Das war das Jahr 2023

Das Jahr 2023 neigt sich dem Ende zu. Grund genug, die vergangenen Monate noch einmal Revue passieren zu lassen. Wir mussten uns von vielen Größen des Fachs verabschieden, die das Bild der heutigen Technischen Orthopädie maßgeblich mitgezeichnet haben. Sie werden nicht vergessen und ihre Ideen leben heute in der täglichen Arbeit weiter. Nach den Corona-Jahren waren die Veranstaltungskalender wieder prall gefüllt, und der internationale wie nationale Austausch beflügelt die Branche bei den Herausforderungen der Zukunft.

Auch berufs­po­li­tisch betrach­tet geht ein inten­si­ves Jahr vor­bei. Mit der ein­sei­ti­gen Abschaf­fung der Prä­qua­li­fi­zie­rung zuguns­ten von Apo­the­ken muss­te die Bran­che einen Schlag ein­ste­cken. Wie es bei dem gro­ßen The­ma Reform aus­geht, ist der­zeit noch nicht abzu­se­hen. In Ber­lin wer­den daher ste­tig die For­de­run­gen aus der Bran­che bei der Poli­tik vor­ge­bracht – ganz nach dem Mot­to „Ste­ter Trop­fen höhlt den Stein“. Und auch wenn die OTWorld erst im Mai 2024 auf dem Pro­gramm steht – hin­ter den Kulis­sen wur­de bereits in den ver­gan­ge­nen Wochen und Mona­ten mit hoher Inten­si­tät an einer erfolg­rei­chen Umset­zung für Welt­kon­gress und Welt­leit­mes­se gear­bei­tet. Lesen Sie im Fol­gen­den, was die Bran­che bewegte.

Anzei­ge

Der lang­jäh­ri­ge Prä­si­dent des Zen­tral­ver­ban­des des Deut­schen Hand­werks (ZDH), Hans Peter Wolls­ei­fer, ist in Ber­lin fei­er­lich ver­ab­schie­det wor­den. Bei dem Fest­akt am 25. Janu­ar mit rund 250 gela­de­nen Gäs­ten aus Poli­tik und Wirt­schaft ließ Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter Stein­mei­er dem ehe­ma­li­gen Prä­si­den­ten, der dem ZDH von 2014 bis 2022 vor­stand, durch sei­ne Lau­da­tio eine beson­de­re Aner­ken­nung zuteil­wer­den. Beim Deut­schen Hand­werks­tag in Augs­burg am 8. Dezem­ber 2022 wur­de Jörg Dittrich als sein Nach­fol­ger gewählt.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (2. v. r.) würdigte Hans Peter Wollseifers (Mitte) herausragendes Engagement als ZDH-Präsident im Rahmen des Festaktes in Berlin. Gebührend verabschiedet wurde dieser dort auch von ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke (l.), Steinmeiers Ehefrau Elke Büdenbender und seinem Nachfolger Jörg Dittrich (r.).
Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter Stein­mei­er (2. v. r.) wür­dig­te Hans Peter Wolls­ei­fers (Mit­te) her­aus­ra­gen­des Enga­ge­ment als ZDH-Prä­si­dent im Rah­men des Fest­ak­tes in Ber­lin. Gebüh­rend ver­ab­schie­det wur­de die­ser dort auch von ZDH-Gene­ral­se­kre­tär Hol­ger Schwanne­cke (l.), Stein­mei­ers Ehe­frau Elke Büden­ben­der und sei­nem Nach­fol­ger Jörg Dittrich (r.). Foto: ZDH/Boris Trenkel

„Wir ehren mit Hans Peter Wolls­ei­fer heu­te einen Hand­werks­meis­ter, Fami­li­en­un­ter­neh­mer und Ver­bands­po­li­ti­ker, der für all das steht, was wir in die­ser Zeit des Umbaus so drin­gend benö­ti­gen: Tra­di­ti­ons­be­wusst­sein und Wand­lungs­fä­hig­keit, Unter­neh­mer­geist und Ver­ant­wor­tungs­be­reit­schaft, Boden­stän­dig­keit und Welt­of­fen­heit, Mut und Zuver­sicht. […] Es ist auch das Ver­dienst von Hans Peter Wolls­ei­fer, dass die beruf­li­che Bil­dung immer mehr zum gleich­wer­ti­gen Bil­dungs­weg neben dem Stu­di­um gewor­den ist. […]“, hono­rier­te Stein­mei­er die Leis­tun­gen Wollseifers.

