Home­ca­re-Kon­gress: Per­spek­ti­ven für die Zukunft

Versorgungsstrukturen zukunftsfähig machen: Wie das aussehen kann, haben Hilfsmittelhersteller, Leistungserbringer sowie Vertreter:innen der Politik, Kostenträger, Krankenhäuser, Ärzteschaft und Pflege beim 8. Homecare-Management-Kongress diskutiert, der – ausgerichtet von der Akademie des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) – in Berlin und digital stattfand.

Per­spek­ti­ven der Gesund­heits­po­li­tik zeig­ten Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te von SPD, CDU und FDP am Vor­abend des Kon­gres­ses bei einer Podi­ums­dis­kus­si­on auf. „Ich hät­te mir gewünscht, dass die Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung eine noch grö­ße­re Rol­le im Koali­ti­ons­ver­trag spielt“, sag­te Mar­ti­na Stamm-Fibich (SPD). „Die­se Lücke müs­sen wir fül­len, dafür set­ze ich mich ein.“ Unter ande­rem wol­le sie eine noch grö­ße­re Trans­pa­renz über das Ver­trags­ge­sche­hen der Kran­ken­kas­sen errei­chen. Diet­rich Mon­stadt (CDU) sprach sich für eine Stär­kung und Wei­ter­ent­wick­lung von Home­ca­re-Leis­tun­gen aus. „Wir alle wol­len mög­lichst lan­ge gesund und selb­stän­dig blei­ben. Die Ver­sor­gung in der Häus­lich­keit bekommt immer mehr Bedeu­tung. Home­ca­re kann hier ein ent­schei­den­der Fak­tor sein, der aber bis­lang zu wenig berück­sich­tigt wur­de.“ Für Prof. Dr. Andrew Ull­mann (FDP) ist die Sicher­stel­lung des For­schungs­stand­orts Deutsch­land von gro­ßer Bedeu­tung. Inno­va­tio­nen – auch im Bereich der Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung – soll­ten sei­ner Mei­nung nach schnel­ler bei Betrof­fe­nen ankommen.

Anzei­ge

Erheb­li­cher Strukturwandel

Der Kon­gress-Vor­mit­tag stand unter dem Mot­to „Ver­sor­gungs­struk­tu­ren zukunfts­fä­hig machen: Wohin soll die Rei­se gehen?“. Dr. Roland Lau­fer von der Deut­schen Kran­ken­haus­ge­sell­schaft (DKG) nahm dabei die Rol­le der Kli­ni­ken in der ambu­lan­ti­sier­ten Ver­sor­gung in den Blick. „Die Kran­ken­haus­pla­nung muss zur sek­to­ren­über­grei­fen­den Ver­sor­gungs­pla­nung wer­den“, for­der­te er. Posi­tiv bewer­tet Lau­fer den Pas­sus im Koali­ti­ons­ver­trag, dass „mul­ti­pro­fes­sio­nel­le, inte­grier­te Gesund­heits- und Not­fall­zen­tren“ aus­ge­baut wer­den sol­len. Damit soll „eine wohn­ort­na­he, bedarfs­ge­rech­te, ambu­lan­te und kurz­sta­tio­nä­re Ver­sor­gung“ gesi­chert werden.

Laut Dr. Bern­hard Gibis von der Kas­sen­ärzt­li­chen Bun­des­ver­ei­ni­gung (KBV) steht die Gesund­heits­ver­sor­gung in Deutsch­land vor einem erheb­li­chen Struk­tur­wan­del. Dazu gehö­ren der tech­ni­sche Fort­schritt, der zu einer wei­te­ren Ambu­lan­ti­sie­rung führt, aber auch der demo­gra­fi­sche Wan­del sowie ver­än­der­te Erwar­tun­gen und Ansprü­che auch der jun­gen Ärzt:innen. „Die­se Ver­än­de­rungs­fak­to­ren bewir­ken eine kon­ti­nu­ier­li­che Neu­aus­rich­tung. Die Zukunft der Ver­sor­gung ist ambu­lant“, beton­te Gibis.

Frank Luca­ßen, Geschäfts­füh­rer von Fre­se­ni­us Kabi und Mit­glied des BVMed-Vor­stands, sieht in den star­ren Sek­to­ren­gren­zen mit ver­schie­de­nen Zustän­dig­kei­ten noch immer die größ­te Her­aus­for­de­rung für den Weg der Patient:innen durch das Sys­tem. Eine bes­se­re Ver­net­zung und die Unter­stüt­zung durch digi­ta­le Tools sei­en die Vor­aus­set­zung für eine zukunfts­ro­bus­te Gesundheitsversorgung.

Digi­ta­li­sie­rung aller admi­nis­tra­ti­ven Prozesse

Im Hilfs­mit­tel­be­reich soll­te der Fokus stär­ker auf die Dienst­leis­tung und weni­ger auf das Pro­dukt gerich­tet wer­den – dafür plä­dier­te Boris von May­dell, Abtei­lungs­lei­ter Ambu­lan­te Ver­sor­gung des Ver­ban­des der Ersatz­kas­sen (VDEK). Hier­aus kön­ne sich auch eine neue Rol­le der Sani­täts­häu­ser erge­ben. May­dell sprach sich für eine Über­prü­fung der admi­nis­tra­ti­ven Pro­zes­se und für eine moder­ne Bera­tung der Ver­si­cher­ten z. B. mit­tels Video aus. „Wir brau­chen eine indi­vi­du­el­le Ver­sor­gung der Ver­si­cher­ten in Abspra­che mit dem Haus­arzt oder –ärz­tin und dem Pfle­ge­dienst.“ Not­wen­dig sei es, alle admi­nis­tra­ti­ven Pro­zes­se zu digi­ta­li­sie­ren, von der elek­tro­ni­schen Ver­ord­nung über digi­ta­le For­mu­la­re bis hin zur bereits eta­blier­ten elek­tro­ni­schen Abrechnung.

„Home­ca­re-Ver­sor­ger und Her­stel­ler im Dia­log“ gehör­te zu den Dis­kus­si­ons­the­men am Nach­mit­tag. Für Ulrich Zih­la, Geschäfts­füh­rer Hart­mann Deutsch­land, muss es im Fokus der Unter­neh­men ste­hen, Inno­va­tio­nen zu ent­wi­ckeln und effi­zi­en­te Lösun­gen anzu­bie­ten, „die Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten sowie Leis­tungs­er­brin­gern wirk­lich einen Vor­teil brin­gen“. Dr. Alex­an­der Moscho, Chief Ope­ra­ting Offi­cer (COO) bei der GHD Gesund­heits GmbH, plä­dier­te dafür, eine neue Form der Zusam­men­ar­beit zu fin­den und sek­to­ren­über­grei­fen­de Kon­zep­te zu ent­wi­ckeln. Auf­grund des zuneh­men­den Man­gels an Pfle­ge­kräf­ten stün­den die Home­ca­re-Unter­neh­men mit ihrem qua­li­fi­zier­ten und spe­zia­li­sier­ten Pfle­ge­per­so­nal in der beson­de­ren Ver­ant­wor­tung, Lösun­gen anzubieten.

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