Mehr Ver­ständ­nis fördern

Laut des Statistischen Bundesamts waren 2018 über 13 Millionen Deutsche 70 Jahre oder älter. In den kommenden Jahren wird mit Blick auf die Altersstruktur der Bevölkerung der Bundesrepublik diese Gruppe deutlich wachsen.

Mit dem Alter kom­men oft­mals Krank­hei­ten und Ein­schrän­kun­gen ein­her. Der Jugend fehlt manch­mal der Blick für die­se nicht unwahr­schein­li­che Ent­wick­lung. Damit sich dies in Zukunft bes­sert, haben das Sani­täts­haus Vital aus Hil­den und die Graf-Recke-Stif­tung gemein­sam einen Alters­si­mu­la­ti­ons­an­zug mit dem Namen „AleX“ ent­wor­fen. Der Anzug soll hel­fen, einen Per­spek­tiv­wech­sel zu voll­zie­hen. Wie ist es, an der Augen­krank­heit „Grau­er Star“ zu erkran­ken? Wie fühlt es sich an, wenn den Fin­gern die Geschmei­dig­keit und Kraft fehlt? Signal an die Jugend „Ich war der Über­zeu­gung, dass es gut ist, dass jun­ge Leu­te ein Gefühl dafür bekom­men, wie es ist alt zu sein“, erklärt Pfar­rer Mar­kus Eisele, Theo­lo­gi­scher Vor­stand der Graf-Recke-Stif­tung und Initia­tor des AleX, des­sen Bezeich­nung auf das deutsch-eng­li­sche Wort­paar „Alters-Expe­ri­ence“ zurück­geht, sei­ne Moti­va­ti­on. Gemein­sam mit den Ortho­pä­die-Tech­ni­kern des Sani­täts­haus Vital ent­wi­ckel­te Eisele den Anzug. Dabei war ein biss­chen „um die Ecke den­ken“ nötig, denn nor­ma­ler­wei­se ver­sor­gen die Tech­ni­ker schließ­lich mit dem Ziel einer Mobi­li­sie­rung. Doch mit Hil­fe von Orthe­sen, Wal­kern und Ban­da­gen schaff­ten sie es die Sym­pto­me von Alter und Krank­hei­ten zu imi­tie­ren. Gehol­fen hat dabei auch die Unter­stüt­zung von Her­stel­lern, die Knie­orthe­sen, Wal­ker in ver­schie­de­nen Grö­ßen sowie diver­se Ban­da­gen spen­de­ten. Julia Bis­ter, Pro­jekt­lei­te­rin im Sani­täts­haus Vital, erklärt: „Wir muss­ten ein­fach schau­en, was passt. Zum Bei­spiel haben wir auf eine Ein­schrän­kung der Ellen­bo­gen ver­zich­tet, weil dies unver­hält­nis­mä­ßig gewe­sen wäre.“

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Inha­ber Andre­as Wylen­zek freu­te sich, dass sein Team bei der Ver­wirk­li­chung des Pro­dukts mit­hel­fen konn­te: „Es ist toll, dass Herr Eisele mit die­ser genia­len Idee auf uns zuge­gan­gen ist. Wir haben mit Begeis­te­rung den Anzug in die Tat umge­setzt nach dem Mot­to: Füh­len und Ver­ste­hen. AleX soll für ein bes­se­res Ver­ständ­nis der Genera­tio­nen sor­gen.“ Damit der Anzug auch fach­ge­recht genutzt wer­den kann, gibt es eine Koope­ra­ti­on mit dem Aus­bil­dungs­zen­trum für Phy­sio­the­ra­pie des Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums Düs­sel­dorf. Die Aus­zu­bil­den­den wer­den bei den Test-Ter­mi­nen Hil­fe­stel­lun­gen geben und auch Übun­gen durch­füh­ren. Damit sol­len Tes­ter vie­le rea­le Pro­ble­me nach­stel­len und vor allem auch nach­voll­zie­hen kön­nen. Die Koor­di­na­ti­on der Ter­mi­ne über­nimmt das Sani­täts­haus Vital über die Web­site www.alex-alterssimulation.de.

Erfah­run­gen sol­len Bar­rie­ren abbauen

Zwei Per­so­nen kön­nen AleX gleich­zei­tig aus­pro­bie­ren. Die mit dem Anzug gemach­ten Erfah­run­gen sol­len aber nicht nur jün­ge­re Genera­tio­nen im All­tag auf­merk­sa­mer für die Bedürf­nis­se der älte­ren und ein­ge­schränk­ten Per­so­nen machen, son­dern auch dafür sor­gen, dass Kon­zep­te von Stadt­pla­nern, Poli­ti­kern und Co. neu bedacht wer­den. So berich­tet Pfar­rer Eisele von einer selbst gemach­ten Erfah­rung mit dem Alters­si­mu­la­ti­ons­an­zug: „Ich war in einem Trep­pen­haus, das dun­kel gestri­chen war und eben­so dunk­le Trep­pen hat­te. Es sah schön aus, das hat der Archi­tekt sicher so beab­sich­tigt. Für mich im Anzug war die Situa­ti­on aber unan­ge­nehm. Ich konn­te nicht sehen, wo die Trep­pe anfängt und auf­hört. Einen Auf­zug gab es auch nicht, also kam ich ein­fach nicht ins nächs­te Stock­werk.“ Mit einem grö­ße­ren Ver­ständ­nis für die­se Pro­ble­me erhof­fen sich alle Pro­jekt­teil­neh­mer, dass Hür­den im All­tag schnel­ler abge­baut wer­den und die Bereit­schaft für Maß­nah­men zur Bar­rie­re­frei­heit steigt.

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