Auf­takt für die OTWorld

Die Freu­de dar­über, dass die Arbeit für die OTWorld vom 14. bis 17. Mai 2024 gestar­tet ist, war den Mit­glie­dern des Pro­gramm­ko­mi­tees des OTWorld-Kon­gres­ses 2024 anzu­mer­ken. Sie tra­fen sich am 1. Febru­ar auf Ein­la­dung des Ver­an­stal­ters, der Con­fairm­ed GmbH, zur kon­sti­tu­ie­ren­den, hybri­den Sit­zung in Dort­mund. Das Gre­mi­um, bestehend aus nam­haf­ten Expert:innen aus Hand­werk, Medi­zin und Wis­sen­schaft, dis­ku­tier­te die The­men­vor­schlä­ge für die Sym­po­si­en und Key­notes – aus dem Spek­trum der tra­di­tio­nel­len Kern- sowie der dies­ma­li­gen Fokus­the­men Kin­der-/Ju­gend- und Neuroorthopädie.

Zur Festlegung der Themen für das wissenschaftliche Programm des OTWorld-Kongresses 2024 trafen sich die Mitglieder des Programmkomitees auf Einladung von Antje Feldmann (5. v. l.), Georg Blome (3. v. r.) und Sahra Iking (2. v. r.) in Dortmund im Rahmen ihrer konstituierenden Sitzung.
Zur Fest­le­gung der The­men für das wis­sen­schaft­li­che Pro­gramm des OTWorld-Kon­gres­ses 2024 tra­fen sich die Mit­glie­der des Pro­gramm­ko­mi­tees auf Ein­la­dung von Ant­je Feld­mann (5. v. l.), Georg Blo­me (3. v. r.) und Sahra Iking (2. v. r.) in Dort­mund im Rah­men ihrer kon­sti­tu­ie­ren­den Sit­zung. Foto: Confairmed

Ger­ne ergreift Kon­gress­prä­si­dent Prof. Dr. med. Tho­mas Wirth, Kin­der- und Jugen­d­or­tho­pä­die vom Kli­ni­kum Stutt­gart, die Gele­gen­heit, bei der kom­men­den OTWorld den kin­der­or­tho­pä­di­schen Inhal­ten einen brei­te­ren Raum zuteil­wer­den zu las­sen. Nicht zuletzt, weil „unser Fach momen­tan vor die Wand gedrückt ist“, wie Wirth bei der Eröff­nung der Komi­tee­sit­zung sein Her­zens­an­lie­gen unter­strich. Sein Amts­kol­le­ge in der inter­pro­fes­sio­nel­len prä­si­dia­len Dop­pel­spit­ze, Dipl.-Ing. (FH) Ingo Pfef­fer­korn von OT Schar­pen­berg in Ros­tock, reg­te an, beim Bran­chen­treff 2024 in Leip­zig außer­dem auf die Mate­ri­al­for­schung ein wei­te­res Augen­merk zu legen.

Vier Tage lang – vom 1. bis 4 Febru­ar –stell­ten Reha­kind, die Ver­ei­ni­gung für Kin­der­or­tho­pä­die (VKO), die Gesell­schaft für Neuropä­diatrie (GNP) und die Deut­sche Gesell­schaft für Sozi­al­päd­ia­trie und Jugend­me­di­zin (DGSPJ) Anfang Febru­ar die Belan­ge von Men­schen mit Cere­bral­pa­re­se in den Mit­tel­punkt des Focus-CP-Reha­kind-Kon­gres­ses. Ein vier­zü­gi­ges Pro­gramm bot Betrof­fe­nen und ihren Ange­hö­ri­gen sowie Vertreter:innen aus Medi­zin, Phy­sio­the­ra­pie, Ortho­pä­die-Schuh­tech­nik und Ortho­pä­die-Tech­nik viel Input zu aktu­el­len Ver­sor­gungs­fra­gen und For­schungs­in­hal­ten sowie prak­ti­sche Tipps für den All­tag. Das Spek­trum reich­te dabei von hoch­kom­ple­xen und fach­li­chen Vor­trä­gen zu Spe­zi­al­ge­bie­ten der Medi­zin bis zu einer Qua­si-Rechts­be­ra­tung durch den Anwalt und Reha­kind-Vor­sit­zen­den Jörg Hack­stein. „Nur eine star­ke Stim­me wird gehört. Daher liegt die Beto­nung des Kon­gres­ses auf gemein­sam“, sag­te Reha­kind-Geschäfts­füh­re­rin Chris­tia­na Hen­ne­mann im Rah­men der offi­zi­el­len Eröffnungsfeier.

