, müs­sen wich­ti­ge Fra­gen geklärt sein wie Gesell­schafts­form oder wich­ti­ge Qua­li­täts­kri­te­ri­en, die für alle Mit­glie­der bin­dend sind, erläu­ter­te der Pfle­ge­sach­ver­stän­di­ge Thors­ten Mül­ler in sei­nem Vor­trag. Auch die Haf­tung im Netz­werk müs­se bedacht werden.

Fazit

In der abschlie­ßen­den Podi­ums­dis­kus­si­on waren sich die Teil­neh­mer einig: Wenn alle Akteu­re ein­an­der und den Pati­en­ten die nöti­ge Wert­schät­zung ent­ge­gen­brin­gen und auf Augen­hö­he mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren, las­sen sich die The­ra­pie­be­din­gun­gen und ‑ergeb­nis­se für die Pati­en­ten opti­mie­ren. Denn Ödem­the­ra­pie bedeu­te immer auch, dass ver­schie­de­ne The­ra­pie­bau­stei­ne wie Zahn­rä­der ineinandergreifen.

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