Am 6. Febru­ar wur­de die Welt – im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes – erschüt­tert. Bei einer Serie von schwe­ren Erd­be­ben im Süden der Tür­kei und im Nor­den Syri­ens sind ins­ge­samt rund 57.000 Tote zu bekla­gen und meh­re­re Mil­lio­nen Men­schen ohne Unter­kunft in die­ser Zeit. Die Bun­des­re­gie­rung hat eine Unter­stüt­zung von mehr als 100 Mil­lio­nen Euro zuge­sagt. Auch die Medi­zin­pro­duk­te- und Phar­ma-Ver­bän­de BAH, BPI, VFA, Pro Gene­ri­ka, der Phar­go, BVMed, Spec­ta­ris und Euro­com haben sich zusam­men­ge­tan und unter­stüt­zen gezielt das Hilfs­werk Action Medeor.

Meis­ter­lich

Am 24. Febru­ar war es für die Meisterschüler:innen der Bun­des­fach­schu­le für Ortho­pä­die-Tech­nik (Bufa) so weit: Im Rah­men eines fei­er­li­chen Fest­akts erhiel­ten die 48 Absolvent:innen ihre Meis­ter­ur­kun­de. „Ich habe 24 Stun­den am Tag an sie­ben Tagen in der Woche nur an die Ortho­pä­die-Tech­nik gedacht und jeden Moment genos­sen“, schil­der­te Alex­an­dra Reim, Klas­sen­spre­che­rin des Jahr­gangs, die letz­ten Mona­te ihrer Aus­bil­dung zur OT-Meisterin.

Wie kann ein natio­na­les Regis­ter zur Behand­lung und Ver­sor­gung von Men­schen mit Bein­am­pu­ta­ti­on eta­bliert wer­den? Die­ser Fra­ge geht seit 2020 das Medi­zi­nisch-Tech­ni­sche Kom­pe­tenz­zen­trum für Ortho­pä­die-Tech­nik Hei­del­berg-Stutt­gart nach. Unter Feder­füh­rung des Fraun­ho­fer IPA und der Ortho­pä­di­schen Uni­ver­si­täts­kli­nik Hei­del­berg fand am 6. März am Kli­ni­kum ein hoch­ka­rä­tig besetz­ter Work­shop mit den Prot­ago­nis­ten und betei­lig­ten Ver­bund­part­nern aus in Baden-Würt­tem­berg ansäs­si­gen OT-Betrie­ben statt.

Der Ver­band Ver­sor­gungs­qua­li­tät Home­ca­re e. V. (VVHC) trat Anfang März dem Bünd­nis der Hilfs­mit­tel­leis­tungs­er­brin­ger „Wir ver­sor­gen Deutsch­land“ (WvD) bei. Der VVHC wird damit zukünf­tig zusam­men mit dem Bun­des­in­nungs­ver­band für Ortho­pä­die-Tech­nik, der Egroh-Ser­vice GmbH, der Ortheg eG, der Reha-Ser­vice-Ring GmbH, der Reha­vi­tal Gesund­heits­ser­vice GmbH sowie der Sani­täts­haus Aktu­ell AG Teil der Inter­es­sen­ver­tre­tung der Hilfs­mit­tel­bran­che gegen­über der Poli­tik sein. „Wir erach­ten es als äußerst wich­tig“, so Nor­bert Bert­ram, VVHC-Geschäfts­füh­rer, „dass die Hilfs­mit­tel­bran­che mit ihren viel­fäl­ti­gen Ver­sor­gungs­struk­tu­ren gemein­sam in einen offe­nen und kon­struk­ti­ven Dia­log mit der Poli­tik ein­tritt. Wir möch­ten das Bewusst­sein für die Bedeu­tung der Home­ca­re- und Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung in den ambu­lan­ten Ver­sor­gungs­struk­tu­ren wei­ter stär­ken und dazu unse­ren Teil in der Gemein­schaft von ‚Wir ver­sor­gen Deutsch­land‘ beitragen.“

Otto­bock erwei­ter­te mit dem Zukauf der Ortho­pä­die Bril­lin­ger GmbH & Co. KG sein Ver­sor­gungs­netz­werk. Das gab das Duder­städ­ter Unter­neh­men Anfang März offi­zi­ell bekannt. Bril­lin­ger wur­de bereits 1865 gegrün­det und hat seit­dem den Haupt­sitz des Unter­neh­mens in Tübin­gen. Zehn Ver­sor­gungs­zen­tren und Sani­täts­häu­ser in sechs Städ­ten in Baden-Würt­tem­berg gehö­ren zum Unter­neh­men. 2022 hat Bril­lin­ger einen Umsatz von knapp 30 Mil­lio­nen Euro erzielt und beschäf­tigt rund 275 Mitarbeiter:innen.

Expo­li­fe brach­te Bran­che zusammen

Vom 16. bis 18. März traf sich die Bran­che in Kas­sel im Rah­men der Expo­li­fe, um sich Neu­hei­ten vor­füh­ren zu las­sen, Ideen aus­zu­tau­schen und vor allem, um gute Gesprä­che zu füh­ren. 2021 war die Prä­senz-Mes­se noch der Coro­na-Pan­de­mie zum Opfer gefal­len, zwei Jah­re spä­ter trau­ten sich die Men­schen, wie­der auf Tuch­füh­lung zu gehen. An den Mes­se­stän­den der ins­ge­samt 214 Aus­stel­ler kam vor allem das tech­nisch inter­es­sier­te Fach­pu­bli­kum auf sei­ne Kos­ten. In die Hand neh­men, aus­pro­bie­ren und auch kri­tisch hin­ter­fra­gen waren aus­drück­lich erwünscht und erlaubt. Vie­le Anwender:innen waren vor Ort und zeig­ten die Vor­tei­le der jewei­li­gen Ver­sor­gun­gen anhand von Demons­tra­tio­nen. Und wer es ganz genau wis­sen woll­te, für den gab es an dem einen oder ande­ren Stand einen Inbus-Schlüs­sel zum selbst Hand anlegen.

Messebesucher:innen schauen sich einen Stand zum Thema orthopädische Einlagen auf der Messe Expolife 2023 in Kassel an.
Expo­li­fe 2023: Gute Stim­mung herrsch­te an den Stän­den, an denen die Prak­ti­ker die Pro­duk­te der Aus­stel­ler genau in Augen­schein neh­men konn­ten. Foto: AVR GmbH/Harry Soremski

„Unser der­zei­ti­ges Ver­sor­gungs­sys­tem mit sei­nem Wirr­warr aus über 1.000 Ein­zel­ver­trä­gen zwi­schen Kos­ten­trä­gern und Leis­tungs­er­brin­gern krankt an über­bor­den­der Büro­kra­tie, man­geln­der Trans­pa­renz für die Ver­si­cher­ten und einem Wett­be­werb, der zu Las­ten der Qua­li­tät und ganz­heit­li­chen Ver­sor­gung geht“, erklär­ten Kirs­ten Abel und Patrick Gru­n­au, Gene­ral­se­kre­tä­re des Bünd­nis­ses „Wir ver­sor­gen Deutsch­land“ (WvD). Des­halb ver­öf­fent­lich­te WvD sein Posi­ti­ons­pa­pier „Ver­sor­gung sichern“. „Wir for­dern das Sys­tem der Ein­zel­ver­trä­ge durch Leit­ver­trä­ge zu erset­zen, die zwi­schen den Kos­ten­trä­gern und maß­geb­li­chen Spit­zen­or­ga­ni­sa­tio­nen der Leis­tungs­er­brin­ger ver­han­delt wer­den“, so Gru­n­au und Abel wei­ter. Dies ermög­li­che ein­heit­li­che Rah­men­be­din­gun­gen und über­prüf­ba­re Stan­dards in der Ver­sor­gung, Abrech­nung und Digi­ta­li­sie­rung. Auf einen Schlag wür­den so die Büro­kra­tie­kos­ten gesenkt und die Ver­sor­gungs­leis­tun­gen für die Ver­si­cher­ten trans­pa­ren­ter. Frei­wer­den­de Res­sour­cen könn­ten dann in die Ver­sor­gung der Patient:innen sowie ein effek­ti­ves Qua­li­täts-Con­trol­ling durch die Kos­ten­trä­ger fließen.

Die Leis­tungs­er­brin­ger­ge­mein­schaf­ten Ortheg und Egroh ver­kün­de­ten Ende April, dass sie – vor­be­halt­lich der Zustim­mung ihrer jewei­li­gen Mit­glieds­be­trie­be – zukünf­tig gemein­sa­me Wege gehen wollen.

ISPO traf sich in Mexiko

Der Welt­kon­gress der Inter­na­tio­nal Socie­ty for Pro­sthe­tics and Ortho­tics (ISPO) fand in die­sem Jahr vom 24. bis 27. April 2023 im Kon­gress­zen­trum „Expo“ im mexi­ka­ni­schen Gua­d­a­la­ja­ra statt und zog Fach­leu­te, For­scher und Bran­chen­füh­rer aus der gan­zen Welt an. Pri­mä­res Ziel war es, den Aus­tausch von Wis­sen und Inno­va­tio­nen auf dem Gebiet der Pro­the­tik und Orthe­tik zu för­dern. Ent­spre­chend kon­zen­trier­te sich das Pro­gramm auf die wis­sen­schaft­li­chen Inhal­te. Die Indus­trie­aus­stel­lung sprach ins­be­son­de­re die Prak­ti­ker an, führ­te aber eben­falls den Wis­sen­schaft­lern vor Augen, dass ihre For­schung irgend­wann auch „an den Men­schen muss“. Ins­ge­samt 13 deut­sche Start-ups, Ent­wick­ler, Ver­bän­de und Her­stel­ler waren erneut mit dem vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Kli­ma­schutz und der AUMA geför­der­ten „Deut­schen Pavil­lon“ im Rah­men der Indus­trie­aus­stel­lung am Start und konn­ten Pro­dukt­ideen und Inno­va­tio­nen präsentieren.

Die nie­der­säch­si­sche Lan­des­haupt­stadt Han­no­ver war Anfang Mai Schau­platz des Kon­gres­ses des deut­schen Able­gers der Inter­na­tio­na­len Gesell­schaft für Pro­the­tik und Orthe­tik (ISPO). Die moder­nen Räum­lich­kei­ten des Nie­der­säch­si­schen Zen­trums für Bio­me­di­zin­tech­nik und Implan­tat­for­schung und Ent­wick­lung (NIFE) boten den über 140 Teil­neh­men­den einen wür­di­gen Rah­men, denn das Kon­gress­pro­gramm hat­te vie­le Vor­trä­ge, die am Puls der Zeit der Tech­ni­schen Ortho­pä­die in Deutsch­land und dar­über hin­aus waren und die aktu­el­len Ent­wick­lun­gen des Fachs Rech­nung tru­gen. Die Dop­pel­spit­ze aus Prof. Frank Bra­atz, Pri­va­te Hoch­schu­le Göt­tin­gen und Vor­sit­zen­der der Ver­ei­ni­gung Tech­ni­sche Ortho­pä­die (VTO), und Gast­ge­be­rin Dr. Jen­ni­fer Ernst, Medi­zi­ni­sche Hoch­schu­le Han­no­ver, hat­te als wis­sen­schaft­li­che Lei­tung des Kon­gres­ses groß­ar­ti­ge Arbeit abge­lie­fert und nam­haf­te Referent:innen geladen.

Reu­ter und May­er bestätigt

Ein­stim­mig bestä­tig­ten die Dele­gier­ten in der Ver­samm­lung am 23. Mai 2023 in Dort­mund Alf Reu­ter als Prä­si­dent und Albin May­er als Vize­prä­si­dent des Bun­des­in­nungs­ver­ban­des für Ortho­pä­die-Tech­nik (BIV-OT) für die Amts­pe­ri­ode 2023 bis 2026. Bei­de füh­ren seit März 2020 den Spit­zen­ver­band des Hand­werks und kan­di­dier­ten zur tur­nus­ge­mä­ßen Wahl erneut. Die Dele­gier­ten stimm­ten mit gro­ßer Mehr­heit für die wei­te­ren sie­ben Vor­stands­mit­glie­der, die zur Wie­der­wahl ange­tre­ten waren: Mat­thi­as Bau­che, Joa­chim Glotz, Lars Grun, Lars Jäger, Tho­mas Münch, Andre­as Rulit­sch­ka sowie Micha­el Schä­fer. Neu im nun zehn­köp­fi­gen Vor­stand des BIV-OT ist Petra Men­kel, stell­ver­tre­ten­de Ober­meis­te­rin der Lan­des­in­nung für Ortho­pä­die-Tech­nik Ber­lin-Bran­den­burg und Vor­sit­zen­de des Fach­ver­ban­des für Ortho­pä­die-Tech­nik und Sani­täts­fach­han­del Nord­ost e. V. Sie erhielt 45 der 47 Stim­men. Damit ist sie die ers­te in den Vor­stand des Spit­zen­ver­ban­des gewähl­te Frau seit sei­ner Grün­dung nach dem Zwei­ten Weltkrieg.

Der neu gewählte Vorstand des Bundesinnungsverbandes für Orthopädie-Technik (BIV-OT) v.l.n.r. vordere Reihe: Lars Grun, Alf Reuter, Thomas Münch, Andreas Rulitschka, v.l.n.r. hintere Reihe: Matthias Bauche, Michael Schäfer, Joachim Glotz, Albin Mayer, Lars Jäger. Nicht auf dem Foto: Petra Menkel, die von der Delegiertenversammlung neu in den Vorstand des BIV-OT gewählt wurde.
Der neu gewähl­te Vor­stand des Bun­des­in­nungs­ver­ban­des für Ortho­pä­die-Tech­nik (BIV-OT) v.l.n.r. vor­de­re Rei­he: Lars Grun, Alf Reu­ter, Tho­mas Münch, Andre­as Rulit­sch­ka, v.l.n.r. hin­te­re Rei­he: Mat­thi­as Bau­che, Micha­el Schä­fer, Joa­chim Glotz, Albin May­er, Lars Jäger. Nicht auf dem Foto: Petra Men­kel, die von der Dele­gier­ten­ver­samm­lung neu in den Vor­stand des BIV-OT gewählt wur­de. Foto: BIV-OT/Chris Rausch

Ende Juni hat der Deut­sche Bun­des­tag das Arz­nei­mit­tel-Lie­fer­eng­pass­be­kämp­fungs- und Ver­sor­gungs­ver­bes­se­rungs­ge­setz (ALBVVG) beschlos­sen, in des­sen Zuge auch die Prä­qua­li­fi­zie­rung für Apo­the­ken für apo­the­ken­üb­li­che Hilfs­mit­tel ent­fällt. Das Bünd­nis „Wir ver­sor­gen Deutsch­land“ kri­ti­siert die ein­sei­ti­ge Befrei­ung für Apo­the­ken und for­dert in einer Stel­lung­nah­me die Poli­tik auf, geziel­te Maß­nah­men zu ergrei­fen, um eine ein­heit­li­che Zulas­sung auf Basis der PQ-Kri­te­ri­en für alle Leis­tungs­er­brin­ger sicher­zu­stel­len. „Der Gesetz­ge­ber hat mit die­ser Neu­re­ge­lung ohne Sach­grund sowohl die ein­heit­li­che Ver­sor­gungs­qua­li­tät als auch den glei­chen Markt­zu­gang und fai­ren Wett­be­werb im Hilfs­mit­tel­be­reich über Bord gewor­fen“, erklä­ren die WvD-Gene­ral­se­kre­tä­re Kirs­ten Abel und Patrick Gru­n­au. „Mit unse­rer Stel­lung­nah­me zei­gen wir auf, wo nun in der Fol­ge im Sin­ne aller Leis­tungs­er­brin­ger im Hilfs­mit­tel­be­reich drin­gen­der Hand­lungs­be­darf besteht.“

Per­so­nel­le Zei­ten­wen­de bei der Sani­täts­haus Aktu­ell AG: Die Leis­tungs­er­brin­ger­ge­mein­schaft hat am 10. Juli bekannt gege­ben, dass zum 1. Okto­ber 2023 mit Dr. Chris­ti­an Gent­ner ein neu­es Mit­glied an die Spit­ze des Vor­stands rückt. Der lang­jäh­ri­ge Geschäfts­füh­rer der Apo­no­va GmbH/ Askle­pi­os Sano­med folgt in sei­ner künf­ti­gen Lei­tungs­funk­ti­on auf Ben Bake, der Sani­täts­haus Aktu­ell fast ein Jahr­zehnt als Vor­stands­vor­sit­zen­der ange­führt hat.

Düs­sel­dorf wur­de zum Hilfsmittel-Hotspot

Cyb­ath­lon, Reha­ca­re, The­ra­pie Düs­sel­dorf und Invic­tus Games: Die nord­rhein-west­fä­li­sche Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf war Mit­te Sep­tem­ber der Treff­punkt für Men­schen mit Behin­de­run­gen in Deutsch­land. Allein die Reha­ca­re ver­buch­te über 30.000 Besucher:innen aus 83 Län­dern die­ser Welt. Im Fokus der dies­jäh­ri­gen Mes­se inklu­si­ve des klei­nen Kon­gress­pro­gramms stan­den die The­men Inklu­si­on und Digi­ta­li­sie­rung im Gesundheitsmarkt.

Nach Lon­don, Orlan­do, Toron­to, Syd­ney und Den Haag war mit Düs­sel­dorf erst­mals eine deut­sche Metro­po­le Aus­tra­gungs­ort der Invic­tus Games vom 9. bis 16 Sep­tem­ber. Mehr als 500 ver­wun­de­te und ver­letz­te Soldat:innen aus 21 Natio­nen waren ange­reist, dar­un­ter 39 aus Deutsch­land. Erst­ma­lig waren auch Ein­satz­kräf­te der Poli­zei und Feu­er­wehr unter den Teil­neh­men­den. 2014 vom bri­ti­schen Prinz Har­ry erdacht und ins Leben geru­fen, soll die­ses inter­na­tio­na­le Sport­fes­ti­val Kriegs­ver­sehr­ten eine Platt­form und ein neu­es Ziel im Leben geben.

Zweites Halbfinale im Sitzvolleyball bei den Invictus Games 2023: Die Sportler aus Polen und Georgien lieferten sich ein spannendes Duell.
Zwei­tes Halb­fi­na­le im Sitz­vol­ley­ball bei den Invic­tus Games 2023: Die Sport­ler aus Polen und Geor­gi­en lie­fer­ten sich ein span­nen­des Duell. Foto: BIV-OT/­Sieg­mund

Ortho­pä­die-Schuh­tech­nik, Ortho­pä­die-Tech­nik, Medi­zin, Sani­täts­fach­han­del, Phy­sio­the­ra­pie und Co.: Am 20. und 21. Okto­ber traf in Köln zusam­men, was zusam­men gehört und in Zusam­men­ar­beit die best­mög­li­che Ver­sor­gung der Patient:innen ermög­licht. 170 Fir­men aus Deutsch­land, dem deutsch­spra­chi­gen Aus­land und Euro­pa waren bei der Mes­se „Ortho­pä­die Schuh Tech­nik“ anzu­tref­fen. Fir­men stell­ten hier ihre tech­no­lo­gi­schen Inno­va­tio­nen, Pro­duk­te und Dienst­leis­tun­gen vor, Bil­dungs­trä­ger prä­sen­tier­ten ihre Kon­zep­te. Ein­blick in die aktu­el­len The­men der Bran­che erhiel­ten die Besucher:innen zudem im Kon­gress und inner­halb der Seminare.

Der 67. Jah­res­kon­gress der Fort­bil­dungs­ver­ei­ni­gung für Ortho­pä­die-Tech­nik (FOT) wie­der­um ging Ende Sep­tem­ber der Fra­ge nach, ob sich die Tech­ni­sche Ortho­pä­die der­zeit in einer Zei­ten­wen­de befin­det – sei es im sozi­al­ge­sell­schaft­li­chen Gesamt­kon­text oder auch kon­kret auf das eige­ne Fach bezo­gen. „Da kommt vie­les auf uns zu“, kom­men­tier­te Prof. Frank Bra­atz im Namen der Ver­ei­ni­gung Tech­ni­sche Ortho­pä­die in sei­nem Video-Gruß­wort in Bezug auf die digi­ta­le Trans­for­ma­ti­on der Bran­che und füg­te als Zwi­schen­fa­zit hin­zu: „Das Hand­werk dahin­ter wird wich­tig blei­ben.“ Bereits zuvor hat­te OTM Micha­el Schä­fer als Ver­tre­ter der ISPO Deutsch­land gemahnt: „Hin­ter­fra­gen Sie neue Tech­no­lo­gien! Stel­len Sie sie auf den Prüfstand!“

Abschie­de

2023 muss­te die Bran­che von wich­ti­gen Weg­be­glei­tern Abschied neh­men. Über vie­le Jahr­zehn­te arbei­te­te Prof. Dr. Georg Otto Neff eng mit den Gesund­heits­hand­wer­ken Ortho­pä­die-Tech­nik und Ortho­pä­die-Schuh­tech­nik zusam­men. Am 16. Janu­ar ver­starb er im Alter von 84 Jahren.

Die Fort­bil­dungs­ver­ei­ni­gung für Ortho­pä­die-Tech­nik (FOT) trau­ert um Bert­hold Kraus. Das Mit­glied des Ehren­rats ver­starb am 22. Janu­ar 2023 im Alter von 94 Jahren.

Am 8. April 2023 ver­starb Ortho­pä­die­me­cha­ni­ker-Meis­ter/Ing. für Ortho­pä­die Klaus-Jür­gen Jacobs im Alter von 89 Jah­ren. Von 1984 bis 1996 führ­te er als Ober­meis­ter die Lan­des­in­nung Hes­sen für Ortho­pä­die-Tech­nik und war zudem zwi­schen 1987 und 1996 im Vor­stand des Bun­des­in­nungs­ver­ban­des für Ortho­pä­die-Tech­nik aktiv.

Am 20. Mai 2023 ver­starb Her­mann Peri­ck im Alter von 76 Jah­ren. Er war Lan­des­in­nungs­meis­ter in Nie­der­sach­sen von 2003 bis 2014, Vor­stands­mit­glied im Zen­tral­ver­band Ortho­pä­die-Schuh­tech­nik (ZVOS) von 2006 bis 2009 sowie Vor­sit­zen­der der ISPO Deutsch­land, als Nach­fol­ger von Prof. Baum­gart­ner, von 1994 bis 1997.

Ortho­pä­die­tech­nik-Meis­ter Rein­hold Mül­ler ist am 22. ­Juni 2023 ver­stor­ben. Er wur­de 72 Jah­re alt. In Ber­lin führ­te er einen Meis­ter­be­trieb, war zuvor aber auch wäh­rend sei­ner beruf­li­chen Lauf­bahn unter ande­rem in Ango­la aktiv.

Mit Hans B. Bau­er­feind ist am 13. Juli 2023 eine der prä­gends­ten Figu­ren der deut­schen Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung der ver­gan­ge­nen sechs Jahr­zehn­te im Alter von 82 Jah­ren verstorben.

Hans B. Bau­er­feind ver­starb am 13. Juli 2023. Foto: Mar­cus Dassler/Bildfeuer

Prof. Dr. med. Vol­ker Büh­ren, ehe­mals Vor­stands­mit­glied der Deut­schen Gesell­schaft für Inter­pro­fes­sio­nel­le Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung (DGIHV) sowie Kon­gress­prä­si­dent der OTWorld 2018, ist am 17. August 2023 im Alter von 70 Jah­ren verstorben.

Fast ein gan­zes Jahr­hun­dert präg­te der Arzt, Ortho­pä­de und aka­de­mi­sche Leh­rer Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h. c. Heinz Mit­tel­mei­er das Gesund­heits­sys­tem in Deutsch­land. Gebo­ren am 9. Okto­ber 1927 in Ingol­stadt-Kot­hau, ver­starb Heinz Mit­tel­mei­er am 15. Juli 2023 in sei­nem Haus in Homburg/Saar.

 

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